Basketball-Bundesliga Unruhe bei den Eisbären Bremerhaven

Die Partnerschaft mit der DME Sport Akademie in Florida hat im Umfeld der Eisbären Bremerhaven Begehrlichkeiten geweckt, die das neue Team noch nicht erfüllt. Es hagelt Kritik, doch das Zauberwort heißt Geduld.
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Unruhe bei den Eisbären Bremerhaven
Von Frank Büter

Es brodelt bei den Eisbären Bremerhaven. Nach drei Niederlagen am Stück und dem Absturz auf den 15. Tabellenplatz hat sich beim Basketball-Bundesligisten Unruhe breitgemacht. Nach drei Partien, in denen das neu formierte Team phasenweise arg enttäuscht und in verschiedensten Bereichen große Defizite offenbart hat, mehren sich die kritischen Stimmen – bei den Fans, in den sozialen Netzwerken, aber auch im Umfeld. Und auch der Druck auf Cheftrainer Arne Woltmann wächst. Was Fragen aufwirft – vor allem eine: Woher kommt diese Unruhe?

Nach Jahren der Tristesse haben die Eisbären vor der Saison neue Wege beschritten. Die deutschlandweit viel beachtete Zusammenarbeit mit der DME Sport Akademie mit Sitz in Daytona Beach/Florida ist dabei offenbar Fluch und Segen zugleich. Eine Zusammenarbeit, die Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube eingefädelt und als alternativlos bezeichnet hat. Akademie-Besitzer Dan
Panaggio, als Co-Trainer der Los Angeles Lakers zweimal NBA-Meister, ist im Sommer in Bremerhaven als Investor und Berater eingestiegen – und fungiert seit September nun auch als Sportdirektor.

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Panaggio hat maßgeblichen Anteil an der Zusammenstellung des Kaders, vor allem an der Besetzung der sechs Kontingentplätze. Dank Panaggio habe man Transfers tätigen können, die ohne dessen Netzwerk und
Renommee nicht möglich gewesen wären, hatte Grube im Vorfeld der Saison betont. Transfers wie den des NBA-erfahrenen Darnell Jackson, der wenige Tage vor dem Punktspielauftakt noch nach Bremerhaven gelotst werden konnte. Es ist ein Projekt mit Strahlkraft. Ein Projekt, das Perspektiven bietet. Und das im Verbund mit dem passablen Start in die Spielzeit nun auch Begehrlichkeiten geweckt hat.

Fünf Jahre in Folge haben die Eisbären ausschließlich gegen den Abstieg gespielt. Im vergangenen Frühjahr haben sie nur mit Ach und Krach erst am letzten Spieltag den Verbleib in der Bundesliga sichern können. Entsprechend groß ist der Wunsch, mal wieder auf der Sonnenseite der Liga zu stehen. Mal wieder an den Play-off-Plätzen zu schnuppern. Bei den Fans, aber auch bei den Mitarbeitern im Klub. Die Eisbären selbst haben diese Begehrlichkeit nicht geweckt. Sie haben sich einen gesicherten Mittelfeldplatz zum Ziel gesetzt und weder die Meisterschaft noch den Heimvorteil in den Play-offs als Saisonziel ausgerufen.

Am Sonntag kommt Würzburg

In dieser Phase des Umbruchs, der strukturellen und sportlichen Neuorientierung, ist vor allem eines gefordert: Geduld. Doch der Geduldsfaden scheint dünn zu sein. In die Enttäuschung über die jüngsten Pleiten mischen sich kritische Töne, Unmut macht sich breit. Angefangen beim obersten Eisbär, bei Gesellschafter und Geschäftsführer Wolfgang Grube. Anstatt seinem Trainer den Rücken zu stärken, hat er Arne Woltmann zuletzt beim Eisbären-Fantalk öffentlich kritisiert und ein klares Bekenntnis zum Headcoach vermieden. Das sorgt für zusätzliche Brisanz, für Diskussionen im Umfeld. Steht Woltmann gar auf der Kippe?

