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Interview mit Bestatter
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Warum Leichen unterschiedlich verwesen

Irene Niehaus 03.12.2015 1 Kommentar

Volkstrauertag
Eine Grabstätte mit Engel. Was auf Friedhöfen erlaubt ist oder nicht, legen Satzungen fest. Das Abdecken eines Grabes ist nicht gestattet. (Patrick Pleul, picture alliance / dpa)

Vielen Menschen fehlt heute die Zeit, sich intensiv um die Pflege des Grabes ihrer Angehörigen zu kümmern. Familien leben zudem weit verstreut. Manche Hinterbliebene entscheiden sich deshalb für eine Platte auf dem Grab oder Steine, die auf einer Folie liegen. Doch den Friedhofsverwaltungen sind sie ein Dorn im Auge. Denn in den Ruhestätten verwesen die Toten wegen des oft zu nassen Bodens auch innerhalb von 30 Jahren nicht. Irene Niehaus sprach darüber mit dem Wilstedter Grabmacher und Bestatter Rainer Bahrenburg.

Rainer Bahrenburg Grabmacher aus Wilstedt
Rainer Bahrenburg Grabmacher aus Wilstedt (Irene Niehaus)

Herr Bahrenburg, immer wieder hört man von dem Problem, dass Hinterbliebene Marmorplatte oder Steine vom Grab ihres Angehörigen entfernen müssen. Warum?

Rainer Bahrenburg: Platten oder Folien mit Steinen lassen keinen Sauerstoff ins Grab, der ja mit dem Regen in die Erde gelangt. Es ist dann versiegelt. Dadurch wird der Verwesungsprozess verlängert.

Wie lange braucht denn ein Körper in der Erde, um zu verwesen?

Bei den Böden unserer Region geht man von 30 Jahren aus, bis eine Leiche vollständig verwest ist, also auch die Knochen verschwunden sind. Die Friedhofsverwaltungen sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass nichts den Verwesungsprozess behindert.

Nach 30 Jahren läuft also die Ruhefrist ab?

Nicht überall. In manchen Regionen Süddeutschlands gibt es Friedhöfe mit einer Nutzungsdauer von 20 Jahren, das heißt, schon dann sind die Körper verwest, in anderen Regionen können es 40 Jahre sein.

Wovon hängt das ab? Nur von der Versiegelung von oben?

Nein, auch vom Boden. Bei Lehm dauert es länger, weil er Sauerstoff schlecht durchlässt. Ideal für die Verwesung sind sandige Böden. Aber die meisten Friedhöfe haben Mischböden. Da kann es sein, dass eine Grabstelle einen sandigen Untergrund hat und ein paar Meter weiter ist nur Lehm.

Wo können sich Angehörige informieren, was erlaubt ist oder nicht?

In den Friedhofssatzungen, die es bei den Friedhofsverwaltungen und zum Teil auch im Internet gibt.

Geht es da nur um Versiegelungen?

Nein, da steht auch drin, wie hoch die Bäume und andere Pflanzen auf den Gräbern wachsen dürfen.

Und wie hoch dürfen sie sein?

Augenhöhe sollten sie nicht überschreiten.

Eine Regelung aus ästhetischen Gründen?

Ganz und gar nicht. Wenn eine Pflanze die Augenhöhe erreicht hat, sind ihre Wurzeln entsprechend lang. Diese Wurzeln wachsen dann aber auch ins Nachbargrab. Wenn nun aber das eine Grab neu ausgehoben wird, müssen die Wurzeln entfernt werden. Oft wird dabei das Nachbargrab beschädigt. Um diese Situation zu vermeiden, hat man die Höhe der Bäume festgelegt.

Welche Rolle spielt der Sarg für den Verwesungsprozess?

Der Sarg hat die Aufgabe, einen Hohlraum zu schaffen, und der soll den Verwesungsprozess beschleunigen. Der beginnt mit der Austrocknung. Austrocknen kann ein Körper nur, wenn die Umgebung trocken ist. Deshalb brauchen Wüstenstaaten keine Särge. Das Holz des Sarges nimmt die Feuchtigkeit des Körpers auf, soll aber nicht die Nässe des Bodens aufnehmen. Deshalb sind Särge außen lackiert.

Wie lange dauert es, bis der Sarg verschwunden ist?

Zwischen zehn bis 20 Jahren. Hartholz wie Eiche zersetzt sich langsamer im Boden als Kiefernsärge. Das hängt aber auch von der Bepflanzung ab, viele Pflanzen entziehen dem Boden Feuchtigkeit.

Man braucht also Regen, damit Sauerstoff ins Erdreich gelangt, um Zersetzung und Verwesung zu beschleunigen. Zu viel Regen ist aber auch nicht gut, weil er den Boden zu feucht hält. Gilt das auch fürs Gießen?

Ja, die Angehörigen sollten nicht übermäßig gießen. Idealerweise sollte man sich für Pflanzen entscheiden, die gar kein Gießen benötigen.

Man hört gelegentlich von sogenannten Wachsleichen. Auf dem Buchholzer Friedhof wurden welche entdeckt? Was können wir uns darunter vorstellen?

Wegen des sehr lehmigen Bodens dort verwesen die Körper nicht. Sie sind bleich und wachshart. Wenn wir nach 30 Jahren ein Grab öffnen, um es neu zu belegen, und wir sehen einen intakten Sarg, wissen wir, dass da eine Wachsleiche drin liegt.

Ist das nicht makaber? Was machen Sie dann?

Wir hören sofort auf zu arbeiten, weil wir sonst die Totenruhe stören würden, und kontaktieren die Friedhofsverwaltung.

Was müssen Sie als Grabmacher nach der Bestattung berücksichtigen?

Wenn wir ein Grab verfüllen, dürfen wir es nicht verdichten, damit noch Sauerstoff hineingelangen kann.

Zur Person: Rainer Bahrenburg ist Grabmacher. Der 48-Jährige arbeitet seit elf Jahren im Wilstedter Bestattungsunternehmen Bahrenburg. Zuvor war er Maschinenbauingenieur in Zeven.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?