DIE NORDDEUTSCHE vor 25 Jahren: Das Schulschiff kommt nach Vegesack

Die SPD und die FDP unterstützten vor 25 Jahren das Anliegen vieler Nordbremer, die sich einen Umzug des Schulschiffs Deutschland nach Vegesack wünschten.
11.01.2019, 13:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Marina Köglin

Die Galerie „Haus am Wasser“ an der Vegesacker Weserpromenade war Ende 1993 unter Denkmalschutz gestellt worden und sollte nun nach alten Plänen und alten Fotos rekonstruiert werden. „Denkmalschutz für das Haus am Wasser“, titelte die NORDDEUTSCHE dazu am Donnerstag, 13. Januar 1994.

Im Jahr 1927 hatte der Vegesacker Ruderverein das Gebäude als Boots- und Vereinshaus vom seinerzeit „radikal modernen“ Architekten Ernst Becker im Bauhausstil errichten lassen. 1974 zog der Vegesacker Ruderverein zum Grohner Jachthafen um und verließ das Haus am Wasser. Danach hielt die Bewohnerin Carola Schulz dort einige Jahre lang mehr als 300 Papageien, weshalb das Gebäude im Volksmund auch unter dem Namen Papageienhaus bekannt war. Im Laufe der Jahre, zum Teil auch noch kriegsbedingt, waren beim Haus am Wasser allerdings, wie in dem Artikel vom 13. Januar 1994 zu lesen ist, „ganz erhebliche bauliche Eingriffe erfolgt, die die ursprüngliche zweckbetonte Eleganz weitgehend zunichte gemacht haben. Sie könnten aber nach Überzeugung der Denkmalschützer mit einem vertretbaren Aufwand wieder rückgängig gemacht werden.“

Für rund 250 000 Mark plus Architektenhonorar könne die äußere Rekonstruktion erfolgen, hieß es. 220 000 Mark hatte die Stiftung wohnliche Stadt bereits bewilligt. Um den noch fehlenden Betrag aufzubringen, habe man „Kontakt zum Finanzsenator aufgenommen“. Die Arbeiten sollten im Frühjahr beginnen und Ende des Jahres abgeschlossen sein. „Im Obergeschoss“, so endet der Artikel, „werden die Bildhauerin Christa Baumgärtel sowie weitere Künstler einziehen.“

Der Künstler und Kurator Hajo Antpöhler hatte das Gebäude längst als Ausstellungsort entdeckt. Zwischen 1990 und 1998 organisierte er dort mehr als 40 Kunstpräsentationen. Das Haus am Wasser wurde aufwendig in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert. Im Jahr 2000 mieteten der Bildhauer Thomas Recker und der Maler Helmut Streich das Haus als Künstleratelier. Aufgrund der Nähe zur Weser ist das Haus hochwassergefährdet. Türen und Tore bieten zwar Hochwasserschutz, aber ein dauerhaftes Wohnen ist dort nicht gestattet. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der Stadt Bremen, Immobilien Bremen sucht jedoch einen Käufer.

„Von der Straße auf die Schiene – Immer häufiger erhält die Bremer Wollkämmerei ihre Rohwolle mit der Eisenbahn“ – darüber berichtete DIE NORDDEUTSCHE am Freitag, 14. Januar 1994. Bereits seit Mai 1992 gelangte ein Großteil der Wolle auf der Schiene nach Blumenthal – im Jahr 1993 immerhin 60 000 Tonnen. Die BWK hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein eigenes Gleis erhalten. „Die zwei firmeneigenen Dampflokomotiven, Baujahr 1921, werden schon seit Jahrzehnten dazu genutzt, Kohle für das Kraftwerk, Chemiefasern oder Wolle auf das Werksgelände zu bringen. Feuer brennt in den Lokomotiven schon lange nicht mehr. Als Antriebsmittel dient Dampf aus dem Kraftwerk der BWK“, ist in dem Bericht zu lesen. Durch die Bahn sollten pro Jahr bis zu 6000 Lkw-Fahrten zwischen Bremen und Hamburg eingespart werden. Im Hamburger Hafen kamen die Woll-Lieferungen aus Australien und Neuseeland an, die etwa 75 Prozent der in Blumenthal verarbeiteten Wolle ausmachten.

