1:1 im Heimspiel gegen Schalke 04 Füllkrug rettet Werder glückliches Remis

Ein glücklicher Elfmeter rettet dem SV Werder Bremen einen glücklichen Punkt gegen den FC Schalke 04. Niclas Füllkrug traf in der Nachspielzeit. Unser Spielbericht.
20.11.2021, 22:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Erst das Trainer-Beben, dann ein geschenkter Elfmeter, der Werder Bremen im Zweitliga-Kracher gegen Schalke 04 wenigstens einen Punkt rettete. Niclas Füllkrug verwandelte in der neunten Minute der Nachspielzeit einen Strafstoß, von dem wahrscheinlich nicht mal die Bremer wissen, weshalb sie ihn zugesprochen bekommen haben, und setzte damit den Schlusspunkt hinter einen in jeder Hinsicht denkwürdigen Tag. Zuvor hatte Simon Terodde die Schalker mit einem Abstauber nach 82 Minuten in Führung gebracht. Damit avancierte er zum alleinigen Rekordtorschützen der 2. Liga. 154 Treffer stehen jetzt auf seinem Konto. Werder blieb zum vierten Mal in Folge ungeschlagen, Schalke gelang immerhin der erste Punktgewinn nach drei Pflichtspielpleiten in Folge.

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Vor dem Anpfiff rätselten natürlich alle der 42.100 Zuschauer im ausverkauften Wohninvest Weserstadion, wie die Bremer Mannschaft wohl die Turbulenzen um den plötzlichen und unerwarteten Trainerwechsel verkraften würden. Erst am Samstagmorgen war die Mannschaft von der Geschäftsleitung informiert worden, dass Chefcoach Markus Anfang und sein Assistent Florian Junge wegen Unstimmigkeiten in ihren Impfausweisen und den damit verbundenen Ermittlungen der Staatsanwalt ihren Rücktritt eingereicht hatten. Also übernahmen beim Anschwitzen am Vormittag die Interimslösungen Danijel Zenkovic, bisher Co-Trainer Nummer zwei, und Ex-Profi Christian Brand, bis dato U19-Trainer, das Kommando.

„Sehr ruhig“ habe die Mannschaft die Nachricht von Anfangs Demission aufgenommen, berichtete Sportchef Frank Baumann – sicher auch, weil jeder nach dem Freitag geahnt hatte, was kommen würde. Baumann: „Es  war vielen in der Mannschaft bewusst, dass, wenn an den massiven Vorwürfen etwas dran ist, es mit dem Trainer nicht weitergehen kann.“

Zenkovic gibt positive Einstellung vor

Danijel Zenkovic ging die unerwartete Beförderung mit Elan und einer positiven Einstellung an. „Geiles Spiel, geiles Stadion – was willst du mehr? Unser Motto muss sein: Im Chaos musst du Ruhe bewahren“, erklärte er. Zunächst war es von Bremer Seite aber etwas zu viel Ruhe. Im Duell der Bundesliga-Absteiger gehörten den Hausherren zwar die ersten Minuten, doch dann brachte sich das Team mit Fehlern selbst aus dem Tritt. Ömer Toprak, der nach Verletzung sein Startelf-Comeback feierte und einer von vier Neuen in der Startelf war (außerdem Leo Bittencourt, Christian Groß und Felix Agu), grätschte in höchster Not und mit vollem Risiko gegen Marius Bülter (7.), dann flog ein Heber von Simon Terodde (11.) nur knapp am langen Pfosten vorbei.

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In diesen beiden Aktionen hätte Schalke der Partie früh eine für sie positive Richtung geben können. Im Anschluss fand Werder aber wieder besser in die Partie, bediente sich dabei der Taktik, die beim 2:1 in Nürnberg erfolgreich gewesen war: lange Pässe nach vorne und immer drauf auf die zweiten Bälle. Das führte aber lange zu nichts. In der 32. Minute hatten die Fans dennoch den Torschrei schon auf den Lippen: Victor Palsson klärte kurz vor der Linie einen Versuch von Niclas Füllkrug
Es blieb die beste Torszene der ersten Halbzeit, die ansonsten nur Fouls als Aufreger zu bieten hatte. Und Zenkovic? Der Österreicher blieb seinem Motto weitestgehend treu und verfolgte das Geschehen ungerührt von der Trainerbank. Nur selten stand er auf und war in der Coachingzone unterwegs. Was aber zum Spiel passte. Das Duell, das so sehr nach 1. Liga klingt, bewegte sich knallhart auf Zweitliga-Niveau. Es war zwar intensiv, von den Sitzen hatte es in den ersten 45 Minuten jedoch niemanden gerissen.

Doch dann auf einmal: Konter und Gegenkonter, die volle Ladung Leben. Erst trieb Agu den Ball nach vorne, vermasselte dann aber den entscheidenden Pass und lud Schalke zum Angriff ein (51.). Nur dem erneut vollen Einsatz von Toprak, dem überragenden Mann im Bremer Team, war es zu verdanken, dass Terodde nicht schon früher zu seinem Rekordtor kam.

Werder investierte mehr

Insgesamt galt aber: Werder investierte mehr, hatte nach einer Stunde Spielzeit 57 Prozent Ballbesitz – und durch Füllkrug auch eine weitere Top-Chance. Von Schmid bestens bedient, schoss er mit links und Rückenlage jedoch deutlich drüber. Kurz darauf verfehlte Ducksch mit einem Kopfball das Tor. Von einer Verunsicherung wegen der Trainer-Turbulenzen konnte bei Werder überhaupt nicht die Rede sein. Es war das Bild der vergangenen Spiele, das Werder zeigte: Wille und Engagement waren da, aber vor dem Tor fehlten entweder die Ideen, die Konsequenz oder das Können. Auch ein Ducksch-Freistoß zischte am Tor vorbei (71.).
In den Schlussminuten wurde es dann dramatisch. Zunächst traf Terodde, nachdem Werder-Keeper Jiri Pavlenka einen Distanzschuss in die Mitte abgewehrt hatte. Als das Spiel schon entschieden schien, gab Schiedsrichter Tobias Stieler nach einem vermeintlichen Foul am eingewechselten Roger Assalé und dem Videobeweis einen glücklichen Elfmeter für Werder.

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