Nach langer Verzögerung Bauland ahoi am Bremer Postweg

Es war für die Betroffenen eine Odyssee, denn lange war für Grundstückseigentümer ungewiss, wann sie ihren Traum vom Eigenheim erfüllen könnten. Doch nun scheint am Bremer Postweg alles seinen Weg zu gehen.
05.01.2020, 22:34
Lesedauer: 4 Min
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Bauland ahoi am Bremer Postweg
Von Andreas D. Becker

Weihnachten 2019 sollten die ersten Häuser bezogen sein. Das hat die Del-Mare-Projektgesellschaft ihren Kunden einmal versprochen. Im Herbst 2018 war das. Doch seitdem lief einiges schief mit dem kleinen Neubaugebiet am Bremer Postweg. Was die Nerven aller Beteiligten arg strapazierte, die Grundstückskäufer zudem langsam in finanzielle Bedrängnis brachte. Doch kurz vor Weihnachten gab es für die Bauwilligen frohe Kunde aus der Verwaltung. Alle Unterlagen sind eingereicht, die Abnahme erfolgt – der Bebauungsplan 295 „Bremer Postweg“ soll voraussichtlich in dieser Woche in Kraft treten.

20 Grundstücke mit Größen von 500 bis 830 Quadratmeter können an Anne-Frank-Straße und Georg-Elser-Weg bebaut werden, die meisten Grundstücksbesitzer scharren schon mit den Hufen, wann sie endlich loslegen können. Aber selbst wenn der Bebauungsplan in dieser Woche durch eine Veröffentlichung seitens der Stadt Rechtskraft erlangt, müssen sie noch warten. Erst muss das Gebiet erschlossen werden, was wahrscheinlich noch einmal ein Vierteljahr dauern wird.

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Gebaut werden darf am Bremer Postweg übrigens nicht hoch, lediglich Bungalows sind zugelassen. Das liegt am Gewerbe in der unmittelbaren Nachbarschaft. Um gesundes Wohnen zu ermöglichen, darf das Leben in den Häusern nur ebenerdig stattfinden. Dachböden sind zwar prinzipiell gestattet, aber sie dürfen nicht ausgebaut werden. Um zu gewährleisten, dass dort überhaupt Menschen leben dürfen und auch vor allem ein dort ansässiges Autohaus nicht in seinem Betrieb beeinträchtigt wird, war eine Lärmschutzwand die Bedingung. Drei Meter muss sie hoch sein, um den Anforderungen zu entsprechen. Doch genau mit dieser Wand fingen all die Probleme und Verzögerungen an.

Denn die Projektgesellschaft ließ sie bauen, bevor die Baugenehmigung der Stadt vorlag. Die Del-Mare wollte wohl keine Zeit verschwenden und ging nicht davon aus, dass wegen eines an zig anderen Orten in Deutschland bereits genehmigten Standardbauwerks aus Serienproduktion Schwierigkeiten auftreten könnten. Aber weit gefehlt. Weil die Baugenehmigung nicht vorlag, kam es zu ersten Unstimmigkeiten. Die Wand war zwar im Prinzip hoch genug, erreichte jedoch nicht die richtige Höhe zum von der Verwaltung vorgegebenen Bezugspunkt auf dem Areal.

Einzelanfertigung statt Standardbau

Del-Mare besserte nach, indem sie einen Aufsatz auf die Wand schrauben ließ, um die richtige Höhe zu erreichen. Doch damit war diese Wand eben kein serielles Standardbauwerk mehr, für das die vom Werk mitgelieferten Unterlagen allen Anforderungen der Bauordnung automatisch entsprachen. Die Wand war auf einmal eine Einzelanfertigung. Es musste ein separates Statik- und ein neues Immissionsschutzgutachten erstellt werden. Doch offenbar reichten die von den Projektentwicklern eingereichten Unterlagen der Bauordnung lange Zeit nicht aus.

Was bei den Grundstückskäufern zu Unzufriedenheit führte, aber auch die Sorgen wachsen ließ. Sie waren sich nicht sicher, wem sie in diesem ganzen Hickhack noch glauben konnten. Dabei gab es für beide Seiten keine Gründe, das Projekt nicht zu Ende zu führen. Die Del-Mare bekomme ihr Geld erst, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist, sagten die Käufer. So lange müssten sie noch nicht zahlen, aber Banken machten bereits Vorfälligkeitszinsen geltend. Die Stadt wiederum lässt keine Gelegenheit aus, den Mangel an Grundstücken vor allem für Einfamilienhäuser zu beklagen, weil sie auf diese Weise junge Familien in die Stadt holen beziehungsweise in Delmenhorst halten könne.

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Also: Arbeitete der Projektentwickler wirklich mit Nachdruck daran, das Gebiet Bremer Postweg voranzubringen? Stellte sich die Stadt aus irgendwelchen Gründen quer? Gerüchte kamen auf. Weil die Stadt die Fläche für den dort ebenfalls zu bauenden Spielplatz von der Del-Mare nicht kostenfrei bekam, lege sie ihr Steine in den Weg. Im November gab es dann die Befürchtung, dass das Projekt einen noch herberen Rückschlag erfahre. Die Wand müsse wahrscheinlich abgerissen und neu gebaut werden. Was eben so kursiert, wenn mit den Betroffenen nicht transparent kommuniziert wird.

Lichtblick im Dezember

Anfang Dezember gab es dann nach über einem Jahr der Ungewissheit den ersten Lichtblick, neue Nachrichten aus der Verwaltung. Die Prüfstatik sei in Ordnung, es fehle lediglich noch eine Unterlage, mit der nachgewiesen werden kann, dass die immissionsschutztechnischen Anforderungen durch die Wand erfüllt werden. Auch diese lagen schließlich Mitte Dezember vor und wurden umgehend geprüft. Am 19. Dezember gab es dann erneut eine Begehung, die Verwaltung nahm die Wand endlich ab. Der Bebauungsplan konnte Rechtskraft erlangen.

In einem zweiten Schritt soll nun übrigens die Fläche zum Reinersweg, auf der früher das Sport- und Freizeitzentrum Delmare stand, entwickelt werden, allerdings mit Gewerbe. Del-Mare ist da nicht der erste Investor, der in diese Richtung denkt. Genau vor zehn Jahren wurden Pläne der Bassumer Wesda Consulting diskutiert, unter anderem sollten auf der Fläche am Bremer Postweg 34 neue Häuser entstehen.

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Nachdem sich die Bassumer mit dem Besitzer des Grundstücks, der Hofer Kreta-Immobilien, wegen ausbleibender Zahlungen überwarfen, legten die Bayern 2010 – nachdem die marode und teils eingestürzte ehemalige Eislaufhalle abgerissen worden war – selbst ein Konzept vor. Darin waren noch 30 Häuser am Bremer Postweg und ein Gewerbekomplex mit 5800 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgesehen. Doch da spielte die Politik nicht mit, sie wollte einen so großen Komplex mit Blick auf den Schutz der Innenstadt nicht zulassen.

Im Oktober 2010 wurde das Thema wegen Nachbesserungsbedarfs vertagt – und danach rührte sich viele Jahre nichts mehr. Bis 2018, als sich die Del-Mare der Sache annahm und mit einem sehr schnellen Bebauungsstart liebäugelte.

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