Tanzschulen in der Corona-Krise Choreografie gegen Corona-Frust

Wer Tanzen zu seinen liebsten Hobbys zählt, hat es in Zeiten der Corona-Krise schwer. Tanzschulen haben geschlossen, Tanz in den Mai ist nicht. Einige Trainerinnen aus dem Kreis Diepholz aber machen weiter.
28.04.2020, 17:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Femke Liebich

Weyhe/Syke. Auf dem Trampolin oder einer ausgebreiteten Zeitung – Tanzen zur Corona-Zeit erfordert Improvisation und Kreativität. Während das Parkett im großen Saal ruht, stehen die heißen Sohlen bereit und warten sehnlichst darauf, dass sie endlich wieder zum Einsatz kommen. So sieht aktuell das Bild in den meisten Tanzschulen aus. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie müssen sie weiterhin geschlossen bleiben und der Unterrichtsbetrieb steht still. Doch engagierte ADTV-Tanztrainerinnen wie Nadine Reiners von der NR Dance & Event Tanzschule Nadine Reiners in Weyhe und Sonja Augustin von der gleichnamigen Tanzschule in Syke zeigen derzeit mit verschiedenen Aktionen, dass sie gar nicht daran denken, ihre Füße still zu halten.

„Zusammen mit meinen drei Kindern und unserem Hip-Hop-Trainer drehe ich jetzt regelmäßig Live-Videos zum Mitmachen“, berichtet Nadine Reiners. Die Sequenzen veröffentlicht sie auf Facebook und Instagram und verbreitet sie per Whats-App an ihre Kursteilnehmer. Ganz gleich, ob Schrittfolgen für Samba, Cha-Cha-Cha und Disco-Fox für ihre tanzbegeisterten Paare oder lustige und lebendige Choreografien zur Musik von „Bibi & Tina“ für die Jüngsten – mit ihren Videos möchte die Tanztrainerin vor allem den Spaß am Tanzen und an der Bewegung wecken. „Da ich keinen Live-Unterricht machen kann, sollen die kurzen Sequenzen bereits Gelerntes in Erinnerung rufen und gleichzeitig Lust machen, etwas Neues auszuprobieren“, erklärt sie ihre Idee.

Die Resonanz bringt die Unternehmerin, die erst im vergangenen Jahr ihr modernes und großzügiges Tanz- und Eventcenter eröffnet hat, zum Strahlen. „Ich bekomme tolle Videos zurück – zum Beispiel wie die Kids die Choreografien auf dem Trampolin oder im trocken gelegten Pool nachtanzen“, nennt sie zwei Beispiele. Auch wenn sie langsam Gefallen daran gefunden hat, auf digitalem Weg den Kontakt zu ihren Kursteilnehmern zu halten, kann sie es dennoch kaum erwarten, bis ihr großer und lichtdurchfluteter Tanzsaal endlich wieder mit Leben gefüllt wird. „Wir haben hier die besten Rahmenbedingungen, um der erforderlichen Abstandsregel Folge leisten zu können. Auch unser Biergarten und der Parkplatz würden sich bei schönem Wetter anbieten, um Tanzen auf Distanz unter freiem Himmel anzubieten“, erläutert Nadine Reiners ihre Überlegungen.

Bis dato hat sie zusammen mit ihrem Ehemann Aladdine Reiners-Hussein die tanzfreie Zeit genutzt, um den Außenbereich weiter zu verschönern und somit auch für künftige Veranstaltungen vorzubereiten. „Leider mussten wir für dieses Jahr schon einige geplante Feiern und Events absagen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das holen wir alles nach“, verspricht sie. So hat sie schon jetzt beschlossen, dass in ihrer Tanzschule – sofern es denn wieder erlaubt ist – auch in den Sommerferien getanzt wird. Dafür hat sie einige kreative Ideen hinsichtlich Workshops und weiteren Tanzangeboten im Kopf. Geplant sei außerdem eine bundesweite Flashmob-Aktion, „sobald wir wieder aufmachen dürfen“. Die entsprechende Choreografie zu einem Lied der Ehrlich Brothers hat sie ihren Tänzerinnen und Tänzern natürlich schon online zur Verfügung gestellt. „Wir bereiten dafür eine große Aktion vor“, kündigt Reiners an.

Einen ähnlich großen Elan und Tatendrang verspürt derzeit auch ihre Kollegin und ADTV-Tanztrainerin Sonja Augustin aus Syke. „Ich versuche, den Kontakt zu meinen Kursteilnehmern weiterhin aufrechtzuhalten. In den vergangenen Wochen habe ich bis zu 40 Videos gedreht, um sie in den heimischen Wohnzimmern weiter bei Laune zu halten“, erläutert die Inhaberin der Tanzschule Sonja Augustin ihr derzeitiges Betätigungsfeld. Die Videos für die Bereiche Gesellschafts- und Kindertanz sowie Hip-Hop und Zumba können passwortgeschützt über das Portal des Allgemeinen Tanzlehrerverbands heruntergeladen werden. „Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung, so allein durch den Saal zu tanzen“, berichtet sie. Unterstützt wird sie nur von einer Puppe – ihrem Tanzpartner – mit der sie die einzelnen Schritte, Figuren und Choreografien zeigt. „Während die einen gerne die bisher gelernten Schritte wiederholen möchten, fragen andere schon nach neuen Tänzen. Ich versuche, allen gerecht zu werden“, sagt Sonja Augustin.

Aus diesem Grund bietet sie nun auch ausgewählten Live-Unterricht via der Internetplattform Zoom an. Außerdem hat sie am Wochenende an der Aktion „Dis-Tanz auf der Zeitung“ der Europäischen Stiftung Tanzen teilgenommen. Die Idee dahinter: Wenn Tanzen in der großen Gruppe und in den gut ausgestatteten Tanzschulen nicht möglich ist, dann wird die Tanzidee eben in die heimischen Wohnzimmer der Republik gebracht.

Auch wenn die Tanztrainerin derzeit mehr als ausgelastet ist, sehnt sie sich ebenfalls danach, ihre Tänzerinnen und Tänzer endlich wieder persönlich zu sehen. „Ich würde mich schon freuen, wenn ich für einzelne Paare Privatstunden anbieten könnte“, sagt sie. Bis es soweit ist, hat auch sie bereits die ersten Vorkehrungen getroffen. „Unsere Räumlichkeiten sind so großzügig, dass die Sicherheitsabstände jederzeit eingehalten werden können, kreative Nasen- und Mundschutzmasken habe ich bereits beschafft und zuletzt sogar an einer Hygieneschulung teilgenommen“, verrät Augustin.

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