Erfolg bleibt aus Wie Panaggio die Eisbären Bremerhaven zum Klassenerhalt führen will

Mit nur drei Siegen aus 17 Spielen haben die Eisbären die Hinrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz abgeschlossen. Doch Dan Panaggio appelliert an die Fans, weiter an das Team zu glauben – so wie er es tut.
29.01.2019, 22:20
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Wie Panaggio die Eisbären Bremerhaven zum Klassenerhalt führen will
Von Frank Büter

Der Plan sah anders aus, ganz anders. Als Dan Panaggio im vergangenen Sommer bei den Eisbären Bremerhaven zunächst als Investor und Anfang September dann auch als Sportdirektor eingestiegen ist, wollte er dem Klub eigentlich nur beratend zur Seite stehen. Mit seiner Erfahrung, seinem Netzwerk und den von ihm vermittelten ausländischen Spielern wollte Panaggio helfen, den Bundesliga-Basketball am Standort Bremerhaven strukturell und sportlich in eine neue und erfolgreichere Ära zu führen.

Nach Jahren der Stagnation sollte es bei den Eisbären mit Panaggio, Inhaber einer Sport-Akademie in Daytona Beach/Florida und als Assistenztrainer von Phil Jackson bei den Los Angeles Lakers in den Jahren 2009 und 2010 zweimal NBA-Meister, wieder aufwärts gehen. Das zumindest war die Vision der Partnerschaft, die Eisbären-Mäzen und -Geschäftsführer Wolfgang Grube eingefädelt hat.

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Doch der Plan ging nicht auf. Mit nur drei Siegen aus 17 Spielen haben die Eisbären die Hinrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz abgeschlossen. Das Team steckt wie in der Vorsaison wieder mittendrin im Abstiegskampf – und liefert überdies reichlich Negativschlagzeilen. Der Trainer wurde zwischenzeitlich entlassen, Spieler wurden ausgetauscht – doch die Maßnahmen fruchteten nicht. Elf Spiele in Serie haben die Eisbären zuletzt verloren. Die Fans murren, das Abstiegsszenario nimmt Gestalt an.

Ein Szenario, das Anfang November noch undenkbar erschien. Nach einem Auswärtserfolg in Jena standen die Eisbären zu dem Zeitpunkt mit einer ausgeglichenen Bilanz von drei Siegen und drei Niederlagen im Mittelfeld. Ein Auftakt, der die Anhänger auf bessere Zeiten hoffen ließ. Der sie sogar vom Erreichen der Play-offs träumen ließ. Doch dann begann die Talfahrt. Vier Niederlagen später musste Arne Woltmann seinen Platz räumen, und auf Wunsch von Wolfgang Grube übernahm Dan Panaggio fortan auch den Part als Headcoach. Mit einem klaren Auftrag: „Wir dürfen nicht absteigen, denn sonst war alles umsonst“, sagte Grube nach der Trennung von Woltmann.

Er will die Eisbären stabilisieren

„Meine Trainerkarriere war eigentlich beendet – dachte ich“, sagt Dan Panaggio. Täglich in der Halle zu stehen, das Training zu leiten, Spiele zu analysieren, hinter all diese Dinge hatte der 64-Jährige längst einen Haken gesetzt. Jetzt aber füllen diese Dinge wieder seine Tage aus. Die Sonne Floridas hat Panaggio gegen das triste Wetter in Bremerhaven getauscht, wo er mit seiner Frau Ellen inzwischen ein kleines Apartment bewohnt. „Es ist eine Herausforderung für mich“, sagt der gebürtige New Yorker über seine Aufgabe.

Eine Aufgabe, der er sich stellt – voll und ganz. „Ich kannte die Liga am Anfang nicht und musste auch erst meine Erfahrungen machen“, sagt Panaggio. Jetzt aber sei er angekommen und davon überzeugt, die Mannschaft zum Klassenerhalt führen zu können. Der Amerikaner appelliert an die Fans, weiter an das Team zu glauben – so wie er es tut. Er will die Eisbären stabilisieren, will ihnen zu mehr Konstanz vor allem in der Defensive verhelfen, „das ist dringend nötig“. Zudem will Panaggio den Eisbären ein Spielsystem vermitteln, auf das er perspektivisch bauen kann – auch über die Saison hinaus. Mit einem Kader, der im Kern gewachsen ist, personell eine Grundlage hat und eben nicht immer wieder bei null anfangen muss.

