Neues Quartier am Vegesacker Hafen Streitfall Hochhaus

Ursprünglich war ein Gebäude mit sieben Geschossen am Vegesacker Hafen geplant, jetzt bekommt es vier mehr. Was Kritiker befürchten – und warum der Beirat dafür gestimmt hat.
24.02.2019, 17:31
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Streitfall Hochhaus
Von Christian Weth

Der Plan für das Stadtquartier am Vegesacker Hafen wird mittlerweile kontroverser diskutiert als bisher. Erst waren es einige Anwohner, die Einwände hatten, dann die FDP. Jetzt melden sich Kritiker zu Wort, die bisher geschwiegen haben.

Der eine ist Claus Jäger, Chef des Schulschiffvereins, der andere Uwe Meier, Architekt aus Burglesum. Beide sind verwundert, dass aus einem ursprünglich sieben- nun ein elfgeschossiges Wohngebäude werden soll. Und darüber, dass der Beirat nicht gegen dieses Hochhaus protestiert hat – so wie vor Jahren gegen ein anderes an anderer Stelle.

Jäger: "Packhaus" ist "viel zu hoch"

Claus Jäger sagt, was alle Kritiker bisher gesagt haben: dass er nichts gegen das Gesamtkonzept für das neue Hafenviertel hat, aber eben eine Menge gegen das Wohngebäude, das Projektentwickler Max Zeitz „Packhaus“ nennt. Für den Chef des Schulschiffvereins ist es nicht bloß zu hoch, sondern „viel zu hoch“. Und darum fehl am Platz. Nach seinen Worten stellt es nämlich ausgerechnet das Gebäude in den Schatten, das ihm zufolge einen besonderen Fixpunkt am Hafen darstellt: den Alten Speicher. Ein denkmalgeschützter Altbau neben einem neuen Hochhaus – das, meint Jäger, passt nicht zusammen.

Auf dem Entwurf, den Zeitz im Januar vorgestellt hat, kann man den Größenunterschied zwischen Speicher und „Packhaus“ sehen. Im Sommer vergangenen Jahres, als der Projektentwickler einen anderen Plan zeigte, war der Unterschied geringer. Damals, sagt Jäger, war das Hochhaus noch kein Hochhaus. Statt elf Geschossen hatte das Gebäude sieben. Für ihn war es damals weniger dominant und darum akzeptabler als das jetzige. Der Vereinschef nennt das „Packhaus“ anders als der Projektentwickler: Grohner Düne. Und die, meint er, soll sich nicht noch mal wiederholen. Claus Jäger will deshalb eine Initiative gründen, die sich gegen den Bau des Hochhauses wehrt.

Architekt stellt ganz neue Frage

Architekt Uwe Meier argumentiert ähnlich wie Vereinschef Jäger. Auch für ihn verliert der denkmalgeschützte Speicher an Präsenz, wenn das Hochhaus am Hafen kommt. Genauso wie ein anderer Hingucker am Wasser – das Schulschiff in der Lesummündung. Der Architekt stellt deshalb eine Frage, die so noch keiner in der bisherigen Debatte gestellt hat: Wozu ist es überhaupt wichtig, dass es in dem neuen Stadtquartier ein elfgeschossiges Gebäude gibt? Meier ist der Meinung, dass das Konzept auch ohne Hochhaus gut funktionieren würde. Um mehr Wohnungen zu schaffen, meint er, müssen Häuser schließlich nicht zwangsläufig in die Höhe gebaut werden.

Kaum ein Hochhaus ohne Probleme

Zumal es nach seinen Worten kaum ein Hochhaus in Bremen gibt, das keine Probleme mit häufigen Mieterwechseln und Leerständen hat. Meier schließt deshalb nicht aus, dass es auch im „Packhaus“ welche geben wird. Denn wie jedes Gebäude, sagt er, hat auch dieses attraktive und weniger attraktive Wohnungen: Mal haben die Mieter beziehungsweise Käufer einen Blick aufs Wasser, mal einen aufs Dach des Gebäudes, in dem künftig Kaufland sein Sortiment anbietet. Der Architekt hofft, dass die Politik das berücksichtigt – und dass sie sich nicht allein vom Projektentwickler sagen lässt, was funktioniert und was nicht. Wie zuvor beim gescheiterten Haven Höövt.

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Wilfried Sulimma findet es gut, dass über das Hochhaus diskutiert wird. Festgelegt haben sich der Sprecher der SPD-Beiratsfraktion und seine Kollegen trotzdem längst. Sie stimmten im Januar für das Quartierskonzept – und damit auch für ein elfgeschossiges Gebäude. Sulimma meint, dass sich das „Packhaus“ einfügt. Und dass höher gebaut werden muss, wenn nicht weitere Flächen versiegelt werden sollen. Dass die SPD dagegen war, als Investor Ludwig Koehne vor Jahren ein Hochhaus an der Weserstraße bauen wollte, stimmt ihm zufolge zwar. Aber seither ist für Sulimma „viel Zeit ins Land gegangen“. Heute würde er die Sache anders sehen.

Optimismus bei der Union

Für Torsten Bullmahn ist das eine Hochhaus mit dem anderen nicht zu vergleichen. Das Gebäude von Stararchitekt Hadi Teherani passte ihm zufolge einfach nicht an den Weserhang. Darum, sagt der CDU-Fraktionssprecher, wurde es von seiner Partei verworfen. Die Bebauung am Hafen mit „Packhaus“ hält Bullmahn dagegen für stimmig. Er weiß, dass manche Vegesacker befürchten, dass das Hochhaus zu einem sozialen Brennpunkt wie die Grohner Düne wird. Der Unionspolitiker glaubt das aber nicht. Seinen Optimismus begründet er mit der Mischung des Quartiers – und damit, dass die Polizei dort präsent sein wird, wenn sie an den Hafen umzieht.

Wie die Bürger in Wut abgestimmt haben, kann Fraktionssprecher Cord Degenhard gar nicht mehr so genau sagen. Im Protokoll der Januar-Sitzung steht nur, dass es eine Enthaltung und eine Gegenstimme gab, aber nicht, wer sich enthalten beziehungsweise gegen den Entwurf des Stadtquartiers gestimmt hat. Für Degenhard ist das auch gar nicht so wichtig. Entscheidend ist ihm zufolge, dass er das „Packhaus“ kritisiert hat. Er hält es nicht bloß für zu hoch, sondern auch für einen Stilbruch. Obwohl der Beirat mehrheitlich für das Konzept ist, denkt Degenhard darüber nach, das Gebäude noch einmal zum Thema zu machen.

Grüne bleiben skeptisch

Laut Thomas Pörschke wird es das so oder so. Der Fraktionssprecher der Grünen sagt, dass der Entwurf, den Projektentwickler Zeitz im Januar vorgelegt hat, nicht der endgültige ist. Ihm zufolge haben die Grünen zwar dem Plan für den Hafen samt Hochhaus zugestimmt, skeptisch sind sie aber dennoch. Ob das elfgeschossige Gebäude ins neue Quartier passt, will die Fraktion nach seinen Worten dann entscheiden, wenn klar ist, wie die Fassade gestaltet werden soll und welche Materialien zum Einsatz kommen. Pörschke sagt, dass die Grünen den Teherani-Bau sofort verworfen haben, beim „Packhaus“ haben sie Zweifel. Sollte das Gebäude beim späteren Detailentwurf nicht überzeugen, will seine Fraktion es nachträglich ablehnen.

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