Christoph Becker und Christian Hohnholt im Interview „Die Texte haben wir schon drauf“

Mit Mark Forster und Gregor Meyle kommen zwei bekannte deutsche Sänger zum „Festi-Del“ nach Delmenhorst. Im Interview verraten Christoph Becker und Christian Hohnholt, wie sie dies geschafft haben.
19.07.2017, 17:24
Lesedauer: 7 Min
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Von Maurice Reding

Sind sie beide schon fleißig am Texte lernen für den 4. und 5. August?

Christoph Becker: Nö. Die Texte hatten wir eigentlich schon drauf, bevor wir die beiden Künstler gebucht hatten. Bei Gregor Meyle kennen wir die Texte, weil wir ihn schon häufiger veranstaltet haben. Mark Forster hört man jeden Tag im Radio. Er ist ja momentan Deutschlands meist gespielter Künstler im Radio. Da ist mitsingen garantiert, da brauchen wir nicht noch zu lernen.

Sie haben zum ersten „Festi-Del“ mit Gregor Meyle und Mark Forster zwei deutsche Sänger als Headliner engagiert. Warum ausgerechnet die beiden?

Becker: Bei Gregor Meyle wissen wir, was er für ein toller Künstler ist. Als wir drüber nachgedacht haben, ein Open-Air zu machen, war Gregor mit seiner Band mehr oder weniger gesetzt. Natürlich mussten wir auch bei ihm anrufen und fragen, ob er Lust hat. Er hat natürlich – wie wir es von ihm kennen – sofort gesagt: „Wenn ihr veranstaltet, könnt ihr auf mich zählen.“

Und wie kam Mark Forster ins Spiel?

Becker: Wir hatten nach einem zweiten Künstler gesucht und rumgefragt. Eine Kollegin kam auf uns zu und meinte, bei Mark Forster sähe das gar nicht so schlecht aus. Dann haben wir drei Wochen verhandelt, weil – wie man sich denken kann – Mark Forster nicht für 1,50 Euro kommt. Da mussten wir auch erst gucken, ob wir das gewuppt kriegen. Anfang Dezember ging es mit den Verhandlungen los, eine Woche vor Weihnachten sind wir in den Kartenvorverkauf gegangen. Ich weiß bis heute nicht, wie wir das geschafft haben. Wer schon einmal Veranstaltungen gemacht hat, der weiß, was dazu gehört: Ticketanbieter einrichten, Verträge hin- und herschicken und und und. Dass wir das in so kurzer Zeit hingekriegt haben, geht nur mit einem Team, wie wir es haben.

Wie ist die Idee zum Open-Air-Festival entstanden?

Christian Hohnholt: Die Idee geisterte bei uns schon ein bisschen länger herum. Über Jahre stellten wir uns die Fragen: in welcher Konstellation, mit welchen Künstlern und wie groß. Der Gedanke mit Gregor Meyle hat sich relativ früh herauskristallisiert. Dann hatten wir mit Oberbürgermeister Axel Jahnz beim Oktoberfest gesprochen, und er meinte, dass wir das auf dem Rathausplatz machen sollten.

Aufgrund der Nachfrage wurde das „Festi-Del“ bereits auf die Graftwiesen verlegt. Das heißt, dass viele Menschen kommen.

Becker: Das war einer der Gründe für die Verlegung. Der andere war das Strombedürfnis für die Bühne von Mark Forster.

Hohnholt: Die Technik, die auf der Bühne steht, zieht so viel Strom, dass das auf dem Rathausplatz so gut wie nicht darstellbar ist. Das war uns dann letzten Endes zu heiß. Auf den Graftwiesen ist das mit dem Strom kein Problem. Von daher haben wir und die Verwaltung gesagt: Wenn das so groß wird, machen wir das auf den Graftwiesen. Das macht es auch wirklich einfacher, so schön das von der Atmosphäre her auf dem Rathausplatz gewesen wäre. Aber wenn man sich anguckt, wo die Bühne nachher stehen wird, mit dem schönen alten Baumbestand im Hintergrund und dem Wasserturm, ist das auch eine herrliche Atmosphäre.

Wenn zu so einem Event viele Menschen kommen, haben einige in der heutigen Zeit Bedenken, dass etwas passieren könnte. Wie sehen bei so einem Event die Sicherheitsauflagen aus?

