Bassum-Albringhausen Windpark liefert Strom für Mercedes

Die 13 Turbinen, die in Bassum-Albringhausen stehen, fallen Ende 2021 aus der EEG-Förderung heraus. Doch anstatt den Windpark abzubauen, liefert dieser ab 2022 seinen Strom nach Bremen an Mercedes-Benz Cars.
04.09.2019, 09:00
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Windpark liefert Strom für Mercedes
Von Tobias Denne

Für den Windpark in Albringhausen gibt es eine Zukunft. Denn eigentlich wäre Ende des kommenden Jahres Schluss für die 13 Turbinen gewesen. Im Jahr 2001 wurden diese gebaut und in den vergangenen 20 Jahren im Zuge des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) gefördert. Und diese Förderung läuft nun Ende 2021 aus. Daher müssen sich die Windparkbetreiber frühzeitig entscheiden, was passiert. Im schlimmsten Fall heißt das: Betrieb einstellen und Park zurückbauen. In Bassum ist es anders gekommen. Ab 2022 liefern die Turbinen ihren Strom nach Bremen. „Der Vertrag ermöglicht den Weiterbetrieb“, sagt Steffen Schwagerus, mit Jan Pinkernelle der Geschäftsführer von Windpark Bassum.

Dass es nun doch anders kommt, das liegt am besagten Vertrag von Statkraft und Mercedes-Benz Cars. „Der norwegische Energieversorger Statkraft liefert den regenerativ erzeugten Strom aus insgesamt sechs Bürgerwindparks“, teilt Lisa Klingert von Daimler mit. Der Strom aus Bassum wird dann direkt für die Energieversorgung des Werks in Bremen eingesetzt und soll dort dafür sorgen, dass das Mercedes-Benz-Werk einen Schritt auf dem Weg der CO2-neutralen Energieversorgung macht.

„Wichtiger Beitrag zur deutschen Energiewende“

„Damit sichert Mercedes-Benz Cars den wirtschaftlichen Betrieb von Bestandsanlagen, die so weiterhin ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele in Deutschland leisten können. Der Stromabnahmevertrag ist damit ein wichtiger Beitrag zur deutschen Energiewende“, ist Klingert überzeugt. Mercedes-Benz Cars sei damit das erste Industrieunternehmen in Deutschland, das den Strom aus Windparks nutze.

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Insgesamt nimmt Statkraft sechs Windparks mit 31 Turbinen in ganz Niedersachsen ab. Dass auch Bassum dabei ist, hat einen ganz einfachen Grund, wie Anne Joeken von Statkraft versichert: „Der Betreiber des Parks ist ein Bestandskunde. Bisher haben wir den Strom aus dem Windpark im Rahmen der Direktvermarktung an der Strombörse vermarktet. Der Park erhält nach 2021 ebenfalls keine Förderung mehr. Daher waren die Betreiber auf der Suche nach einer Alternative und wir freuen uns, dass wir gemeinsam den ersten direkten Stromabnahmevertrag in Deutschland schließen konnten.“

Deckung des Strombedarfs von 2,1 Millionen Haushalten

Alle Windparks wurden zwischen 1999 und 2001 in Betrieb genommen, sodass deren Förderung durch das EEG nach und nach ausläuft. Die 31 Turbinen in Bassum und Niedersachsen sind dabei keine Einzelfälle, denn ab Januar 2021 werden bundesweit rund 6000 Anlagen aus der Förderung herausfallen. „Insgesamt entspricht dies einer installierten Leistung von 4,5 Gigawatt, genug um den Strombedarf von etwa 2,1 Millionen Haushalten zu decken“, sagt Lisa Klingert.

Bevor das passiert, stehen die Betreiber vor der Frage, was mit ihren Anlagen in Zukunft geschehen soll. Dabei gibt es laut Anne Joeken drei Möglichkeiten: Abbau, Weiterbetrieb oder Repowering (Abreißen und neubauen, Anm. d. Red.). „Da bereits wertvoller Ökostrom produziert wird, ist es sinnvoll bestehende Infrastruktur weiterhin zu nutzen“, empfiehlt sie den Weiterbetrieb – auch für die Anlage in Bassum. Gleichzeitig versichert Steffen Schwagerus: „Als Betreiber frage ich mich, ob ich den Park repowern kann. Wegen der Flächenknappheit kann man die bestehenden besser nutzen.“ So würden heutzutage weniger Turbinen aber mehr Strom liefern.

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Allerdings haben die Verträge nicht ewig Bestand, denn diese richten sich immer nach dem Zustand der Anlage selbst. Die Windparks in Niedersachsen werden von Statkraft zwischen drei und fünf Jahre abgenommen. Der Vertrag für den Bassumer Windpark läuft bis 2024. „Die genaue Vertragsdauer hängt von der Einschätzung zur Lebensdauer der Anlagen ab. Der entscheidende Faktor ist hierbei das notwendige Standsicherheitsgutachten. Unter Umständen kann dies noch eine Verlängerung ermöglichen. Ist dies nicht möglich, muss die Anlage abgebaut oder aber repowered werden“, erzählt Joeken. Steffen Schwagerus fügt hinzu: „Grundsätzlich ist eine Vertragsverlängerung möglich, die zu den dann marktüblichen Bedingungen ausgehandelt wird. Sollte der heutige Windpark Bassum hingegen vor dem Jahre 2025 repowert werden, stellt sich diese Frage nicht mehr.“

Nachfrage nach grüner Stromerzeugung gestiegen

Grund für den Vertragsabschluss liegt auch in der aktuellen Klima-Debatte. Gerade in den vergangenen Monaten ist die Nachfrage laut Anne Joeken nach grüner Stromerzeugung bei Industriekunden gestiegen. „Das Bewusstsein ist mittlerweile groß. Da die Erzeugung eines Windparks fluktuiert und nicht zu jeder Zeit 1:1 zum tatsächlichen Verbrauch eines Industriekunden passt, strukturieren wir die Lieferung entsprechend des Bedarfs, sodass der Industriekunde zu jederzeit die Menge Grünstrom erhält, die er benötigt“, versichert sie.

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Das bedeutet: Liefert der Windpark zu wenig Strom an das Werk, wird von anderer Stelle Strom nachgekauft. Kommt zu viel Strom an, wird dieser dann entsprechend verkauft. „Künftig stammt der zugekaufte Strom zu nachweisbar 100 Prozent aus regenerativen Quellen, wie beispielsweise aus Wind- und Wasserkraft. Dies entspricht circa drei Vierteln des benötigten Strombedarfs in den deutschen Werken“, freut sich Lisa Klingert.

Dabei betont Joeken, dass Statkraft die Windparks nicht übernimmt, sondern nur den Strom kauft, den der Windpark produziert. „An den Eigentumsverhältnissen und dem Betrieb ändert sich nichts“, versichert sie. Doch Bassum und die anderen Windparks in Deutschland sollen noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie Anne Joeken ankündigt: „Insgesamt sind wir derzeit mit etwa 220 Windparks in Verhandlung und mit zahlreichen Unternehmen aufseiten der Industrie. Wir sind also mehr als zuversichtlich, dass das Beispiel aus Bassum und der anderen Bürgerwindparks Schule macht.“

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