Gruppenangebote in Bremen-Nord Revival der Boule-Bahnen

In Knoops Park treffen sich Gruppen zum Spiel auf einer neu hergerichteten Boule-Bahn. Auch im Stadtgarten Vegesack wollen engagierte Nordbremer eine alte Boule-Bahn wieder herstellen.
22.07.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Iris Messerschmidt

Die Corona-Pandemie hat Kontaktmöglichkeiten über einen längeren Zeitraum eingeschränkt. „Da bin ich froh, endlich wieder rauszukommen und auf andere Menschen zu treffen“, sagt Gisela Seliger. Als Kind spielte die heute 76-Jährige gerne Boccia, und so griff die Ihlpohlerin den Aufruf des Heimatvereins Lesum gerne auf, auf der neu hergerichteten Bahn in Knoops Park Boule zu spielen. In einer Zeit, in der Gruppenangebote unter freiem Himmel mit Abstandsregeln gefragt sind, entdecken die Nordbremer Boule-Bahnen wieder für sich. Was es in Knoops Park schon gibt, soll nämlich auch im Vegesacker Stadtgarten entstehen: eine alte Boule-Bahn, neu hergerichtet, als Treffpunkt und Spielmöglichkeit.

Vor zweieinhalb Jahren zogen Birgit Tell und ihr Mann vom Dümmer See nach Lesum. Bei einem Bekannten, der in Ruhestand ging, entdeckten sie das Boule-Spiel für sich. „Das wollte ich auch machen“, erzählt Birgit Tell. Mit Freunden und Bekannten nutzten sie hin und wieder die Boule-Bahn in Knoops Park. Dann kam ihnen der Gedanke, dass es noch schöner wäre, mit mehreren zu spielen. Birgit Tell und ihr Mann Konrad Langrehr-Tell, die 2018 dem Heimatverein Lesum beigetreten sind, nahmen mit dem Vereinsvorstand Kontakt auf und präsentierten ihre Idee.

Freude über Angebot des Heimatvereins

„Als Birgit Tell beim Heimatverein anfragte, ob man nicht Boule mit mehreren Leuten in Knoops Park spielen könnte, haben wir die Idee sofort aufgegriffen“, sagt Gisela Suhr, die beim Heimatverein Lesum für die Programmkoordination zuständig ist. Sie habe sich über den Vorschlag gefreut. Fast das gesamte Programm hat der Verein infolge der Corona-Pandemie absagen müssen. „Wann wieder etwas stattfindet, kann keiner genau sagen“, blickt Gisela Suhr eher resigniert in die Zukunft. Umso erfreuter ist sie über das Angebot, das der Verein auf der hergerichteten Boule-Bahn in Knoops Park machen kann.

„Das ging alles ganz schnell“, sagt Suhr und lobt das schnelle Handeln der Mitarbeiter des Umweltbetriebs Bremen. Sie erzählt: „Den Platz gibt es schon lange, den kennt jeder Lesumer. Allerdings war er so zugewuchert und mit Efeu bewachsen – da musste erst einmal ein Grünfachmann ans Werk.“ Zunächst war jedoch gar nicht klar, wer überhaupt zuständig ist. „Ich habe dann mit Christof Steuer, dem Vorsitzenden des Fördervereins Knoops Park, telefoniert. Der gab mir den Tipp, mit dem Umweltbetrieb zu sprechen.“ Das machte Gisela Suhr dann auch. „Schon ein paar Tage später waren die Mitarbeiter vor Ort und haben die Boule-Bahn wieder hergerichtet“, sagt Gisela Suhr.

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Nach einem Aufruf im Vereinsblatt und in den Medien treffen sich am Donnerstagabend erstmals zehn Personen, um gemeinsam Boule zu spielen. Ein paar Zuschauer sind ebenfalls vor Ort. „Ich habe Desinfektionsmittel im Gepäck“, sagt Birgit Tell. Nicht nur für sie ist es die erste Aktion dieser Art. Laminierte Zettel, an einem Ständer vor dem Spielfeld angebracht, erläutern die Regeln. „Hier ist jeder willkommen“, wollen Birgit Tell und der Heimatverein Lesum damit ausdrücken. „Schließlich ist es das erste Gruppenangebot seit der Corona-Pandemie“, erklärt Gisela Suhr. So sind Interessierte mit keinen, wenigen oder guten Boule-Kenntnissen an dieser Stelle willkommen.

Allerdings verlangt die Corona-Pandemie auch bei Spiel und Spaß unter freiem Himmel – beziehungsweise unter Schatten spendenden Bäumen am Admiral-Brommy-Weg hinter dem Café Knoops Park mit Blick auf die Lesum – entsprechende Verhaltensweisen. Birgit Tell klärt auf: „Wir spielen in Zweier- beziehungsweise heute ausnahmsweise mal zusätzlich in Dreierteams.“ Die lange Boule-Bahn, aufgeteilt durch einen gelben Strick in zwei Spielfelder, wird sogleich von den Teams in Beschlag genommen, die sich schnell zusammengefunden haben.

