Abrisse werden vorbereitet Zaghafte Fortschritte im Wollepark

Wie geht es weiter im Wollepark? Es sieht nach Stillstand aus. Aber im Hintergrund wird fleißig an der Umgestaltung des Quartiers gearbeitet. Teils mit überraschenden Wendungen.
18.05.2020, 08:36
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Zaghafte Fortschritte im Wollepark
Von Andreas D. Becker

Stillstand im Wollepark? Es sieht so aus, weil die beiden nächsten großen Projekte etwas festgefahren zu sein scheinen. Aber die Stadt versichert, dass der teils radikale Umbau des Quartiers weitergehen soll. Eine Bestandsaufnahme.

Am Wollepark 11 und 12

Rund drei Jahre ist es nun her, dass die Stadtwerkegruppe die Wasser- und die Gasversorgung kappte. Damals machte die Stadt bundesweit mit der Geschichte Schlagzeilen, der Wollepark stand dabei einmal mehr für die Problemstadt Delmenhorst, was sich mit den Bildern der heruntergekommenen hässlichen Blöcke wunderbar verkaufen ließ. Doch die Stadt gewann das Muskelspiel. Seitdem ist nichts geschehen. Die von Verwalter Matthias Volkmer 2018 angekündigten Sanierungen der Wohnungen wurden nie umgesetzt. Es gelang ihm nicht, die Mehrzahl der 50 Eigentümer auf seinen Kurs einzuschwören. Den meisten ist der Zustand ihrer Wohnungen egal.

Die Zeit spielt eindeutig der Stadt in die Karten. „Leider ist die Hausverwaltung trotz vollmundiger Versprechungen nicht in der Lage, die Eigentümer an den Tisch zu bringen – das erschwert die Lage„, sagt Oberbürgermeister Axel Jahnz. “Der Hausverwalter weiß aus einem mit mir geführten Gespräch, dass Politik und Verwaltung bereit sind, die verkommenen Blöcke zu einem angemessenen Preis zu kaufen. Mehr aber auch nicht, weil die Abrissarbeiten in Abzug gebracht werden müssen. Der Starrsinn der Eigentümer wird sich nicht bezahlt machen.“ Die Stadt hat diese Taktik schon bei mehreren nicht mehr sanierbaren Blöcken durchgezogen. Und sich am Ende immer durchgesetzt. Sie benötigt nur Geduld.

Selbst Verwalter Volkmer sieht inzwischen keine Alternative mehr zu einem Abriss. Von den 50 Eigentümern zahlten gerade einmal fünf ihre Hausgelder. Davon könne er nicht einmal die laufenden Kosten begleichen, sagte Volkmer im Mai der Deutschen Presseagentur. „Am 31. Oktober 2020 läuft der Verwaltervertrag aus. Ich beabsichtige nicht, ihn zu verlängern“, betonte Volkmer, der in einem der beiden Gebäude eine Wohnung besitzt. Unwahrscheinlich, dass es dann noch Ansprechpartner für die Eigentümergesellschaft geben wird. Das Spiel wird wahrscheinlich wie immer ausgehen: Die Stadt wird das Grundstück am Ende für den Verkehrswert kaufen und den Abriss über Fördermittel finanzieren.

Lesen Sie auch

Am Wollepark 13 und 14

Die beiden Häuser neben den Problem-Blöcken stehen seit Monaten leer, der Abriss ist längst beschlossene Sache. Ende 2018 hatte die Stadt beide Häuser für 950 000 Euro gekauft. Das waren 250 000 Euro mehr als der Verkehrswert. Der Eigentümer hatte vor der Baulandkammer des Landgerichts Hannover letztlich Recht bekommen. Die Stadt fügte sich, auch in den Augen der Politik war es das Geld wert, um einen Schandfleck zu bezahlen. Schon im November 2019 teilte die Verwaltung auf Anfrage mit, dass sie gerade damit beginne, den Abriss der Gebäude vorzubereiten. Auf erneute Nachfrage heißt es: „Die Ausschreibung wird derzeit vorbereitet und soll Mitte des Jahres durchgeführt werden.“

Am Wollepark 1 bis 5

Die Fläche zwischen Stedinger Straße und Am Wollepark liegt jetzt auch schon wieder mehrere Jahre brach. Zuletzt hatten sich Politik und Verwaltung nicht über die Bebauung einigen können. Die Verwaltung wollte dort unter anderem eine neue Kindertagesstätte bauen. Doch da zog die Politik nicht mit. Zudem war unter Stadtbaurätin Bianca Urban ein Konzept entwickelt worden, „auf der Fläche Raum für weitere Nutzungen des Gemeinbedarfs zu schaffen, um der aktuellen Flächennachfrage im Innenstadtbereich für öffentliche Aufgaben zu begegnen. Es liegen bereits Standortnachfragen von Gemeinbedarfseinrichtungen vor.“

Lesen Sie auch

Doch von diesen Plänen hat sich die Verwaltung mittlerweile komplett verabschiedet. Auf Nachfrage teilt sie trocken mit: „Die Flächen sollen auf Grundlage des rechtskräftigen Bebauungsplanes Nummer 332 vermarktet werden.“ Der Satzungsbeschluss wurde am 13. Dezember 2011 vom Rat gefasst. Die Pläne damals sahen auf der Fläche einen Mix aus Gewerbe und Wohnen vor.

Westfalenstraße 8

Mitte des Jahres soll es an der Stelle weitergehen. Das jedenfalls sagt die Verwaltung. Aktuell wird das städtebauliche Konzept erarbeitet. Was dort entstehen soll, steht fest: Die Politik möchte eine neue Kindertagesstätte sehen. Da das zur Verfügung stehende Grundstück dafür aber zu klein ist, muss wahrscheinlich auch das Areal des Nachbarschaftsbüros in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Spielplatz Am Fabrikhof

Nachdem bereits der Spielplatz Am Wollepark vor ein paar Jahren unter Beteiligung der Bewohner des Quartiers neu gebaut wurde, ist nun auch der Spielplatz am Fabrikhof fertig. „Auch aufgrund des warmen Wetters konnten die Bauarbeiten auf dem Spielplatz inzwischen beendet werden. Lediglich der Rasen bedarf noch einiger Pflegeschnitte, bevor die Eröffnung stattfinden kann“, teilt Stadtsprecher Timo Frers mit.

Landschaftspark

Über den „Investitionspakt“ werden ein barrierefreies Wegesystem, ein neuer Zugang zum Teich und auch Umweltbildungsangebote geschaffen. Neben baulichen Veränderungen geht es auch darum, durch Aktionen und Projekte den Park zu beleben. Seit Jahresbeginn ist deswegen eine Parkintegrationsmanagerin beschäftigt – sie kümmert sich um Beteiligung der Bewohner und die Vernetzung von Akteuren. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen mussten die Beteiligungsaktionen jedoch ausgesetzt werden. Derzeit wird die Ausschreibung einer Calisthenics-Anlage vorbereitet, die im Rahmen des Hood-Trainings genutzt werden soll. Die Anlage soll auch die erste bauliche Veränderung werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+