Osterholz-Scharmbeck Heftige Kritik an "Tiere in Not"

Osterholz-Scharmbeck. "Ein steuerfinanziertes Tierheim ohne Betriebserlaubnis" - das Internetportal "charitywatch.de" hat einen Artikel über das Tierheim des Vereins "Tiere in Not" in Bargten veröffentlicht. Darin werden heftige Vorwürfe erhoben.
02.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Heftige Kritik an
Von Michael Rabba

Osterholz-Scharmbeck. "Ein steuerfinanziertes Tierheim ohne Betriebserlaubnis" - unter diesem Titel hat das Internetportal "charitywatch.de" einen Artikel über das Tierheim des Vereins "Tiere in Not" in Bargten veröffentlicht. Darin werden heftige Vorwürfe erhoben.

Die Publizistin Karin Burger, deren thematischer Schwerpunkt eigenen Angaben zufolge die Tierschutz-Kritik ist, kritisiert darin die finanzielle Unterstützung des Vereins durch die Stadt, obwohl es bis heute keine Betriebserlaubnis für das Tierheim gebe. Die Stadt weist den Vorwurf Burgers, den Verein in "unvergleichlich üppiger Weise mit Steuergeldern" auszustatten, zurück.

Die Autorin des Berichtes betreibt seit Juli 2010 die Internetseite "doggennetz.de". Dabei nimmt sie auf ihre "Erfahrungen aus 25 Jahren praktischer Tierschutzarbeit" sowie ihre " tiefen Einblicke in die Doggen-Schützer-Szene Bezug", wie sie mitteilt. In dem Artikel für charitywatch bezeichnet Burger den 2008 zwischen Stadt und Verein geschlossenen Vertrag als "spektakulär". Die Stadt hat sich darin - wie berichtet - verpflichtet, den Schuldendienst für ein Darlehen in Höhe von 134000 Euro zu übernehmen, das Tiere in Not 2008 zur Fertigstellung des Tierheimes benötigte.

Dieser Schuldendienst kostet die Stadt zehn Jahre lang jährlich 18252 Euro. Weiter zahlt die Stadt eine Pauschale von jährlich 8400 Euro für die Fundtierbetreuung an den Verein. Mit dieser Förderung, so Burger, nehme Tiere in Not bundesweit einen "absoluten Spitzenplatz" ein. Weiter schreibt Burger, das städtische Ordnungsamt habe den Betrieb des Tierheimes im Oktober 2010 untersagt und die Betreiber weigerten sich, die Tiere impfen und tierärztlich untersuchen zu lassen.

Gäbe es das Tierheim in Bargten nicht, müsste sich die Stadt anderweitig um die Betreuung von Fundtieren kümmern, was wohl kaum günstiger wäre, nahm Dezernent Torsten Rohde gestern auf Nachfrage Stellung zu dem Bericht. Die Übernahme des Schuldendienstes sei ein Investitionszuschuss an den Verein, die Pauschale von 8400 Euro für die Fundtierbetreuung alles andere als üppig. Das Ordnungsamt der Stadt habe den Tierheimbetrieb zudem mitnichten untersagt: "Dafür sind wir gar nicht zuständig." Zuständige Behörde sei das Veterinäramt des Landkreises.

Auch das Veterinäramt hat den Tierheimbetrieb nicht untersagt, betont Landkreis-Sprecher Thorsten Klabunde. Das Amt habe nur die Versorgung von Katzen aus einer Erbschaft des Vereins im ehemaligen Wohnhaus der Erblasserin untersagt. Die Versorgung der Tiere im Tierheim selbst entspreche "absolut den Anforderungen", unterstreicht Klabunde, das Veterinäramt kontrolliere regelmäßig. Auch die Räumlichkeiten entsprächen den Anforderungen. "Es ist nichts bekannt, was dagegen spricht, dass Tiere dort betreut werden." Das teilte Klabunde auch Karin Burger mit.

Chaotische Versammlung

Dass die Betriebserlaubnis noch nicht erteilt worden ist, sei nur einer Sache geschuldet, so Klabunde: Aufgrund der "Gesamtumstände" fordere der Kreis, dass der Verein eine zweite Person mit Sachkundenachweis benennt. Bislang könne nur die Tierheimleiterin Nora Khalil diesen Nachweis erbringen. Dass in dieser Sache "keine Lösung in Sicht ist", wie Burger auf charitywatch schreibt, sei falsch: "Eine zweite Person im Verein bereitet sich momentan auf die Sachkundeprüfung vor." Dabei handele es sich um seine Frau Brigitte, teilt der neue Vorsitzende von Tiere in Not, Peter Grüttner aus Lesumstotel, mit. Er wurde im Februar zum Nachfolger von Simone Reinhold gewählt, die ihr Amt im Dezember 2010 nach zehn Monaten niedergelegte. Seine Frau, die neue Schriftführerin des Vereins, habe Mitte Mai ihren Prüfungstermin. Er gehe davon aus, dass die Betriebserlaubnis im Juni erteilt wird, so Grüttner.

An dieser Erlaubnis hänge eine ganze Menge, betont Dezernent Rohde. Dann sei der öffentliche Zugang der Einrichtung möglich, sprich Publikumsverkehr - und der Verein könne einen Rahmenvertrag mit einem Tierarzt abschließen, was eine kostengünstigere Behandlung und Impfung ermögliche, so Rohde. Stichwort Impfung: "Es gibt definitiv keine Impfpflicht für Katzen, die im Tierheim betreut werden", erläutert Klabunde. Trotzdem sei die Impfung gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen eine "sinnvolle Sache", und der Kreis werde sie in die Betriebserlaubnis als zusätzliche Auflage aufnehmen.

Beobachter der Tierschutzszene in der Stadt sehen in dem Artikel auf charity-watch eine Eskalation vereinsinterner Querelen. Peter Grüttner, seit September 2010 Mitglied bei Tiere in Not, berichtet von einer chaotischen Mitgliederversammlung im Dezember 2010. Seine Vorgängerin habe die Vereinssatzung dergestalt ändern wollen, dass das Tierheim im Falle einer Vereinsauflösung dem Verein "Tierhilfe Sonnenschein" in Bremen zufällt, deren Vorsitzende sie ist. "Für mich sah es so aus, als ob der Bremer Verein sich das Tierheim unter den Nagel reißen will." Falsch, entgegnete Simone Reinhold gestern. Nicht die Tierhilfe, sondern die Stadt hätte begünstigt werden sollen. Die Versammlung sei dann aber so tumultartig verlaufen, dass sie den Vorsitz niedergelegt habe.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+