Fußball-Oberliga

Es wird immer ungemütlicher

Der SV Atlas Delmenhorst zeigt eine ansprechende Leistung gegen den BV Cloppenburg, nutzt seine Torchancen jedoch nicht und verliert durch zwei defensive Unachtsamkeiten.
21.04.2018, 20:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Nadig

Delmenhorst. Was ist derzeit nur mit dem SV Atlas Delmenhorst los? Eine Frage, die sich nicht nur die Fans des Fußball-Oberligisten stellen, sondern vermutlich auch vermehrt die Spieler und Verantwortlichen selbst. Ob es auf die derzeitige Misere jedoch die eine Antwort gibt? Wohl eher nicht. Klar ist nur, dass die aktuelle Krise – zumindest in puncto Ergebnisse – die Blau-Gelben tief in den Abstiegsstrudel gerissen hat. Wie schmerzlich die neuerliche 1:2 (1:1)-Heimpleite im Derby gegen den BV Cloppenburg wirklich ist, wird sich jedoch erst diesen Sonntag zeigen. Der schlimmste Fall, der eintreten könnte: Der TuS Sulingen, der SSV Vorsfelde und der TB Uphusen entscheiden ihre jeweiligen Partien für sich, dann würde der SVA auf den zwölften Tabellenplatz abrutschen und nur aufgrund des besseren Torverhältnisses keinen Abstiegsrang belegen.

Zutiefst enttäuscht sanken einige Spieler der Blau-Gelben auf den Rasen des Delmenhorster Stadions, als der Abschlusspfiff des Schiedsrichter ertönte – Torhüter Florian Urbainski saß gleich mehrere Minuten mit hängendem Kopf an den Pfosten seines Tores angelehnt. Ob sich bei dem einen oder anderen Akteur zur Enttäuschung auch eine Spur Ratlosigkeit dazugesellte, kann man natürlich nur mutmaßen. Verständlich wäre es aber allemal. Denn nach zuletzt schwächeren Leistungen wussten die Blau-Gelben diesmal durchaus zu überzeugen. Eigentlich waren sie über weite Strecken gegen den BV Cloppenburg sogar das bessere Team. Sie hatten ein klares Chancenplus. Das Problem ist, dass es für gute Leistungen keine Punkte gibt. Und ohne Zähler ist der Klassenerhalt ein Ding der Unmöglichkeit. "Wir haben alles probiert. Ich kann den Jungs wirklich keinen Vorwurf machen. Wir müssen jetzt einfach weitermachen", sagte SVA-Coach Jürgen Hahn, "uns fehlt einfach dieses Erfolgserlebnis und Spielglück." Oder um es mit den Worten des ehemaligen Weltmeisters Andreas Brehme auszudrücken: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß."

Denn zweifelsohne hätten die Blau-Gelben zumindest einen Punkt verdient. Von Beginn an machten die Gastgeber Druck. In Minute acht hätten sie bereits in Führung gehen können. Cloppenburgs Torhüter Diederik Bangma parierte zuerst gut gegen Sebastian Koltonowksi und entschärfte im Anschluss den Nachschuss von Stürmer Marco Prießner. Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn dieser erste Versuch gleich gesessen hätte. Stattdessen gerieten die Blau-Gelben jedoch in Rückstand. David Niemeyer brachte den BVC mit einer sehenswerten Volleyabnahme von der Strafraumgrenze in Führung (14.). "Wieder mal haben wir den zweiten Ball nicht geholt und so das 0:1 kassiert", kritisierte der Atlas-Coach.

Bei seiner Elf kehrte mit dem frühen Gegentor die Verunsicherung aus den vergangenen Spielen zurück: Die Fehlpässe häuften sich, ebenso ging bei Atlas der Schwung aus den ersten Minuten verloren. Die Cloppenburger, die mit diversen U19-Spielern antraten, waren mit der 1:0-Führung offenbar erst mal zufrieden, zumindest drängten sie nicht auf den zweiten Treffer. Vielmehr überließen sie den Blau-Gelben den Ball, die mit fortlaufender Spieldauer selbstbewusster wurden – sie merkten, dass sie hier gegen keine Übermannschaft spielten. In Minute 24 hätte Prießner bereits für den Ausgleich sorgen können, doch nach einem feinen Zuspiel von Nick Köster schoss er den BVC-Torhüter nur an. Wenig später jubelten die Blau-Gelben dann aber: Mit einem Eckball von Patrick Degen hatte Cloppenburg-Schlussmann Bangma große Probleme. Er bekam das Leder nicht zu packen, sodass Sebastian Koltonowski zum 1:1 abstaubte. "Verdient", kommentierte Hahn.

Die Phase, die dann bis zum Halbzeitpfiff folgte, macht die Niederlage am Ende so bitterer, stimmt zugleich aber auch hoffnungsvoll: Atlas dominierte, Atlas spielte wirklich guten Fußball. Vor allem suchte die Hahn-Elf nach Lösungen und drosch den Ball nicht nur hoch und weit nach vorne wie bei den vergangenen Spielen. Über die Außenpositionen sorgten die Gastgeber für Tempo, die Zentrale um Philip Immerthal, Köster und Koltonowski verlagerte außerdem klug. Was fehlte, war nur der mittlerweile eigentlich überfällige Führungstreffer.

Dieses Versäumnis sollte sich in Durchgang zwei früh rächen. Atlas kontrollierte die Begegnung zwar wieder, wenngleich nicht mit der spielerischen Klasse aus der Schlussphase der ersten Hälfte. Eine einzige Fehlerkette in Minute 52 brachte die Verunsicherung aber wieder zurück: Niemand attackierte BVC-Spielmacher Niemeyer im Mittelfeld, sodass er ohne Bedrängnis den Ball in den Lauf von Derrick Ampofo legen konnte. Die Atlas-Innenverteidiger Marlo Siech und Stefan Bruns kamen beide nicht hinterher. Ampofo bugsierte das Leder durch Urbainskis Beine zum 2:1 für die Cloppenburger ins Netz. "Mit solchen Fehlern wird es schwer, eine Partie in der Oberliga zu gewinnen. Immer wieder kassieren wir diese Nackenschläge", meinte Hahn.

Mit der Führung im Rücken zog sich Cloppenburg wieder zurück und überließ dem Gastgeber das Spielgerät. Der war durchaus um den Ausgleich bemüht und rannte nochmals an. Vielleicht wurde er in dieser Phase aber zu hektisch. Denn die spielerische Genauigkeit ließ nach, angesichts des nahenden Abpfiffs wurde vermehrt auf lange Bälle gesetzt. Zum Erfolg führten diese aber nicht, stattdessen stand der SVA am Ende enttäuscht und ratlos mit leeren Händen da – trotz einer guten Leistung.

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