Basketball

Über fehlende und gute Werte

Im zweiten von drei Hanse-Games kommt es am Sonntag in der ÖVB-Arena zum Schlagabtausch zwischen den Eisbären Bremerhaven und den EWE Baskets aus Oldenburg.
09.02.2019, 21:26
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Über fehlende und gute Werte
Von Frank Büter
Über fehlende und gute Werte

Schon 2008 spielte Rickey Paulding (rechts) mit den Oldenburger Baskets in der ÖVB-Arena gegen die Eisbären (hier mit Jeb Ivey).

Andreas Kalka

Rickey Paulding ist nicht eine, er ist die Identifikationsfigur des Oldenburger Basketballs. Seit 2007 spielt der 36-Jährige für die EWE Baskets – und hat nun seinen Vertrag noch mal bis Sommer 2020 verlängert. „Ihr wisst, dass ich niemals woanders spielen würde. Diese Stadt und der Klub bedeuten meiner Familie und mir so viel! Eure Unterstützung über die Jahre hinweg war einfach großartig. Ich freue mich sehr, dass unser gemeinsamer Weg noch eine Weile dauern wird“, sagte Paulding, nachdem er mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Hermann Schüller die weitere Zusammenarbeit per Handschlag besiegelt hatte.

Paulding, der mit Oldenburg 2009 die erste und bisher einzige deutsche Meisterschaft gewann, zweimal Vizemeister (2013/2017) und 2015 Pokalsieger wurde, habe sich enorme Verdienste für den Klub erworben, lobte Schüller: „Rickey ist als Sportler, Führungspersönlichkeit und Mensch ein Vorbild.“ Auch Mladen Drijencic, seit März 2015 Cheftrainer der Baskets, zeigte sich sehr erfreut, auch in Zukunft auf die Dienste des Amerikaners setzen zu können: „Rickey ist das Herz und der Anführer unserer Mannschaft.“

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In mittlerweile fast zwölf Jahren in Oldenburg hat Paulding mehr als 460 Bundesligaspiele bestritten. Dabei erzielte der Small Forward mehr als 6250 Punkte und ist damit Spitzenreiter in der seit 1998 geführten Scoring-­Datenbank. Für seine langjährige Treue zum Klub erhielt Paulding, der sieben Mal in das Allstar-Team berufen wurde, eine ganz besondere Überraschung: Zu Ehren des Kapitäns hatten die Baskets eigens einen mit Saphiren verzierten „Loyalty Ring“ aus Gold anfertigen lassen. Überreicht wurde der Ring in einer Schatulle, die aus dem Original-Parkett hergestellt wurde, auf dem die Oldenburger 2009 mit Paulding die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatten. „Dass wir den größten Sportler, der je in Oldenburg gespielt hat, weiter an uns binden können, macht mich stolz. Was Rickey hier geleistet hat, ist einzigartig“, sagte der sportliche Leiter Srdjan Klaric.

Eisbären nach Jahren des Abstiegskampfes

Ein solches Gesicht wie Rickey Paulding fehlt den Eisbären Bremerhaven, die an diesem Sonntag um 18 Uhr das Team aus Oldenburg zum Nordderby in der Bremer ÖVB-Arena erwarten. Jahr für Jahr hat Bremerhaven zuletzt seinen Kader fast komplett erneuert. Jahre, die vom Abstiegskampf geprägt waren. Von einer hohen Fluktuation, von viel Tristesse und Enttäuschungen.

Alles Dinge, die Dan Panaggio, als Mitgesellschafter, Sportdirektor und Headcoach der neue starke Mann bei den Eisbären, ändern möchte und muss. Der NBA-erfahrene Panaggio ist in Bremerhaven angetreten, um den Basketball-Standort strukturell und sportlich in eine neue, erfolgreichere Ära zu führen. Aber seit der 64-Jährige Mitte Dezember zusätzlich auch noch das Traineramt übernommen hat, gab es ausschließlich Niederlagen, acht an der Zahl sind es nun schon. In Summe macht das zwölf Pleiten in Serie, beim Tabellenvorletzten schrillen die Alarmsirenen. Es ist also höchste Zeit, dass die Eisbären den Nachweis erbringen, dass der maßgeblich von Panaggio zusammengestellte Kader besser ist als der aktuelle Tabellenplatz. Es ist höchste Zeit, wieder einen Sieg zu landen – möglichst schon an diesem Sonntag in Bremen gegen den Tabellenzweiten aus Oldenburg.

