Nach Aufstieg So plant Ole Werner den neuen Werder-Kader

Werder-Trainer Ole Werner schwärmt noch von der Aufstiegsparty - doch mit den Gedanken ist er schon bei den Planungen für die nächste Saison. Wie diese ablaufen.
19.05.2022, 17:10
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Die Bilder und Eindrücke vom vergangenen Sonntag – sie wirken bei Ole Werner immer noch nach. Verarbeitet hat der Trainer des SV Werder Bremen jedenfalls noch lange nicht, was sich nach dem perfekt gemachten Bundesliga-Aufstieg im Weserstadion und später auf dem Osterdeich abgespielt hat. „Ich bin noch nicht so richtig runtergekommen“, gestand der 34-Jährige am Donnerstag – und hielt fest: „Es wird dauern, bis ich komplett begriffen habe, was da alles los war. Überall Menschen! Es war ja kein Meter Boden mehr zu sehen.“

Eine ganze Stadt hatte ausgelassen in Grün und Weiß gefeiert. „Dabei gewesen zu sein, ist  für alle etwas Einmaliges“, schwärmte Werner, der direkt nach dem Aufstieg allerdings schon vor der nächsten großen Herausforderung steht. Es gilt, den neuen Kader für das erste Jahr nach der Bundesliga-Rückkehr zu planen. Auch während Werners Urlaub auf Sardinien dürfte das ein Dauerthema sein. „Mein Handy wird auch in den nächsten Wochen angeschaltet bleiben, zumindest für ein paar Stunden am Tag. Wir haben ja einiges zu tun“, sagte der Trainer, dem bei Werders Transferplanungen eine besondere Rolle zukommt.

In Amos Pieper steht der erste Neuzugang nach dem Bundesliga-Aufstieg bereits fest. Am Mittwoch verkündete Werder die Verpflichtung des 24-jährigen Innenverteidigers, der ablösefrei von Arminia Bielefeld kommt – und seine Entscheidung pro Bremen speziell auch wegen Ole Werner getroffen hat. „Das Gespräch mit Ole war für den Spieler sehr wichtig“, sagte Sportchef Frank Baumann gegenüber unserer Deichstube. Auch Pieper hatte von einem „sehr, sehr guten Gefühl“ berichtet, dass ihm der Austausch mit dem Trainer verschafft habe. „Ich zeige den Spielern, wie ich mir Werders Fußball vorstelle und erkläre ihnen, wie ich sie dabei einschätze. Es geht darum, den Spielern eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen“, berichtete Werner, dessen Arbeit aber schon viel früher einsetzt.

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Für Sportchef Baumann und den Leiter Profifußball Clemens Fritz erstellt er exakte Positionsprofile, in denen festgehalten ist, wo und in welcher Form Werner Bedarf nach Verstärkungen sieht. In diesem Sommer dürfte dafür eine Menge Papier benötigt werden, denn. „Mit Ausnahme der Torhüterposition schauen wir uns in allen Mannschaftsteilen um“, verriet Werner. Zwar habe der Kader ein „gewisses Gerüst aus Spielern, die ihre Qualität in der ersten Liga schon nachgewiesen haben“. Und trotzdem sollen in Abwehr, Mittelfeld und Angriff möglichst Spieler her, „die auch wirklich Verstärkungen für uns sind“. Der Aufstieg macht Transfers dieser Kategorie dabei einerseits überhaupt erst erforderlich, denn schließlich möchte Werder im Oberhaus mithalten können. Andererseits taugt er als starkes Argument, um Spieler von Werder zu überzeugen. „Natürlich öffnet der Aufstieg personell gewisse Türen“, betonte Werner, der bei der Suche nach neuen Spielern stark auf die Expertise von Chefanalyst Tom Cichon vertraut.

Persönliche Beziehungen spielen keine Rolle

Haben Baumann und Fritz Werner anhand dessen Positionsprofilen eine Liste mit entsprechenden Kandidaten vorgelegt, nimmt der Coach die Spieler gemeinsam mit Cichon genauer unter die Lupe. „Als Schnittstelle zum Trainerteam hat Tom oft den ersten Blick darauf“, erklärte Werner. In Stein gemeißelt sind diese Abläufe aber freilich nicht. „Manchmal höre ich auch, dass ein Spieler bei seinem Verein nicht mehr zufrieden sein soll und werfe den Namen in den Ring“, sagte Werner. Persönliche Beziehungen spielen für den Trainer dabei keine Rolle.

Im Gegenteil: In Werners Augen kann es durchaus problematisch sein, Spieler zu holen, mit denen man eine gemeinsame Vergangenheit hat. „Das ist für den Spieler manchmal gar keine so glückliche Situation“, betonte er. Der Eindruck, der Wunschspieler des Trainers zu sein, könne für einen Profi zum Problem werden. Sowohl gegenüber den Mitspielern als auch in der Öffentlichkeit. Zum Vergleich: Werners Vorgänger Markus Anfang hatte da einen anderen Schwerpunkt gesetzt und in Nicolai Rapp, Marvin Ducksch und Lars Lukas Mai im vergangenen Sommer gleich drei seiner Ex-Spieler um sich gescharrt.

Werders Rolle wird sich nun ändern

Wie genau der Bremer Kader am Ende auch immer aussehen mag, in einem Punkt macht sich Werner keine Illusionen: Werders Rolle wird sich im Vergleich zur Zweitliga-Saison im neuen Spieljahr ändern. „Dass wir auf Mannschaften treffen werden, die besser besetzt sind, ist ja kein Geheimnis“, sagte der Coach. „Und trotzdem müssen wir weiter für unsere Identität stehen, die wir uns mühevoll aufgebaut haben. Also für offensiven Fußball, bei dem man sich nicht versteckt.“ Anders als in der Aufstiegssaison werden sich die Bremer in der Bundesliga häufig in der Außenseiterrolle wiederfinden, was für Werner aber gar kein Problem darstellt: „Wir werden sicher nicht jede Woche 65 Prozent Ballbesitz haben, manchmal vielleicht nur 40 oder 45 Prozent. Aber darin sollte dann ganz viel Werder Bremen stecken. Wir wollen uns so oft wie möglich treu bleiben.“

Das Zwischenmenschliche, der große Zusammenhalt im Kader, was das Team in der 2. Liga stark gemacht hat, soll auch in der Bundesliga konserviert werden. „Das wird wichtig sein, weil man weiß, dass es ein, zwei Wochen lang auch mal nichts zu feiern geben wird“, sagte Werner. Insofern ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass die Bilder vom Aufstieg bei Werder und Werner noch stark nachwirken – könnte nach ärgerlichen Niederlagen künftig eine Stütze sein. 

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