Festivals in Bremen-Nord Folk und Dixieland locken Tausende

Parallel haben am Wochenende zwei Festivals in Bremen-Nord stattgefunden: die „Dixieland-Tage“ in Lesum und „Folk im Park“ in Blumenthal. Beide waren ein Erfolg.
25.08.2019, 16:37
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Von Christian Pfeiff

Ursprünglich haben Lutz Hößelbarth und Rainer Wendelken vor acht Jahren gemeinsam die Veranstaltungsagentur „H&W-Weserevents“ gegründet. Am Wochenende traten die früheren Partner mit zwei Veranstaltungen in Erscheinung, die sich gegenseitig unterstützen: Hößelbarth als Ausrichter der im sechsten Jahr stattfindenden „Lesumer Dixieland-, Jazz- und Swing-Tage“ am Lesumhafen, Wendelken als Organisator des „5. Folk im Park“ im Dienste des Fördervereins Wätjens Park.

Obwohl beide Veranstaltungen zeitgleich und bei freiem Eintritt über das gesamte Wochenende stattfanden, konnten sich beide Organisatoren über mangelndes Publikumsinteresse wahrlich nicht beklagen: Bereits seit den Nachmittagsstunden zeigten sich beide Festivalstätten ausnehmend gut besucht. Neben musikinteressierten Fans, die gezielt die Plätze in unmittelbarer Bühnennähe suchten, zog das Spätsommerwetter auch viele Gelegenheitsbesucher an den Lesumhafen und in Wätjens Park.

„Wir haben in diesem Jahr allerdings auch sehr viele auswärtige Besucher, die aufgrund der Online-Werbung gezielt zu der Veranstaltung angereist sind“, ist Wendelken überzeugt, dem mit der Verpflichtung der hessischen Folkrock-Band „Paddy goes to Holyhead“ für den Freitagabend zudem ein echter Coup gelang: Immerhin erfreuten sich die Darmstädter in den ausklingenden 90-er Jahren bundesweiter Bekanntheit. Songs wie „Far away“ und „Here we go“ hatten auch bei Bremer Radiosendern einen festen Platz.

Freudiger Tanz am Abend

Diese Songs durften am Freitag nach der Eröffnung und dem musikalischen Auftakt durch die Folkrockband „Green & Grey“ natürlich nicht fehlen, auch wenn die Band um Sänger und Gitarrist Paddy Schmidt mittlerweile als Trio ohne Schlagzeuger unterwegs ist. „Nachdem die Verpflichtung von Paddy bekannt wurde, schnellten unsere Klickzahlen in den sozialen Medien augenblicklich in die Höhe“, berichtete Wendelken, der am Sonnabend die Anzahl der Besucher auf „bislang etwa 4000“ schätzte.

Ähnlich großen Zuspruch erhielten auch die am Freitagabend am Lesumhafen aufspielende „Red Onion Jazz Company“ und die „Jazz-O-Maniacs“. „Man sah von der Bühne aus nur noch Köpfe mit freundlichen Gesichtern“, freute sich Lutz Hößelbarth. „Dabei haben wir uns tags zuvor noch gefragt, ob wir nicht doch vielleicht zu viele Sitzgelegenheiten bereitgestellt haben – doch diese haben mal grade so gereicht“.

So bot sich auf beiden Veranstaltungen ein ähnliches Bild: Während die Nachmittage eher etwas gediegenen Klängen vorbehalten blieben und viele Besucher nach Möglichkeit schattige Sitzplätze bevorzugten, steigerte sich die Dynamik in den Abendstunden bis hin zum freudigen Tanz vor der Bühne. Trotz großer Fluktuation waren beide Festivalgelände jeweils sehr gut gefüllt, viele Besucher zog es in beiden Fällen sogar bereits Stunden vor offiziellem Programmbeginn zum „Folk im Park“ oder zu den „Dixieland-Tagen“.

Mit der gemeinsamen Verpflichtung der Berliner Skiffle- und Jugband „Searchin' the Roots“, die am Sonnabend zunächst am Lesumhafen und anschließend in Blumenthal aufspielten, ergab sich sogar eine erstaunliche Kooperation. Schließlich kann der gute Laune versprühende Rootssound, mit dem die Berliner Klassiker ebenso wie moderne Popsongs interpretieren, Jazz- und Folkfreunde gleichermaßen begeistern. Und hätte im Bremer Norden zeitgleich auch noch ein Countryfestival stattgefunden – die Berliner hätten auch auf diesem ein musikalisches Highlight dargestellt.

Attraktionen im Jahreskalender des Bremer Nordens

„Es ist toll, wenn junge Menschen Musik für sich entdecken, die um die vorige Jahrhundertwende entstanden ist“, kommentierte Lutz Hößelbarth den traditionalistischen Auftritt der Osnabrücker „Root Birds“. Danach präsentierte der umtriebige Bremerhavener Gitarrist Jörg Seidel neben seinem Trio auch die koreanische Sängerin Hyejin Cho, die er dort auf einem Jazzworkshop kennenlernte. „Gemeinsam spielen beide nur ganz wenige Termine in Deutschland, das Konzert ist quasi exklusiv.“

In Blumenthal präsentierte parallel die bereits vom Festival Maritim bekannte „Connemara Stone Company“ eine rockige Variante des Irish Folk und lockte zahlreiche tanzfreudige Besucher vor die Bühne. Als Konkurrenz oder Ergänzung zum erfolgreichen Festival Maritim versteht Wendelken das Blumenthaler Folkfestival indes nicht: „Bei uns läuft schließlich keine maritime Musik.“

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Stattdessen haben sich sowohl die „Dixieland-Tage“ als auch „Folk im Park“ als weitere Attraktionen im Jahreskalender des Bremer Nordens etabliert. Das Fazit des Wochenendes lautet deshalb: Neben heimischen ziehen beide Festivals auch zahlreiche auswärtige Musikfreunde an. Sie punkten nicht nur mit dem musikalischen Programm, sondern auch mit idyllischen Spielstätten. „Dixieland-Tage“ und „Folk im Park“ lassen eine Generationen übergreifende und nahezu familiäre Atmosphäre entstehen. "Und genau so soll es auch sein“, bestätigten Lutz Hößelbarth und Rainer Wendelken unabhängig voneinander.

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