Corona-Schutzimpfung

Impfverweigerer nach schriftlicher Einladung

Werner Stitz hört als Vorsitzender der AG SPD 60+ von vielen Ängsten rund um die Impfung. Jetzt bekam der 69-Jährige selbst die Impfeinladung, Freude wich Verärgerung, dieser Einladung will er nicht folgen.
19.04.2021, 06:00
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Von Iris Messerschmidt
Impfverweigerer nach schriftlicher Einladung

Werner Stietz (69) soll gegen Corona geimpft werden und hält das Schreiben in Händen. Über das kann er nur den Kopf schütteln.

Carmen Jaspersen

Die einen wollen geimpft werden, und bekommen keinen Termin - andere bekommen eine Einladung für einen Termin, aber so widersprüchliche Angaben, dass sie gleich ganz auf die Impfung verzichten. „Das hat doch System“, vermutet Werner Stitz. „Als Vorsitzender der Nordbremer Arbeitsgemeinschaft SPD 60 + und Sprecher der Ortsvereine in Rekum/Farge wurden fast täglich Geschichten über die Ängste, Sorgen und Probleme älterer Menschen in Bezug auf die Impfung an mich herangetragen“, erzählt Werner Stitz.

Schließlich hat sich der 69-Jährige laut eigenen Angaben für ein Impfzentrum in Bremen-Nord eingesetzt. Stitz: „In vielen Ortsvereinen ist eine hohe Altersstruktur zu verzeichnen.“ So sei es für ihn völlig unverständlich, weshalb die lange Fahrt ins Impfzentrum Messehalle 7 angesetzt werde, das sei für viele älteren Mitbürger nur mit „größter Kraftanstrengung“ überhaupt möglich. Stitz ist ärgerlich: „Die Gefahr, bei derart langen An- und Abreisen in Bus und Bahn, sich zu infizieren, einmal außer acht lassend, wo bleibt da das Feingefühl? Ich setze voraus, dass eine bürgernahe Behörde derartige Anforderungen gar nicht erst einfordern würde.“

Lukas Fuhrmann, Sprecher der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, erklärt dazu auf unsere Nachfrage: „Wer eine Einladung für eine Impfung in einem bestimmten Impfzentrum erhält, kann sich kein anderes Impfzentrum aussuchen.“

Bislang zumindest war auch Werner Stitz davon überzeugt: „Kommt für mich der Impftermin, bin ich sofort dabei - und habe damit auch das von anderen Gehörten früher als ein wenig übertrieben abgetan“, gesteht er. Und nun also dies: „Mit der schriftlichen Impfeinladung an mich, weiß ich, es kann noch verwirrender kommen.“

Werner Stitz, der sich alle Dokumente genau durchliest, kann es nicht fassen. Nicht nur, dass die Gesundheitsbehörde ihm vorschreibe, wo er geimpft werde und mit was, „mit Astra Zeneca, was für eine Bevormundung, ich will diesen Impfstoff nicht“, zu seinem besonderen Ärger gibt es in diesem Anschreiben auch noch einen völlig unsinnigen Passus. „Da wird man ja geradezu zwangsläufig von der Impfung abgehalten“, ist Werner Stitz stinksauer und liest laut vor.

„Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich mit dem Impfstoff von Astra Zeneca geimpft werden soll?“, lautet die rhetorische Frage auf dem mehrseitigen Anschreiben von der Gesundheitsbehörde. Eine Frage, die augenscheinlich dem so angesprochenen, künftigen Impfling Aufklärung bieten und mögliche Ängste nehmen sollte. „Umso erstaunlicher ist die Antwort“, empört sich Werner Stitz und liest den entsprechenden Passus vor: „Nein. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt derzeit, den Impfstoff von AstraZeneca bei Personen ab 60 Jahren nicht einzusetzen. Die seltenen Komplikationen, die aufgetreten sind, betrafen ganz überwiegend Personen unter 60 Jahren. Der Impfarzt oder die Impfärztin wird Sie dazu beraten.“ Kurz fehlen Werner Stitz nach dem vorgelesenen Widerspruch die Worte, dann seine vehemente Aussage: „Ganz bestimmt nicht. Mich wird da kein Impfarzt oder Impfärztin sehen. Wollen die mich auf den Arm nehmen, oder gleich von der Impfung abhalten?“

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Lukas Fuhrmann spricht auf unsere Nachfrage von einem Fehler im Anschreiben, „auf den wir bereits hingewiesen haben“, zu finden unter https://www.senatspressestelle.bremen.de/detail.php?gsid=bremen146.c.355849.de&asl=bremen02.c.732.de. „Wir bedauern den Fehler und entschuldigen uns für die falsche Darstellung“, heißt es auf der Homepage des Senatsressorts. Fuhrmann macht darauf aufmerksam, dass bei weitem nicht alle Einladungen diesen Fehler haben.

Darüber hinaus gibt der Gesundheitsressorts-Sprecher an, dass der Impfstoff von Astra Zeneca aktuell nur an Personen über 60 Jahren verimpft werde. „Wichtig ist festzuhalten, dass es zu den schweren Nebenwirkungen bislang nur bei Personen deutlich unter 60 Jahren kam. Die Impfung für Personen über 60 Jahren mit Astra Zeneca wird deswegen weiterhin empfohlen.“

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Eine Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Impfstoffen gibt es laut Lukas Fuhrmann aktuell nicht, das habe auch das Bundesgesundheitsministerium mehrfach betont. „Wir sind weiterhin in einer Mangelsituation, es gibt zu wenig Impfstoff, um allen Bremerinnen und Bremern ein Impfangebot machen zu können. Deswegen müssen wir die verschiedenen Impfstoffe steuern und damit verschiedenen Personengruppen auch verschiedene Impfstoffe anbieten“, so Fuhrmanns Erläuterungen.

Ob die künftigen Einladungen zu Impfterminen für Nordbremer in die Messehallen 7 mit der möglich Schließung des Nordbremer Impfzentrums Ende Juni zusammenhängt, ist bislang nicht geklärt. Für Werner Stitz steht jedenfalls fest, dass er und - so hat er gehört - weitere ältere Nordbremer diesen Weg nicht auf sich nehmen wollen. „Dann warten wir eben auf andere Möglichkeiten, vielleicht kann uns die bürgernahe Behörde da ja einen Hinweis geben.“

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