Arbeiten am Bremer Postweg beginnen Neubaugebiet in Delmenhorst: Der quälend lange Weg ins Eigenheim

Immer wieder sahen sich Grundstückskäufer am Bremer Postweg in Delmenhorst mit Verzögerungen konfrontiert. Erst war es die Lärmschutzwand, jetzt die Erschließung. Doch nun scheint es endlich loszugehen.
11.08.2020, 21:11
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Neubaugebiet in Delmenhorst: Der quälend lange Weg ins Eigenheim
Von Andreas D. Becker

„Im Frühjahr 2019 könnten wir in die bauliche Umsetzung gehen.“ Das sagte Thorald Fiefeck im Herbst 2018. Der Geschäftsführer des Bremer Bauträgers Delmare klang zuversichtlich. Die 20 Grundstücke auf dem Areal am Bremer Postweg im Osten Delmenhorsts waren fix verkauft, denn es gibt viele Familien und Paare, die sich nach einer Fläche in der Stadt die Finger lecken, um endlich ein Eigenheim zu errichten. Solche Flächen sind Mangelware. Doch für viele hat sich der Kauf zumindest als unruhiger Traum entpuppt. Noch immer ist kaum ein Fortschritt zu erkennen, erst Anfang dieser Woche scheinen die ersten vorbereitenden Maßnahmen begonnen zu haben. Einige der Käufer sehen sich mittlerweile mit Fiefeck vor Gericht.

Es geht um Schadensersatzforderungen der Grundstückskäufer. Für die schon vor langer Zeit abgeschlossene Baufinanzierung erheben erste Banken Bereitstellungszinsen, die die Käufer natürlich nicht zahlen wollen. Aber es stellt sich auch die Frage, ob Baugesellschaften noch zu den Konditionen bauen können, wie sie vertraglich vor anderthalb Jahren abgeschlossen worden sind. Eher nicht. Wer trägt die Mehrkosten?

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Die Delmare, weil sie ihre mündlichen Zusagen nie eingehalten hat? Oder müssen die Käufer finanziell nun doch mehr als geplant leisten? Und für einige Familien stellt sich die Frage, ob sie das in die Finanzierung eingepreiste Baukindergeld noch erhalten. Zwar kann der Antrag dafür bis zum 31. Dezember 2023 gestellt werden, aber dafür muss man bis zum 31. Dezember dieses Jahres eine Bau­genehmigung für sein Haus bekommen haben. Die Grundstückskäufer können ihren Bauantrag aber erst stellen, wenn die Erschließung fertig ist.

Ein Bagger steht bereit

Aktuell scheint der Durchbruch tatsächlich kurz bevor zu stehen, zumindest wurde erneut schweres Gerät auf das Areal gefahren. Ein Bagger steht bereit, um den Boden auszuheben. Zwei Wochen, nachdem es eigentlich losgehen sollte. „Baustelleneinrichtung: Montag, 27. Juli“ hatte der Investor den Grundstückskäufern erst kürzlich mitgeteilt. Das war der Stand am 23. Juli. Damals rollten wohl auch zum ersten Mal die Maschinen an – und mussten unverrichteter Dinge wieder abrollen. „Der Bauunternehmer ist auch stinksauer“, sagt einer der Grundstückseigentümer. Diese erneute Verzögerung erzürnte die Grundstückskäufer so sehr, dass sie beschlossen, mit mehreren Leuten am 24. Juli direkt bei der Delmare aufzutauchen. „Der Ton war bei dem Treffen schon etwas härter. Die Unzufriedenheit der Leute war zu spüren“, sagt ein anderer, der sich auch ein Grundstück am Bremer Postweg gekauft hat.

Nach Informationen des DELMENHORSTER KURIER konnte die Erschließung des Gebietes – also die Verlegung von Kanälen und Stromleitungen und der Bau der Straßen – trotz mehrmaliger Ankündigung der Delmare nicht beginnen, weil der Investor länger als geplant brauchte, um Dokumente einzureichen und eine Bürgschaft zur Sicherung der Baumaßnahme bei der Stadt nicht hinterlegt wurde. Das Geld sollte laut Delmare am 24. Juli bei der Stadt eingehen.

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Noch Ende vergangener Woche teilte Stadtsprecher Timo Frers auf Nachfrage mit: „Die Stadtverwaltung konnte die Baugenehmigungen bis heute noch nicht erteilen, da der Erschließungsträger bislang nicht die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen hat.“ Da die Stadt aber auch die Nöte der Grundstückskäufer sieht, hat sie Fiefeck gestattet, die Baustelle einzurichten, damit nach Zahlung der Bürgschaft und Vorlage aller Dokumente schnell mit der Arbeit auf dem Areal begonnen werden kann. Nach Informationen aus Kreisen der Grundstückskäufer soll die Bürgschaft am Montag eingegangen sein. Allerdings sollen noch immer Unterlagen fehlen.

Was viele der Grundstückskäufer unschön an eine andere Episode, die den Baustart verzögert hat, erinnert: die Lärmschutzwand, die zum benachbarten Gewerbegebiet errichtet werden musste. Wie berichtet, startete Delmare mit dem Bau der Wand, bevor dafür eine Baugenehmigung vorlag. Die Folge: Die Wand war zu niedrig, es musste nachgebessert werden. Delmare entschied sich dafür, die Wand erhöhen zu lassen. Doch damit war diese Wand kein Standardbauwerk mehr, es mussten zahlreiche neue Gutachten erstellt werden. Bis diese bei der Verwaltung vorlagen, vergingen mehrere Monate. Erst kurz vor Weihnachten 2019 wurde der Lärmschutz anerkannt, Anfang Januar erlangte daraufhin der Bauvertrag Rechtskraft. Damals sollten die Erschließungsarbeiten beginnen.

Kein konkreter Termin

Auf den Ärger der Käufer angesprochen, verweist Fiefeck darauf, dass die Kaufverträge „ohne Terminvorgaben geschlossen worden“ sind. „Die Vielzahl der erforderlichen Zwischenschritte und Genehmigungen, welche für die Baureife nötig sind, nehmen sehr viel Zeit in Anspruch“, erläutert er, warum es trotz der Pläne, schon vor über einem Jahr mit dem Bau der Häuser zu beginnen, immer noch nicht losgegangen ist. Und: „Wir bitten zu berücksichtigen, dass wir wegen der aktuellen Situation und aus den Entwicklungen der Corona-Pandemie gegebenenfalls zeitliche Anpassungen akzeptieren müssen.“

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