Förderverein Teufelsmoor

Naturpark wächst nach Bremen-Nord

Vor gut zweieinhalb Jahren gründete sich eine Bürgerinitiative, die sich dafür stark macht, die Region rund um das Teufelsmoor zum Naturpark zu erklären. Nun soll auch der Bremer Norden integriert werden.
25.08.2020, 05:10
Lesedauer: 4 Min
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Naturpark wächst nach Bremen-Nord
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Die Mitglieder des Fördervereins Naturpark Teufelsmoor setzten sich dafür ein, dass das gleichnamige Gebiet zum Naturpark erklärt wird. Nach Beratungen mit dem Bremer Senat gibt es nun Pläne, sich dabei nicht ausschließlich auf das Teufelsmoor zu beschränken, sondern auch Flächen in Bremen-Nord in das Projekt mit aufzunehmen.

„In diesem Jahr haben wir die Anregung erhalten, uns nicht nur auf das Teufelsmoor zu beschränken, sondern auch den natürlichen Weitergang Richtung Lesum und Mündung in die Weser, mit dem Werderland insbesondere, mit einzubeziehen“, erklärt Arne Börnsen, Sprecher des Fördervereins Naturpark Teufelsmoor. Gleiches gelte für Knoops Park und den Friedehorstpark sowie die Bremer Schweiz. „Um die Besiedlung von Bremen-Nord herum wollen wir das Gebiet anschließen an den Geestrand in Osterholz-Scharmbeck und Hambergen und insofern ein etwas größeres, aber harmonisches Gebilde finden“, erzählt er.

Gespräch mit Staatsrat

Zu der Erweiterung des geplanten Naturparks um die Gebiete im Bremer Norden sei es durch einen ersten Austausch mit dem Senat gekommen. „Die erste Anregung kam im Umweltressort von Staatsrat Ronny Meyer. Anschließend haben wir mit der Behörde selber gesprochen“, erzählt der Initiator. Dadurch habe es weitere Anregungen gegeben, die der Förderverein schließlich aufgenommen habe.

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Doch mit der Ausweitung des geplanten Naturparks seien nicht alle Mitglieder der Bürgerinitiative einverstanden gewesen. Einige seien der Ansicht, man müsse sich bei dem Projekt auf das Teufelsmoor beschränken. „Ich bin aber der Auffassung, dass die Vielseitigkeit dieser Landschaft es nicht nur rechtfertigt, sondern auch gebietet, dass man in den Bereich der Bremer Schweiz reingeht. Die Bremer Schweiz mit den Waldgebieten in Leuchtenburg und Löhnhorst, bis rauf nach Eggestedt, hat ja eine Tradition, die heute oftmals in Vergessenheit geraten ist“, so Börnsen.

Profiteur von der Schaffung eines Naturparks wären unter anderem die Flora und Fauna in der Region. „Die Bremer Schweiz ist geprägt durch die Schönebecker und Blumenthaler Aue. Als ich vor über 60 Jahren mit meinen Eltern hierher zog, waren dort umfangreiche Kiebitzkolonien. Das waren Feuchtwiesen und dort fanden die Kiebitze vorzügliche Brutbedingungen“, erinnert sich Börnsen. In den 1960er-Jahren sei der Boden aber entwässert worden. Dadurch gäbe es in dem Gebiet heute keinen einzigen Kiebitz mehr.

Doch dieser Umstand ließe sich nicht so einfach umkehren. Schließlich profitierten die Landwirte von den entwässerten Böden, weil dadurch ihr Ertrag gesteigert werden würde. „Dass lässt sich nicht so ohne Weiteres umkehren. Man kann den Landwirten nicht einfach so sagen, jetzt habt ihr Pech gehabt“, sagt er. Man müsse mit kleinen Projekten beginnen und versuchen, Lösungen zu finden, wie man unter den heutigen Bedingungen wieder zu einer stärkeren Vernässung kommen könne, damit Kiebitze sich in dem Gebiet wieder ansiedeln können. „Das bekommt man nur im Einklang mit den Landwirten hin“, betont Börnsen. Dazu zähle etwa, dass die Landwirte Ausgleichszahlungen bekämen, wenn es wieder zu einer Vernässung der Flächen zugunsten des Naturschutzes kommt. „Das wäre Aufgabe eines Naturparks, auf Entwicklungen zu schauen, die möglicherweise Jahrzehnte in Anspruch nehmen, aber ein konkretes Ziel haben“, so Börnsen.

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Neben der Landwirtschaft und dem Naturschutz umfasst das Konzept Naturpark zwei weitere Säulen: Naherholung und Umweltbildung. „Naherholung im Bereich der Bremer Schweiz ist selbstverständlich“, sagt Börnsen. Worpswede, Fischerhude und das Bremer Blockland seien für die Menschen in der Hansestadt wichtige Orte zur Naherholung. „Für die Bremen Norder ist das die Bremer Schweiz“, so Börnsen.

Diese Naherholungsfunktion zu stützen und aufzuwerten sei eine Funktion des Naturparks. Das könne etwa passieren, indem Gaststättenbetriebe gestärkt würden, da sie eine zentrale Rolle für die Naherholung spielten aber in den vergangenen Jahrzehnten in der Region weniger geworden seien.

Der Förderverein habe rund 130 Mitglieder, allerdings seien darunter kaum junge Menschen. Deshalb sei es wichtig, Kinder und Jugendliche für das Thema zu begeistern. Aus diesem Grund spiele der Bereich Umweltbildung auch eine zentrale Rolle im Konstrukt des Naturparks. „Wir wollen Naturpark-Partnerschaften mit Schulen einrichten, um die Kinder an die Natur heranzuführen. Das ist ein ganz wesentlicher Schwerpunkt der Naturpark-Arbeit“, so Börnsen. Die Schulen hätten bei Gesprächen mit dem Verein bereits Interesse signalisiert.

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Für den Naturpark macht sich nicht nur der Förderverein stark, sondern auch die Grünen im Kreistag Osterholz. Die Fraktion hat nun beantragt, das Thema für die nächste Sitzung auf die Tagesordnung zu setzen und es im Vorfeld im zuständigen Fachausschuss zu diskutieren. „Besondere Schwerpunkte müssen das klimaschonende Moor- und Wassermanagement sowie die Belange der Landwirtschaft sein“, fordern die Grünen.

Bisher befindet sich das Projekt noch am Anfang. „Ich hoffe, dass es den Naturpark als formale Einrichtung 2023 gibt. Bis der Park arbeitsfähig ist, wird es mindestens ein Jahrzehnt dauern“, sagt Börnsen. Ob dann, so wie jetzt geplant, die Gebiete im Bremer Norden Teil des Naturparks sein werden, steht noch nicht fest. „Die große Frage ist, ob die Zustimmung Bremens, die wir von der Behörde und von den politischen Vertretern bekommen haben, auch umgesetzt und irgendwann Geld gezahlt wird“, sagt er. Was das angehe, sei er jedoch nicht pessimistisch, da der Anteil der Hansestadt sehr gering sei.

Weitere Informationen

Welche Auswirkungen hat ein Naturpark auf die hier lebenden und arbeitenden Menschen? Diese Frage wird im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung stehen, zu der der
Förderverein Naturpark Teufelsmoor für diesen Dienstag, 25. August, um 19 Uhr in das Dorfgemeinschaftshaus in Löhnhorst, Hauptstraße 12, einlädt.

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