Becker: Auf jeden Fall viele Seiten lang. Wir arbeiten mit Unternehmen aus Bremen zusammen, die ein Sicherheitskonzept erstellt haben. Das wird dann wieder mit Stadt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten abgestimmt. Die haben das auch alle abgenickt. Wir haben aber schon immer so gearbeitet. Man kann vielleicht bei einer Glühbirne oder einem Hot-Dog-Würstchen sparen, aber nie beim Thema Sicherheit. Da haben wir eine ganz klare Denkweise. Es wird lieber ein bisschen mehr Geld in die Sicherheit gesteckt, bevor man am falschen Ende spart.

Werden Besucher das spüren?

Becker: Wir empfehlen allen, rechtzeitig da zu sein. Es gibt natürlich Security-Checks am Eingang. Man sollte auch möglichst nicht mit großen Taschen ankommen. Wir werden aber auch nochmal auf unserer Website veröffentlichen, was mitgebracht werden darf und was nicht. Sie glauben nicht, was Leute alles mitbringen. Das reicht vom Schweizer Taschenmesser bis zu einem Klappstuhl. Klappstühle gehen natürlich wegen den Fluchtwegen nicht. Das wird den Leuten aber auch direkt am Einlass gesagt, dass sie das nicht mit reinnehmen können und die Sachen bitte wieder zum Auto bringen sollen.

Stichwort Einlass: Wo wird der genau sein?

Becker: Zwischen den Bäumen (lacht).

Hohnholt: Der längliche Graftparkplatz teilt sich in der Mitte zwischen zwei Bäumen. Und zwischen diesen Bäumen soll es den Einlass geben, auch weil es da richtig schön idyllisch ist.

Wie viele Karten haben Sie bis jetzt für das „Festi-Del“ verkauft?

Becker: Bei Mark Forster sind es über 5000, da gehen wir auch strikt in Richtung ausverkauft. Bei Gregor Meyle sind wir bei gut 1000 Karten. Der „leidet“ natürlich ein bisschen darunter, dass am nächsten Tag jemand kommt, der jeden Tag im Radio gespielt wird. Wer im Radio und im Fernsehen gespielt wird, der ist einfach bekannter. Wir haben das bei Gregor Meyle selbst auch gemerkt. Als seine Sendung „Meylensteine“ kam und Helene Fischer mit aufgetreten ist, sind den nächsten Tag über 100 Karten weggegangen. So tickt der Mensch nun mal. Sehe ich es im Fernsehen, will ich unbedingt hin. Aber wir merken auch, dass es bei Gregor in den letzten zwei Wochen steil nach oben geht, es werden täglich noch richtig viele Karten verkauft. Wir sind auch da frohen Mutes, dass es da noch voller wird.

Es sind dann ja insgesamt über 6000 Karten, die Sie bisher verkauft haben. Sind Sie zufrieden damit?

Becker: Wenn man über 6000 Leute in Delmenhorst bewegt, dann kann man da grundsätzlich erst einmal mit zufrieden sein. Ich persönlich würde mich freuen, wenn die Leute auch bei Gregor sagen: „Gut, den höre ich zwar nicht jeden Tag im Radio, aber den kenne ich noch damals von ‚Sing meinen Song‘ oder ‚Meylensteine‘, da gehe ich hin.“ Am Freitag 1000 Leute zu bewegen, ist auch nicht so einfach. Also von daher kann ich für mich sagen, dass ich zufrieden bin.

Hohnholt: Ja, ich bin auch zufrieden. Wir hätten uns gewünscht, dass es noch ein bisschen ausgewogener ist. Ich hätte nie gedacht, dass bei Mark Forster so viele Karten weggehen. Dass die 4500 Karten, die wir für den Rathausplatz anvisiert hatten, so weit übertroffen wurden, ist natürlich sehr positiv. Aber trotzdem denken wir, dass bei Gregor Meyle letzten Endes noch einiges gehen kann.

Wie viele Zuschauer passen maximal auf die Graftwiesen?

Hohnholt: An jedem Tag maximal 6000.

Becker: Grundsätzlich würden nach Berechnung auch mehr drauf passen. Aber wie ich vorher schon gesagt habe: Wir sind nicht die Art von Veranstalter, die dann möglichst noch viel, viel mehr Zuschauer rauf lassen, als in der Genehmigung steht, sondern wir halten das ein, was in der Genehmigung steht.

Bei Gregor Meyle treten im Vorprogramm David Pfeffer und Alexander Knappe auf. Wer wird Support bei Mark Forster?