Spaßfaktor steht im Vordergrund

Birgit Tell gibt noch den Hinweis, dass die Teams „bitte auf ihrer Seite bleiben“. „Wir sehen das aber doch entspannt“, ruft eine Mitspielerin in die Runde, um den Spaßfaktor hervorzuheben. Dem stimmen alle zu, auch wenn sie auf die Abstandsregel achten. Während am Spielfeldrand möglichst viel Abstand zu den jeweiligen Mitspielern gewahrt werden soll, ist das Ziel auf dem Feld ein anderes: Dort soll der Abstand zwischen den geworfenen Kugeln zum Schweinchen, der Zielkugel, möglichst gering sein.

„Mal sehen, was daraus erwächst“, sagt Gisela Suhr, während sie den Spielern zuschaut. Die Hoffnung der Organisatoren, die mit Unterstützung des Heimatvereins das Treffen ins Leben gerufen haben, ist, dass eine feste Boule-Gruppe entsteht. „Treffpunkt, donnerstags, 17 Uhr“, hat zu Beginn die erstmals vor Ort spielende Gruppe festgelegt.

„Es ist auf jeden Fall ein tolles Angebot“, findet Hans Kindler. Der 84-Jährige spielt bereits seit Ende der 80er-Jahre Boule, „allerdings hauptsächlich im Urlaub“ und das auch nur sporadisch. Als ihn per Zufall ein Bekannter darauf ansprach, erinnerte er sich an die Boule-Bahn in Knoops Park, und traf sich drei Mal vormittags mit dem Bekannten zum Spiel. Dann hörte der Lesumer von der Idee einer neuen Boule-Gruppe und der Unterstützung durch den Heimatverein. „Jetzt wollen wir das mit dem Spielen mal regelmäßiger angehen“, sagt Kindler, der sich über die neu hergerichtete Boule-Bahn und das Angebot in Knoops Park freut. Sein Bekannter will beim nächsten Mal auch dabei sein.

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Das nächste Treffen ist – außer bei Regen – am Donnerstag, 23. Juli, um 17 Uhr. Koordinatorin für das Boule-Spiel in Knoops Park ist Birgit Tell. Interessierte – auch Zuschauer – können vorbeikommen oder sich vorab bei Birgit Tell anmelden unter der Telefonnummer 04 21 / 69 79 70 90. Boulekugeln sind für zwei Teams vorhanden. Weitere müssen mitgebracht werden.

Im Übrigen könnte die Boule-Gruppe, die sich in Knoops Park trifft, möglicherweise auch zum Turnier im Vegesacker Stadtgarten antreten. Jedenfalls, wenn es nach den Wünschen von Heiko Jacobi geht. Der spielt nämlich ebenfalls gerne Boule, oft mit einem Freund, im Stadtgarten Vegesack. Dort wurde er auf die alte Boule-Bahn aufmerksam. „Angelegt im Rahmen der Expo 2000 in Hannover“, erzählt Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt.

Ortsamtsleiter begrüßt Jacobis Vorschlag

Er hatte von Heiko Jacobi einen Anruf erhalten, weil der zunächst einen Antrag an den Vegesacker Beirat zur Wiederherstellung der Boule-Bahn im Stadtgarten stellen wollte. Doch Heiko Dornstedt verwies „als Vorsitzender des Stadtgartenvereins“ auf den kleinen Dienstweg. Der Idee, die mit Gras überwucherte Boule-Bahn im Stadtgarten wieder herzurichten, steht Heiko Dornstedt sehr positiv gegenüber. „Entkrautet, sicht- und wahrnehmbar, an entsprechender Stelle im Stadtgarten. Das ist doch – gerade wenn dort Boulespieler aktiv sind – auch ein toller Hingucker für Spaziergänger und Schaulustige“, ist sich Heiko Dornstedt sicher und traf sich mit Heiko Jacobi zum Ortstermin.

Jetzt sucht Boule-Fan Heiko Jacobi, der auch für die Homepage „VIP Vegesack Interessierte Personen Bremen-Nord“ verantwortlich ist, lediglich noch entsprechende Mitstreiter: „Die zum einen mit Hacke und Schaufel der verwachsenen Boule-Bahn zu Leibe rücken und zum anderen auf der anschließend neu hergerichteten Boule-Bahn spielen möchten.“ Interessierte können sich bei Heiko Jacobi unter der Telefonnummer 01 79 / 2 98 85 54 melden. In die Idee, in Bremen-Nord ein Boule-Turnier zu veranstalten, hat Heiko Jacobi auch schon das Umland einbezogen. „In Werschenrege gibt es nämlich eine sehr aktive Gruppe, mit der ich schon Kontakt aufgenommen habe.“

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