Stadt hofft auf Abriss Problemblöcke im Delmenhorster Wollepark verkommen

Monatelang lebten Menschen in Wohnungen ohne Wasser und Gas. Die Situation in Delmenhorst sorgte vor drei Jahren bundesweit für Bestürzung. Inzwischen sind die Gebäude verkommen, doch eine Lösung fehlt.
04.05.2020, 06:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Helen Hoffmann

Drei Jahre nach dem Beginn einer monatelangen Wasser- und Gassperre für rund 350 Menschen in zwei Hochhäusern in Delmenhorst sind die leerstehenden Gebäude verwahrlost. „An den Häusern hat sich nichts getan, außer dass sie weiter verfallen“, sagte Stadtsprecher Timo Frers. Selbst der Verwalter der Eigentümergesellschaft, Matthias Volkmer, sieht inzwischen keine Alternative mehr zu einem Abriss. Der Plan, die beiden Gebäude zu sanieren, sei an den Eigentümern gescheitert. Von 50 Eigentümern gäbe es gerade einmal fünf, die ihre Hausgelder bezahlten, sagt er. Davon könne er nicht einmal die laufenden Kosten begleichen.

Häusern wurde Gas abgedreht

Rückblick: Am 27. April 2017 wurde in den Häusern mit der Adresse Am Wollepark 11 und 12 das Gas abgedreht. Die Eigentümergesellschaft hatte Wasser- und Gasrechnungen nicht gezahlt, es gab Rückstände von rund 200 000 Euro. Die Bewohner - darunter Familien mit kleinen Kindern - saßen in kalten Wohnungen ohne warmes Wasser. Anfang Mai wurde wegen der nicht bezahlten Rechnungen auch das Wasser abgedreht. Zur Notversorgung wurde ein Standrohr mit sechs Wasserhähnen vor den Häusern errichtet. In den folgenden Wochen zogen mehr und mehr Menschen aus, der Zustand der Häuser verschlechterte sich.

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Unbewohnte Wohnungen wurden aufgebrochen, es kam zu Vandalismus. Ende Juli waren noch 226 Menschen Bewohner in den Häusern gemeldet. Zu deren Schutz bestellte die Stadt eine Brandwache, zwei Sicherheitsleute waren rund um die Uhr vor Ort. Die wöchentlichen Kosten von rund 10 000 Euro sollten die Eigentümer zahlen. Im September wies die Stadt die Mieter darauf hin, dass die Häuser wegen schwerer Mängel für unbewohnbar erklärt werden. Die Eigentümer seien offensichtlich nicht in der Lage, für angemessene Wohn- und Lebensverhältnisse zu sorgen. Anfang November 2017 wurden die Häuser verriegelt, Menschen fand die Stadt in den Wohnungen nicht mehr vor. Handwerker tauschten die Schlösser an den Eingangstüren aus, Zettel informierten in mehreren Sprachen über die Maßnahme.

Seitdem sind die maroden Gebäude verriegelt. Das Gelände ist durch einen Bauzaun abgesperrt. „Die Stadt musste tätig worden“, sagt Frers. „Wenn es stürmisch wurde, war es nicht sicher. Es gab auch immer wieder Menschen, die dort eingestiegen sind.“ Die Kosten für die Absicherung sollen die Eigentümer tragen. „Wir versuchen weiter, das Geld von der Eigentümergemeinschaft zurückzubekommen.“ Auch die Stadtwerke haben noch offene Rechnungen mit den Besitzern der Wohnungen. Seit Jahren gehen sie gerichtlich gegen die Eigentümer vor. Nach Angaben der Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler belaufen sich die Rückstände derzeit auf eine Summe von rund 66.000 Euro.

Oberbürgermeister kritisiert Eigentümer

Der Oberbürgermeister der Stadt, Axel Jahnz (SPD), kritisiert das Verhalten der Eigentümer scharf. „Das ist schändlich“, sagt er. „Das ist auch nicht seriös, was da abgeht. Es ist ein Elend.“ Ihm zufolge haben die Eigentümer Mieter und Staat ausgenutzt. Demnach erhielten viele der Betroffenen soziale Leistungen vom Staat. Die Eigentümer kassierten Miete und bezahlten die Rechnungen bei den Stadtwerken nicht. Ein solches Verhalten dürfe die Stadt nicht dulden. „Wir haben alles richtig gemacht, diese Blöcke zu räumen“, sagt er.

Dass die Eigentümer die Häuser nicht an die Stadt verkauft haben, ist aus Sicht des Oberbürgermeisters unklug. „Die Kosten sind gestiegen, aber nicht der Ertrag.“ Die Stadt bekunde seit Jahren, dass sie die Gebäude übernehmen möchte. Der Verwalter habe einen Sanierungsplan angekündigt und nichts sei passiert. „Er hat es nicht geschafft.“ Für den Abriss wird aus Sicht der Stadt ein siebenstelliger Betrag fällig. „Im Grunde ist das eine Minusfläche“, so Jahnz.

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Die beiden Häuser gehören zu einem rund 23 Hektar großen Gebiet, in dem Menschen aus rund 40 Nationen zu Hause sind. Die Stadt will das Viertel sanieren und hat mit dem Abriss leerstehender Wohnblocks begonnen. „Es sind viele Schritte unternommen worden, um das Viertel umzugestalten und aufzuwerten“, sagt der Stadtsprecher. „Die Fortschritte sind spür- und erkennbar.“ So gibt es einen neuen Spielplatz, der Landschaftspark wurde umgestaltet.

Stadt will Häuser abreißen

Aus Sicht des Oberbürgermeisters ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Stadt die beiden Problemhäuser abreißen lassen kann. „Wir werden uns diese beiden Blöcke holen“, sagt Jahnz. „Die Eigentümer haben dieses Rennen verloren.“ Demnach sind die Gebäude inzwischen eine Gefahr, der Abriss ist zwingend. Sollten sich die Eigentümer nicht darum kümmern, werde die Stadt das tun. „Das geht nicht von heute auf morgen, da müssen Gerichte mit einbezogen werden“, so Jahnz. „Ich bin hartnäckig dabei.“ Sein großer Wunsch sei, dass der Abriss bis zum Ende seiner Amtszeit im Oktober 2021 auf den Weg gebracht ist.

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Der Verwalter der Eigentümergesellschaft hat ein früheres Datum im Blick. „Am 31. Oktober 2020 läuft der Verwaltervertrag aus. Ich beabsichtige nicht, ihn zu verlängern“, sagt Volkmer, der in einem der beiden Gebäude eine Wohnung besitzt. Bis Ende Oktober würde er die Stadt unterstützen, danach werde es wahrscheinlich keinen Ansprechpartner mehr für die Eigentümergesellschaft geben. Ihm sei klar, dass die Gebäude abgerissen werden müssen. Aber: Das Grundstück habe einen Wert, darüber müsse man sich unterhalten.

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