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IGS trifft ISS
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Doppelstrategie rettet den Funktreff

Michael Schön 23.10.2018 0 Kommentare

400 Kilometer über den Köpfen der Schüler und für zwölf Minuten doch ganz nah: Alexander Gerst in der ISS.
400 Kilometer über den Köpfen der Schüler und für zwölf Minuten doch ganz nah: Alexander Gerst in der ISS. (Christian Kosak)

Osterholz-Scharmbeck. Funktreff erfolgreich! Nach Terminsalat und Stromausfall konnte die IGS Osterholz-Scharmbeck gestern Kontakt mit Alexander Gerst aufnehmen. Die Verbindung mit dem Überflieger in 400 Kilometer Höhe hielt über zwölf Minuten, was Daniel Wendt-Fröhlich vom Deutschen Amateur-Radioclub (DARC) als Erfolg verbuchte. Im Wechsel mit dem Gymnasium Soltau hatten die Schüler den deutschen Kommandeur der ISS nach seinen Empfindungen beim Raketenstart gefragt, ob eine Wäscheleine an Bord sei und wie groß der Wasservorrat. „Astro-Alex“ erteilte ebenso sympathisch wie erschöpfend Auskunft, nur von den möglicherweise veränderten Wachstumsbedingungen im Weltall hatte er „keine Ahnung“.

Gedränge am Tisch der technischen Leitung: Das mediale Interesse am Sprechkontakt zwischen der IGS und dem deutschen Astronauten Alexander Gerst war riesig.   
Gedränge am Tisch der technischen Leitung: Das mediale Interesse am Sprechkontakt zwischen der IGS und dem deutschen Astronauten Alexander Gerst war riesig.    (Christian Kosak)

„Delta Papa Zero India Sierra Sierra . . . Do you copy me?“ So hörte sich, im Wechsel mit lautem Krächzen und heftigem Rauschen, der Anruf beim Überirdischen aus Künzelsau an, und so ging es eine Weile hin und her auf der Telefonbrücke zwischen Osterholz-Scharmbeck und Soltau, ehe endlich Klartext gesprochen wurde. Die zwölfjährige Leni Erdmann wollte von Alexander Gerst wissen, wie eigentlich mit Erkrankungen auf der ISS umgegangen werde. Man habe keine Viren an Bord, lautete die Antwort, sodass auch keine Gefahr bestünde, sich einen Infekt einzuhandeln. Bei lebensgefährlichen Verletzungen oder nicht auf der Station zu kurierenden Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung stehe die Sojus-Rettungskapsel für den Flug zur Erde zur Verfügung.

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Leni Erdmann war noch „ziemlich angespannt“, als sie wie ihre Mitschüler nach dem Funktreff Fragen von Funk und Fernsehen beantworten musste. Doch es sei „auch irgendwo schade, dass nun alles vorbei ist“, nach mehr als einem halben Jahr Vorbereitungszeit, in denen der Alltag bei der IGS zum All-Tag geworden war. „Zehn Monate für zehn Minuten“, stellte Daniel Wendt-Fröhlich lakonisch fest. Und das alles wäre umsonst gewesen, hätten die Amateurfunker nicht eine kluge Doppelstrategie gefahren. Auf vier Anlagen wurde gesendet und empfangen. Von denen waren zwei, so Wendt-Fröhlich, redundant – und dann ausgerechnet die für den Sendebetrieb vorgesehene Funkanlage plötzlich ausgefallen.

Leni Erdmann war eine der Schülerinnen, die mit
Leni Erdmann war eine der Schülerinnen, die mit "Astro-Alex" sprach. (Christian Kosak)

Das geschah zu einem Zeitpunkt, als die Turnhalle bereits gut gefüllt mit Schülern, Eltern, Pädagogen und Ehrengästen  war und man dem Date mit dem künstlichen Trabanten, groß wie ein Fußballfeld, erwartungsvoll entgegensah. Erregtes Stimmengewirr. Hektisch huschten Menschen hin und her. Das Horror-Gerücht vom Stromausfall verdichtete sich rasch zur Gewissheit. „Wir haben noch vier Minuten“, meldete Wendt-Fröhlich ins Mikro. Das beunruhigte Publikum hatte keine Ahnung, ob er damit Alarm schlagen wollte oder die Aufgeregten beschwichtigen.

Defekte Kabeltrommel

Amateurfunker des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) leisteten technische Unterstützung.
Amateurfunker des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) leisteten technische Unterstützung. (Christian Kosak)

Das Backup-System funktionierte indes reibungslos. „Wir haben da mit über 100 Watt gesendet, das entspricht der Leistung der eigentlich vorgesehenen Anlage“, informierte Amateurfunker Mathias Dahlke, überrascht vom „starken Signal“, das von der ISS empfangen wurde. Den Stromausfall führte er auf den Defekt einer Kabeltrommel im Außenbereich zurück. Ironie des Schicksals: Wasserschaden im Herbst eines Dürre-Jahres. Die Amateurfunker hatten die umfangreichen Funk- und Antennenanlagen teilweise selbst zusammengebaut. Wendt-Fröhlich: „So etwas gibt's nicht von der Stange.“ Nach sechsstündigem Aufbau wurden die Gerätschaften am vergangenen Sonntag erfolgreich getestet. Erschwert worden waren die Vorbereitungen dadurch, dass die Esa zwei Termine gecancelt hatte, die Osterholz-Scharmbeck und Soltau zugewiesen worden waren. Die beiden Schulen hatten sich in einem von der Esa ausgeschriebenen Wettbewerb für den Trialog mit der ISS qualifiziert. Die Terminverschiebungen hatten auch die Nerven der mit der Vorbereitung betrauten IGS-Lehrkräfte strapaziert. Für den Höhepunkt der Raumfahrt-Projektwoche hatten sie ein umfangreiches Rahmenprogramm zusammengestellt, das in einer zweiten Halle ablief. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), eine der größten und modernsten Forschungseinrichtungen Europas, war ebenso mit Präsentationen angerückt wie das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) und Aviaspace Bremen.

Das Interesse war riesig.
Das Interesse war riesig. (Christian Kosak)

„Heute heben wir mal ab“, versprach Direktorin Inge Kerlinski in ihrer Begrüßungsansprache. Bürgermeister Torsten Rohde verwies darauf, dass zwischen der „Reise zum Mond“ des Utopisten Jules Verne und der tatsächlichen Mondlandung keine 100 Jahre vergingen. Virtuell erschien dann auch noch Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf der Bildfläche, der mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland die Hoffnung aussprach, „dass vielleicht einer von euch eine neue Energiequelle entdeckt“. 

Zwölf Minuten Zeit war für die Fragerunde im Trialog zwischen Soltau, Osterholz-Scharmbeck und der Raumstation.
Zwölf Minuten Zeit war für die Fragerunde im Trialog zwischen Soltau, Osterholz-Scharmbeck und der Raumstation. (Christian Kosak)

Auf die Frage, warum er Astronaut geworden sei, riet Gerst den Schülern, neugierig zu sein und sich nicht früh festlegen zu lassen. Er sei schon als Kind ein Entdecker gewesen und habe immer wieder neue Sachen ausprobiert. 


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?