Detlef Gorn vom Förderverein Kämmereimuseum verfolgt derzeit die Idee, eine Dampflok, die einst auf der Woll-Kämmerei in Betrieb war, in ihre „alte Heimat“ zurückzuholen. Die Lok ziert seit gut 18 Jahren das Entree der Logistikfirma Schimmler an der Kap-Horn-Straße. Der Förderverein möchte die Lok auf dem BWK-Gelände vor dem Wasserturm des Heizkraftwerks (HKW) aufstellen. Die Fraktionen des Beirats Blumenthal haben einem entsprechenden Antrag im November 2018 zugestimmt.

„Auftraggeber drückte Tauffeier Stempel auf“, hieß es am Sonnabend, 15. Januar 1994, in der NORDDEUTSCHEN. Der Bremer Vulkan hatte für die China Ocean Shipping Company ( COSCO ) das Containerschiff „ Zhonghe “ gebaut. Es war das erste von vier Containerschiffen, die der Vulkan und die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) für die China Ocean Shipping Company (COSCO) bauten. Die „Zhonghe“ hatte eine Stellplatzkapazität für 3764 Zwanzig-Fuß-Container. Das für „die hohe Dienstgeschwindigkeit" von 24 Knoten ausgelegte, 275 Meter lange und gut 32 Meter breite Schiff besaß acht Laderäume. Das Schiff war auch mit einem Hospital, einem Sportraum und einer Sauna ausgerüstet. Ein Schwimmbad mit Sonnendeck befand sich auf dem vierten Deck.

Ursula Kinkel, Ehefrau des damaligen Außenministers Klaus Kinkel, taufte die „Zhonghe“. Die NORDDEUTSCHE berichtete: „Vor der Rednertribüne standen in Reih und Glied chinesische Seeleute, und nachdem die obligatorische Flasche am Bug des Schiffes zerschellt war, wurden Knallkörper entzündet.“ 2014 allerdings wurde das Containerschiff „Zhonghe“ verschrottet.

Eines sehr viel längeren Daseins als die „Zhonghe“ erfreut sich das „Schulschiff Deutschland“. Der Dreimaster lief am 14. Juni 1927 vom Stapel. 1994 lag „der schönste maritime Oldtimer“ Bremens noch nahe der Stephanibrücke in Woltmershausen. Dort diente das Schulschiff als Internat und Ausbildungsstätte für den seemännischen Nachwuchs. Dabei könnte es doch als Touristenattraktion „an anderer Stelle mehr Furore machen als an seinem jetzigen Standort“, heißt es in dem Artikel Die , Deutschland‘ in Vegesack?“ vom Freitag, 14. Januar 1994. All die Nordbremer, die sich einen Umzug des Schulschiffs in den Vegesacker Hafen wünschten, bekamen damals Unterstützung: „Die Sozialdemokraten haben die nordbremischen Begehrlichkeiten inzwischen sogar in ihrem Tourismuskonzept für Bremen-Nord festgeschrieben.“

Neue Nahrung bekommen hatte die Diskussion um eine mögliche Verlegung durch eine dringend erforderliche Überholung des Schiffes, die in Vegesack stattfinden sollte. Auch der FDP-Kreisverband Bremen-Nord sprach sich für einen Umzug des Schulschiffs aus und regte eine Doppelnutzung als Ausbildungsschiff und Touristenattraktion an: „Beides zusammen könnte den Erhalt der ,Deutschland‘ langfristig sichern und das Schiff wieder mehr ins Bewusstsein der Bremer rücken.“

1995 wurde das Schulschiff als schwimmendes Kulturdenkmal anerkannt und von 1995 bis 1996 für 5,5 Millionen D-Mark auf der Vulkan-Werft renoviert und so weit wie möglich originalgetreu restauriert. Am 14. Juni 1996 waren die Arbeiten beendet und das Schiff wurde an seinen heutigen Liegeplatz gebracht. Seitdem liegt das „Schulschiff Deutschland“ zwar nicht im Vegesacker Hafen, aber in unmittelbarer Nähe an der Lesummündung. Das Schulschiff wird heute vor allem durch ehrenamtliche Helfer betreut und instandgehalten. Es wird als Hotel sowie für Tagungen, Ausstellungen und Feiern genutzt.

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