Gefühl von Aufbruchstimmung

Nordbremer Vereine starten wieder

Durch die Lockerungen in den letzten Wochen startet der Breitensport bei der SG Aumund-Vegesack, SG Marßel und dem TSV Lesum-Burgdamm wieder durch - sehr zur Freude der Mitglieder.
16.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Nagel
Nordbremer Vereine starten wieder

Während die Fußballer der SG Aumund-Vegesack schon wieder Punktspiele bestreiten können, müssen sich andere Sportler im Verein coronabedingt noch etwas gedulden.

Christian Kosak

Vom Vereinsleben sei man noch ein gutes Stück entfernt, sagt Rolf Honisch, Vorstandsvorsitzender der SG Aumund-Vegesack (SAV). Die Lockerungen in den vergangenen Wochen haben allerdings dafür gesorgt, dass der Breitensport in Bremen-Nord seinen Betrieb wieder aufnehmen konnte. Auch bei der SAV sind viele Abteilungen ins Training zurückgekehrt.

Natürlich unter den entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln, sagt Honisch. Doch an ein normales Vereinsleben, so wie es vor der Corona-Pandemie existierte, ist angesichts der Umstände nicht zu denken. „Dafür ist die Situation noch immer zu ungewöhnlich“, sagt Honisch.

Während die Fußballer sogar schon wieder im Punktspielbetrieb aktiv sind, dauert es bei den Hallensportarten etwas länger. Der Trainingsbetrieb könne zwar problemlos durchgeführt werden, doch in einigen Abteilungen sei ein Punktspielbetrieb nicht möglich.

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In der Sparte Prellball etwa seien die Saisonspiele für das gesamte restliche Jahr bereits abgesagt worden, auch im Turnen sei nicht an Wettkämpfe zu denken. „Dafür wäre der Aufwand einfach zu groß“, sagt Rolf Honisch. Nach jedem Turner müsste alles desinfiziert werden, das sei kaum zu leisten. Auch bei den Sportarten mit Vollkontakt wie dem Boxen, Judo und Karate sind Wettkämpfe momentan schlichtweg nicht durchzuführen.

Dennoch mache sich im Verein so etwas wie eine Aufbruchstimmung breit. „Im Nachwuchsbereich trainieren alle wieder, die Alt-Senioren, von denen viele ja zur Risikogruppe gehören, sind noch etwas vorsichtiger. Aber man merkt, dass die Leute extrem froh sind, dass sie wieder zum Training können“, sagt Honisch. Selbst einige Neuanmeldungen habe es im Verein schon gegeben, zeigt sich der SAV-Vorstandsvorsitzende überrascht.

Die kann der Verein auch aus finanzieller Sicht gebrauchen. „Wir haben im Mai Hygienemittel für 1000 Euro gekauft, mussten seither aber schon wieder nachkaufen. Das ist ein teurer Spaß.“ Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen, denn einen Corona-Fall im Verein hat es laut Rolf Honisch noch nicht gegeben.

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Auch bei der SG Marßel hat es laut Heiko Klaus Klepatz noch keinen positiven Corona-Fall gegeben. „Gott sei Dank“, sagt der Vorstandsvorsitzende und fügt an: „Das wäre ja das Worst-Case-Szenario.“ Bei einer Infektion mit dem Virus sei jedoch eine lückenlose Nachverfolgung im Verein möglich. Die Trainer, Abteilungsleiter und weiteren Verantwortlichen hätten die Hygienekonzepte sehr vorbildlich umgesetzt, vor allem die Listen seien sorgsam geführt worden. „Wir bewahren diese Listen auch nur drei Wochen lang auf und schreddern sie dann in einem Aktenvernichter, den wir extra beschafft haben. Das ist ja unglaublich viel Papier“, sagt Klepatz.

Die strikte Einhaltung der Regeln macht es aber auch möglich, dass es im Verein bereits wieder zu Zusammenkünften kommen konnte. Schon vor zwei Monaten hatte die SG Marßel eine erweitere Vorstandssitzung durchgeführt, an der aufgrund der Abstandsregelungen jedoch nur 30 statt 70 Mitglieder teilnahmen. Wie bei der SAV herrscht auch in Marßel Aufbruchstimmung, in die sich eine gewisse Vorsicht mischt. Vor allem im Breitensport überwiegt laut Klepatz aber die Freude über den Start, schließlich hätten inzwischen alle Abteilungen den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen.

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Die Fußballer und Leichtathleten seien dabei schon länger aktiv, doch auch Zumba, Yoga oder die Reha-Gymnastik können wieder angeboten werden. „Es läuft“, sagt Klepatz, schränkt aber ein: „Das Vereinsleben an sich ist natürlich immer noch gehemmt.“ Nach wie vor müssen die einzelnen Trainingsgruppen im Abstand von 15 Minuten in die Umkleideräume kommen, damit genügend Zeitpuffer vorhanden ist, sodass sich die Gruppen nicht vermischen.

Spezielle Hygienekonzepte haben auch die Verantwortlichen beim TSV Lesum-Burgdamm ausgearbeitet. So gebe es zum Beispiel bei den Pflichtspielen der Fußballer separate Ein- und Ausgänge für die Zuschauer. Das werde positiv aufgenommen, sagt Vereinspräsident Lüder Kleppe. Auch beim Handball würden schon wieder Pflichtspiele ausgetragen, die Zuschauer kämen hier über Außentreppen in die Halle. Die Basketballer, die in einer anderen Halle spielen, hätten ebenfalls ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Zudem werde bereits seit einigen Wochen wieder problemlos Tennis gespielt.

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In allen anderen Abteilungen des Vereins wurde zumindest der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, sehr zur Freude von Lüder Kleppe. „Man merkt einfach: Die Leute wollen Sport treiben und aktiv sein.“ Zwar dürften nach wie vor nur 50 Menschen zeitgleich in die Halle und auch der 130 Quadratmeter große Kursraum stünde nur für zwölf Personen zur Verfügung. „Aber wir müssen uns den Umständen stellen.

Es geht in die richtige Richtung“, findet der Lesumer Vereinsboss. Kleppe zeigt sich deshalb auch erfreut, dass die Stimmung im Verein nach wie vor gut ist. „Die Akzeptanz bei den Mitgliedern ist immer noch sehr hoch.“ Zum 30. Juni hätten zudem nur wenige Personen den Verein verlassen, die Zahl der Kündigungen habe sich im Rahmen gehalten. Seinen Verein sieht Lüder Kleppe für die kommende Zeit jedenfalls gerüstet.

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