Unser Spieler der Woche: Jan-Christian Schröder vom Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen Die Notlösung

Melchiorshausen. Unser Spieler der Woche ist eine Notlösung, dabei ist die Bezeichnung gar nicht despektierlich gemeint. Denn er selbst gibt sich diesen Titel.
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Von Kim Patrick Puhlmann

Unser Spieler der Woche ist eine Notlösung, dabei ist die Bezeichnung gar nicht despektierlich gemeint. Denn er selbst gibt sich diesen Titel. „Ich sehe meine Rolle tatsächlich als Notlösung“, sagt Jan-Christian Schröder vom Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen. „Wenn ich helfen kann, dann helfe ich sehr gerne.“ Das Verb „helfen“ ist angesichts seiner Leistung fast schon untertrieben. Denn der 36-Jährige, der eigentlich für die Ü32-Mannschaft des Vereins spielt, wendete im Alleingang die Heimniederlage gegen den 1. FC Burg ab und wandelte einen 1:2-Rückstand durch seine beiden Tore innerhalb von nur sechs Minuten in einen 3:2-Erfolg um.

Dass Schröder überhaupt in den Kader rückte, war dem personellen Aderlass des Landesliga-Teams geschuldet. „Aufgrund von zahlreichen Verletzungen und Krankheiten haben wir auf Jan-Christian zurückgegriffen, eine absolute Ausnahme“, berichtet der TSV-Coach Wilco Freund. „Nach den Ausfällen von Lars Behrens und Tim Cohrs brauchten wir noch einen Offensivspieler.“ Ohne zu zögern hatte Schröder vor der Partie zugesagt, saß dann bis zur 75. Minute auf der Bank. Ein Einsatz war nicht geplant – eigentlich. Doch bereits während der ersten Halbzeit bereitete Freund seinen Aushilfs-Spieler auf eine Einwechslung vor.

Erster Einsatz nach langer Pause

„In der ersten Hälfte hat mir Wilco gesagt, dass ich für die letzten 20 Minuten rauf sollte“, erinnert sich Schröder. Mit fünf Minuten Verspätung war es dann soweit, und der Angreifer machte das, was in dem Moment enorm wichtig war – Tore schießen. „Ich war mir nicht sicher, ob ich auf diesem Niveau überhaupt noch mithalten konnte“, sagt der 36-Jährige. Tatsächlich war es für den Torjäger sein erster Einsatz seit eineinhalb Jahren in der Herren-Auswahl. Damals kam Schröder zu einem Kurzeinsatz. Denn eigentlich hatte er schon mit dem Leistungsbereich abgeschlossen. Die Trainingszeiten und sein Alter hätten ihn vor zwei Jahren dazu bewogen, in die Ü32-Mannschaft zu wechseln.

Ohnehin stand für Schröder ausschließlich der Spaß im Vordergrund, das sei schon immer so gewesen. „Ich musste nie leistungsorientiert spielen. Fußball mit Freunden und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft waren für mich immer das Wichtigste“, berichtet der selbstständige Geschäftsführer seines Familienunternehmens. „Ich hatte immer Glück, was meine Mitspieler angeht.“ Wohlgefühlt hätte er sich überall. Seine erste Station, der TV Stuhr, sei keine Ausnahme gewesen. Dort durchlebte er die Jugend-Teams, kickte bereits bei den F-Junioren des TVS. Im Herrenbereich ging es zum Brinkumer SV, bevor es zum TuS Syke ging. „Damals sind wir in die Bezirksoberliga aufgestiegen“, sagt Schröder.

Trotz dieses Erfolgserlebnisses wechselte er zu seinem heutigen Verein, dem TSV Melchiorshausen. Das ist nun zehn Jahre her. Schröder folgte seinem Freund Jan Schmötzer – mit dem er bereits zum TuS Syke gewechselt war – zum frischgebackenen Verbandsligisten. „Der Freundeskreis war beziehungsweise ist mir enorm wichtig, deshalb bin ich ihm gefolgt“, betont Schröder.

In Melchiorshausen erlebte der Angreifer überaus emotionale Momente, wie er selbst sagt. „Meine letzten zwei Jahre, in denen ich bei den Herren aktiv war, waren richtig dramatisch“, berichtet Schröder. „Zwei Mal sind wir gerade noch so in der Liga geblieben, obwohl wir schon so gut wie abgeschrieben waren.“ In einer komfortableren Situation befinden sich die Melchiorshauser in der aktuellen Saison – auch dank der wichtigen Treffer von der vermeintlichen Notlösung. „Das Gefühl war natürlich toll, solche Tore zu erzielen. Nach dem Spiel musste ich mir einige Sprüche anhören“, erzählt Schröder und lacht dabei. Der Grund dafür seien seine mittlerweile etwas ergrauten Haare. „Aber das habe ich mir natürlich nach so einer Partie gerne angehört.“ Grundsätzlich stünde der 36-Jährige nämlich immer bereit wenn die Landesliga-Mannschaft Hilfe braucht – natürlich nur als Notlösung.

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