Eine Trainerdiskussion – noch dazu in dieser frühen Phase der Saison – ist ein zusätzlicher Störfaktor. Was die Eisbären stattdessen benötigen, ist Ruhe. Und Zeit. Zeit, diese neue Mannschaft zu entwickeln. Das Team besitzt Potenzial, das steht außer Frage. Allerdings haben die Eisbären auch junge, veranlagte Spieler wie Jordan Brangers in ihren Reihen, die zuvor noch nie oder nicht annähernd auf diesem Leistungsniveau unterwegs waren.

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Nun aber sollen eben diese Spieler bereits Verantwortung übernehmen, die auch schnell mal zu einer Last werden kann. Und es gibt Leute im Team, die in der vergangenen Saison wenig oder – wie etwa Point Guard Chris Warren – gar kein Basketball gespielt und entsprechend großen Nachholbedarf haben. All das gilt es zu berücksichtigen.

Arne Woltmann tut gut daran, genau darauf hinzuweisen. Er fordert Geduld ein. Die Diskussion um seine Person? Sie prallt ab, zumindest noch. Er zeigt sogar Verständnis für den Frust der Fans, betont aber auch, dass dieser Frust der Situation und der Mannschaft nicht gerecht wird. Woltmann gibt sich nach außen hin entspannt und zeigt sich in der täglichen Arbeit mit seinem Team fokussiert, aber auch fordernd. Einsatz, Wille und Schweiß, das ist es, was er sehen möchte.

Eine willkommene Gelegenheit

Im Verbund mit Sportdirektor Panaggio arbeitet Woltmann hart daran, aus den Spielern eine Einheit zu formen. Eine Einheit, die schon bald das nächste Level erreichen soll und zu einem Team wird, das sein Leistungsvermögen konstant abruft. Wie schwer das ist, haben die jüngsten Pleiten gezeigt. Das war ein klarer Rückschritt. Die jüngste Länderspielpause kam dem Trainer deshalb entgegen. Es war eine willkommene Gelegenheit, den Kopf freizubekommen und nun wieder voller Elan an die nächsten Aufgaben heranzugehen. Dieses Auf und Ab, Arne Woltmann hat es kommen sehen. Weil seine Mannschaft einen Lernprozess durchläuft. Ebenso wie die Verantwortlichen.

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Woltmann und Panaggio stehen beinahe täglich in einem intensiven Austausch. Denn auch die sportliche Leitung muss sich regelmäßig hinterfragen. Passt das Konzept? Was muss geändert werden? Es ist ein Austausch, der befruchtend wirkt. Woltmann kennt die BBL, Panaggio besitzt die Kontakte und reichlich Erfahrung. Nun gilt es, diese Komponenten zusammenzubringen. Die Ideen auf die Realitäten abzustimmen und Abläufe zu optimieren, weil der Basketball in Deutschland eben ein anderer ist als in der so hoch gelobten NBA. Auch das erfordert Geduld.

Um Zeit zu gewinnen und die Kritik gar nicht erst in eine echte Krise gipfeln zu lassen, sind indes auch Siege hilfreich. Die nächste Gelegenheit dazu besteht im anstehenden Heimspiel an diesem Sonntag gegen den Tabellennachbarn aus Würzburg (15 Uhr/Stadthalle Bremerhaven).

Info

Zur Sache

Neue Eisbären-App

Aktuelle Nachrichten, Liveticker und Statistiken zu den Spielen und einzelnen Spielern, all das und noch vieles mehr bietet die neue Eisbären-App, die ab sofort kostenlos im Store erhältlich ist und auf das Smartphone heruntergeladen werden kann. „So haben unsere Fans jederzeit die Möglichkeit, sich aktuell zu informieren“, sagt Kjell Veith, der PR-Manager des Bremerhavener Basketball-Bundesligisten. Darüber hinaus bietet die für Android- und iOS-Geräte erhältliche Eisbären-App schnellen und direkten Zugang zum Fanshop und zum Ticketcenter.

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