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Panaggio möchte in Breitlauch, Bleck, Wimberg und Canthy alle vier deutschen Spieler in Bremerhaven halten. Zudem möchte er die Optionen nutzen und zumindest drei der Kontingentspieler weiter unter Vertrag nehmen. Und er beabsichtigt, mit einem vollen Zwölferkader zu arbeiten. „Das brauchst du, um in dieser Liga erfolgreich zu sein“, sagt Panaggio. Aussagen, mit denen er keinen Zweifel daran lässt, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und den Eisbären fortgesetzt wird. Nur seine künftige Rolle lässt er dabei offen. Macht er als Headcoach weiter? Oder nur als Sportdirektor? Panaggio winkt ab. „Es geht nicht um mich. Ich bin ein alter Mann“, sagt er und lacht. Aber wenn er nicht als Trainer weitermache, dann käme einer, der ein identisches Konzept verfolge.

"Es sind nur noch Nuancen"

Zukunftsmusik. Im Moment jedenfalls hat der „alte Mann“ viel Spaß daran, mit dem Team zu arbeiten, sagt er. Und er lässt sich auch vom ausbleibenden Erfolg nicht beirren. „Klar“, sagt Dan Panaggio, allmählich müsse man Tempo machen. Doch er spüre, dass sein Team immer besser werde. Dass es auf dem Weg sei, die Wende einzuläuten. „Es sind nur noch Nuancen, die den Unterschied ausmachen“, sagt der Headcoach und verweist auf enge Spiele wie zuletzt gegen Rasta Vechta.

Da habe er die Siegermentalität vermisst, einen Typen im Kader, der genau in solch engen Momenten das Team führt. Auch daran arbeitet er – und schließt dabei einen weiteren Personalwechsel nicht aus. Von Jordan Brangers und Gilbert Brown hat sich Dan Panaggio bereits getrennt, dafür wurden Darious Moton und zuletzt Durrell Summers nachverpflichtet. „Einen Tausch haben wir noch offen, aber der muss dann auch wirklich passen“, sagt Panaggio. „Das muss ein Spieler sein, der den Unterschied ausmachen kann.“

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Zur Sache

Nordderby in der Bremer ÖVB-Arena

Die Eisbären verlassen ihren Käfig: Im Rahmen der sogenannten Hanse-Games bestreitet der Basketball-Bundesligist am Sonntag, 10. Februar zum zweiten Mal in dieser Saison ein Heimspiel in der Bremer ÖVB-Arena. Um 18 Uhr trifft das Team von Headcoach Dan Panaggio im Nordderby auf den Tabellenzweiten aus Oldenburg. Für Panaggio, der im Dezember das Traineramt von Arne Woltmann übernommen hat, ist es der erste Auftritt in der ÖVB-Arena. Ende Oktober, als die Eisbären in Bremen vor mehr als 6300 Zuschauern dem amtierenden Meister Bayern München mit 72:89 unterlagen, weilte der Amerikaner aus privaten Gründen in Florida. Umso mehr fiebert der 64-Jährige nun diesem Vergleich gegen Oldenburg entgegen. Denn beim Versuch, die herbe 76:99-Hinspielpleite wettzumachen, setzt Panaggio auch auf eine große und lautstarke Unterstützung der Fans. „Wir sind ein Team für Bremerhaven und Bremen – und ich hoffe, dass die Fans in Bremen uns helfen“, sagt Dan Panaggio. Eisbären-Akteur Anthony Canty weiß um die Atmosphäre in der ÖVB-Arena: „Die Stimmung dort ist immer geil, ich habe richtig Bock darauf!“ Tickets für das Spiel gibt es an der Abendkasse oder online unter www.adticket.de. Die Tickets kosten zwischen 10 Euro (reduziert) und 43 Euro.

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