Wie bei allen Hanse-Games in Bremen bieten die Eisbären ihren Fans aus Bremerhaven und Umgebung einen kostenlosen Transfer an und setzen Sonderbusse ein. Eine Aktion, für die der Klub in den sozialen Netzwerken nicht nur Zuspruch, sondern auch Hohn und Spott erntete. Ein User auf Facebook etwa kommentierte den Hinweis auf den Shuttleservice mit den Worten: „Ein 8-Sitzer reicht“. Ein weiterer Kommentar bezog sich auf den Austragungsort: Warum man in so einer großen Halle spielen müsse, fragte Patrick Engelhardt, wo man doch nicht mal die Stadthalle in Bremerhaven voll bekäme.

Basketball in Bremen lockt nach wie vor viele Interessierte an

Fakt ist jedoch: Basketball in Bremen lockt nach wie vor viele Interessierte an. Bis Donnerstag wurden im Vorverkauf bereits mehr als 6000 Tickets für dieses Nordderby abgesetzt, man hoffe am Sonntag auf bis zu 7000 Zuschauer, erklärte Kjell Veith, der PR-Manager der Eisbären, gegenüber dem WESER-KURIER. Wirtschaftlich sind diese Spiele in Bremen für die Eisbären inzwischen zu einem wichtigen Faktor im Etat geworden. Angefangen mit dem Pokal-Viertelfinal-Spiel gegen Alba Berlin am 1. März 2006 (Endstand 64:67), gastiert das Bremerhavener Basketballteam nun schon zum 24. Mal an der Bürgerweide. Die bisherigen Partien sahen rund 186 500 Zuschauer, das bedeutet im Durchschnitt 8100 Besucher. Die größte Kulisse gab es dabei mit 10 120 Zuschauern im März 2011 gegen die Dragons aus Quakenbrück.

Im vierten Jahr werden diese Spiele in Bremen nun bereits als Eventserie, als sogenannte Hanse-Games mit jeweils drei Partien pro Saison vermarktet. Das letzte Hanse-­Game dieser Spielzeit steigt am 28. April um 18 Uhr, Gegner ist dann die BG Göttingen. Wegen des weiter rückläufigen Zuschauerinteresses im Eisbärenkäfig in Bremerhaven und des vergleichsweise ungebrochen großen Zuschauerzuspruchs in Bremen, ist man im Eisbären-Lager nach Informationen des WESER-­KURIER auch nicht abgeneigt, die Anzahl der in die ÖVB-Arena ausgelagerten „Heimspiele“ absehbar auf vier zu erhöhen.

„Die äußeren Bedingungen sind einfach toll“, sagt Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube. Das erste Hanse-Game der laufenden Spielzeit gegen die Bayern hatte Panaggio aufgrund beruflicher Verpflichtungen in Daytona Beach/Florida noch verpasst. Umso mehr fiebert der Amerikaner nun diesem Vergleich mit den Baskets aus Oldenburg entgegen, die schon zum sechsten Mal zum Nordderby an der Bürgerweide gastieren. Panaggio setzt dabei auch auf das Publikum: „Die Eisbären sind ein gemeinsames Team für die Städte Bremen und Bremerhaven, wir sind euer Team und benötigen eure Unterstützung!“

Das Hinspiel hatten die Baskets mit 99:76 klar für sich entschieden. „Oldenburg hat uns da sehr geräuschvoll geschlagen“, erinnert sich Panaggio nur ungern an den enttäuschend schwachen Auftritt seines Teams. Gleichzeitig lobt er aber auch die Qualität des Gegners, „Oldenburg hat eine exzellent besetzte Mannschaft“. Was vielleicht zusätzlich Mut macht: Den letzten Vergleich mit den Baskets aus Oldenburg auf Bremer Parkett gewannen die Eisbären im November 2016 vor 8670 Zuschauern mit 97:92. Tickets für das Spiel sind noch an der Tageskasse erhältlich.

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