Vertragsverlängerung Clemens Fritz bleibt Werders Leiter Profifußball

Clemens Fritz wird den SV Werder Bremen auch in der Bundesliga als Leiter Profifußball begleiten. Der Verein machte die Vertragsverlängerung des Ehrenspielführers am Samstagmorgen offiziell.
21.05.2022, 18:38
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Clemens Fritz bleibt Werders Leiter Profifußball
Von Malte Bürger

Alles, was fehlte, war nur noch der richtige Moment. Zwischen Saisonendspurt und Aufstiegstrubel passte die Nachricht von einer Vertragsverlängerung mit Clemens Fritz einfach nicht hinein. Deshalb hat man sich beim SV Werder Bremen ein wenig mehr Zeit gelassen. Bis zu diesem Wochenende, um genau zu sein. Denn nun wurde offiziell, was eigentlich schon länger feststand. „Hinter uns liegen intensive Wochen, in denen ganz andere Themen im Vordergrund standen. Nach dem Aufstieg war jetzt die Zeit gekommen, um das eigentlich schon Bekannte zu finalisieren“, sagte Fritz, der also – wie zu erwarten – auch künftig Werders Leiter Profifußball und Chef der Scouting-Abteilung sein wird. „Ich habe immer betont, wie zufrieden ich auf meiner aktuellen Position bin. Ich freue mich sehr, dass ich auch in Zukunft an der Gestaltung von Werder Bremen aktiv teilhaben kann.“ 

Doch diese Freude wurde nicht überall geteilt. Es dauerte nur wenige Sekunden, da waren nach der Fix-Meldung des Vereins die ersten Kritiker zur Stelle. Und so bekam Clemens Fritz bei Twitter, Facebook und Co. an einem eigentlich recht unaufgeregten Samstagmorgen direkt sein Fett weg. Nicht selten schoss das Vokabular dabei über das Ziel hinaus. Mitunter sogar ziemlich weit. Immerhin: Mitbekommen hat Fritz davon angeblich nichts. „In den sozialen Medien bewege ich mich ohnehin nicht“, sagte er wenig später auf Nachfrage der Deichstube. „Ich beschäftige mich gar nicht damit. Das gehört aber dazu und ist ganz normal.“

Direkt melden sich Kritiker zu Wort

Dabei ist es ein durchaus sensibles Thema, das da mal leiser, mal lauter angeschlichen kommt. Gerade erst berichtete beispielsweise „Spiegel Online“, dass sich auch Werder-Sportchef Frank Baumann nach dem Abstieg im vergangenen Sommer Morddrohungen ausgesetzt sah und zeitweilig unter Personenschutz stand. Anmerken lassen habe er sich bei der täglichen Arbeit nichts, heißt es, gefreut haben dürfte er sich darüber logischerweise dennoch nicht.

Bei der Fritz-Kritik am Samstag ging es glücklicherweise nicht ganz so bedrohlich zu – und doch stehen Baumann und er spätestens nach dem Abstieg im Vorjahr unter besonderer öffentlicher Beobachtung. Nicht wenige Fans sehen in dem Duo die Hauptverantwortlichen für den sportlichen Niedergang der jüngeren Vergangenheit, der jetzige Wiederaufstieg der Bremer genügt ihnen dabei nicht, um wieder zur Tagesordnung überzugehen. Und da vor Fritz bekanntlich auch schon Baumann einen neuen Vertrag bei Werder erhalten hat, erwarten besagte Fans nun eher eine neuerliche Talfahrt denn einen erfreulichen Aufschwung.

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Nun muss man fraglos nicht alles gut finden, was die beiden Verantwortlichen da in personeller Hinsicht in den vergangenen Jahren verpflichtet oder verkauft haben. Und trotzdem haben Baumann und Fritz einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie wissen exakt, was in ihrem Beruf passiert. Die Fans, so gern sie es auch möchten, haben nicht die Gelegenheit, ihnen dabei über die Schulter zu schauen. Und so fehlen bei aller durchaus berechtigter Kritik eben doch ein paar entscheidende Details zur vollständigen Verurteilung. Oder wie es Clemens Fritz ausdrückt: „Darüber hinaus wird bei unserer Arbeit ja ganz gern mal vergessen, dass wir auch unter gewissen wirtschaftlichen Zwängen leiden und danach handeln müssen.“

Nichtsdestotrotz ist es eine der ganz spannenden Fragen der Werder-Zukunft, ob es dem Duo nun gelingt, die Bremer auch in der ersten Liga auf Kurs zu bringen beziehungsweise konkurrenzfähig zu machen. Als Aufsteiger dürfte das oberste Ziel der Klassenerhalt sein, aber ein Zitterspiel möchten sich alle Beteiligten dann doch gern ersparen. Allerdings benötigt ein Kader, der in der 2. Bundesliga zu den Besten gehörte, dafür nun noch einmal eine qualitative Aufwertung. Mit der Verpflichtung von Innenverteidiger Amos Pieper wurde unlängst ein Anfang gemacht. Doch es muss und soll noch mehr passieren.

"Nicht so ereignisreich wie letzten Sommer"

Über den Umfang lässt sich bislang nur spekulieren. „Was genau passieren wird, das lässt sich nicht beziffern“, meint Fritz, dem zuletzt von seinem alten Teamkollegen Per Mertesacker im Deichstube-Interview nahegelegt wurde, „einen Sechser, einen Zehner und mindestens einen Achter“ zu verpflichten. Fritz hält sich diesbezüglich bedeckt, kündigt nur an: „Es wird definitiv nicht so ereignisreich werden wie im vergangenen Sommer. Wir wollen schließlich nicht jedes Jahr einen kompletten Umbruch haben, sondern auch auf dem Gerüst aufbauen, das wir haben. Dafür haben wir aktuell den Grundstein mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft gelegt.“ Gemeinsam mit Frank Baumann wird er sich daran messen lassen müssen, ob der folgende Ausbau tatsächlich ein stabiler sein wird.

Der Sportchef jedenfalls hat vollstes Vertrauen in Fritz, der im November 2017 kurz nach dem Karriereende ein Trainee-Programm startete, zwei Jahre später sein erstes Funktionärsamt übernahm und sich seither kontinuierlich nach oben gearbeitet hat. „Auch hinter Clemens liegt ein sehr intensives Jahr. Er hat in einem schwierigen Transfersommer eine hervorragende Arbeit geleistet und großen Anteil an der Zusammenstellung des Kaders, mit dem uns die Rückkehr in die Bundesliga gelungen ist“, lobte er den 41-Jährigen. „Dazu hat sich seine Rolle bei der Mannschaft noch einmal verändert, er ist näher an das Team gerückt und übernimmt auch kommunikativ in der Öffentlichkeit einen präsenteren Part. Mit dem, wie er insgesamt seine Rolle interpretiert, sind wir sehr zufrieden.“ Und vielleicht überzeugt Fritz ja künftig auch noch den einen oder anderen weiteren Fan von seiner Arbeit. 

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