Becker: Es ist eine Sängerin, die Amanda heißt. Sie hat gerade ein Lied mit Sido herausgebracht, das im Radio hoch- und runtergespielt wird. Sie ist auf der kompletten Mark-Forster-Tour dabei. Bei Gregor Meyle war es auch so, dass sie uns gefragt haben, ob wir Support haben wollen. Da haben wir gesagt: „Klar, Alexander und David sind schließlich auch schon bei uns gewesen.“

Haben Stars wie Gregor Meyle oder Mark Forster eigentlich schon spezielle Sonderwünsche geäußert, die sie vor dem Auftritt haben wollen? Einen Kasten Bier oder frisches Obst?

Becker: Ja (lacht).

Hohnholt: Tatsächlich in dem Bereich Kasten Bier und frisches Obst, also Sachen, die ganz normal sind. Aber das sind beides sehr umgängliche Künstler ohne Starallüren, die auch im Umgang vernünftige Menschen geblieben sind.

Becker: Bei Gregor Meyle ist das ja schon bekannt, dass die in jeder Stadt, wo sie sind, den Soundcheck machen und dann mit der kompletten Band in ein Eiscafé gehen. Das sind ganz normale Leute. Bei Mark heißt es auch von befreundeten Veranstaltern: „Guter Jung.“

Stecken Sie schon in den Planungen für ein zweites „Festi-Del“?

Hohnholt: Nein, noch gar nicht. Wir wollen erstmal sehen, wie das erste funktioniert. Man muss auch sagen, dass das, was wir gerade investieren, Wahnsinn ist. Wenn wir mit den Verkaufszahlen so bleiben, wie sie jetzt sind, wird es eine Veranstaltung, die keine Verluste schreibt. Einige meinen, dass wir, wenn über 6000 Leute kommen, richtig Geld verdienen. Das ist leider nicht so. Hätten wir unsere guten Kulturförderer und die Firma Divabau nicht, würde das überhaupt nicht funktionieren. Wenn du dann siehst, dass wir mit unserem Team seit einem halben Jahr Vollzeit daran arbeiten, muss man sich das gut überlegen, ob das nochmal so machbar ist.

Becker: Wir können froh sein, dass wir überhaupt so viele Karten verkauft haben. Wären es 500 oder 1000 Tickets weniger gewesen, hätten wir eine schwarze Null verfehlt. Das können sich viele immer nicht vorstellen. Mark Forster kommt beispielsweise mit zwei Vierzigtonnern. Da kann man sich so ungefähr vorstellen, was in dieser Bühne hängt. Das soll aber kein Jammern sein. Wir freuen uns tierisch drauf.

Hatten Sie in den vergangenen Monaten überhaupt Freizeit?

Becker: Wenig. Wir hatten jede Woche einen kompletten Tag, der sich nur um das „Festi-Del“ drehte. Wir sitzen dann mit vier Leuten zusammen und jeder berichtet, was er die Woche über fürs „Festi-Del“ getan hat.

Wenn Sie sich einen Künstler aussuchen könnten, den Sie mal nach Delmenhorst holen könnten, wer wäre das?

Becker: Helene Fischer (lacht)!

Warum?

Becker: Das ist ein Battle zwischen Christian und mir. Ich habe gesagt, wenn wir es irgendwann schaffen, Helene Fischer nach Delmenhorst zu holen, dann höre ich auf.

Hohnholt: Und daraufhin sage ich immer, selbst wenn wir könnten, holen wir sie aus diesem Grund nicht (lacht).

Becker: Da gibt es schon einige Künstler oder Bands, die wir vielleicht nach Delmenhorst holen könnten, aber für mich steht Helene schon an erster Stelle. Man muss aber realistisch sein, dass das nicht so einfach klappt. Aber träumen darf man ja.

Das Interview führte Maurice Reding.

Zur Person

Das „Festi-Del“ ist das erste Pop-Open-Air-Festival, das es in Delmenhorst geben wird. Am Freitag, 4. August, tritt ab 20 Uhr der Sänger Gregor Meyle auf den Graftwiesen auf. Der 5. August steht ganz im Zeichen von Mark Forster, der ab 19.30 Uhr seine Lieder zum Besten gibt. Das Festival wird von der Beckertainment GmbH, deren Geschäftsführer Christoph Becker und Christian Hohnholt sind, veranstaltet.

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