SC Freiburg - Werder Bremen 2:5 Der Tag des Thomas Delaney

Werder siegt in Freiburg eiskalt mit 5:2 – und Thomas Delaney glänzt mit einem Dreierpack.
01.04.2017, 17:17
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Der Tag des Thomas Delaney
Von Oliver Matiszick

Die Länderspielpause, sie war für Werder zur Unzeit gekommen. Nach dem fantastischen 3:0-Heimsieg vor zwei Wochen gegen RB Leipzig hätte es für die Bremer nahtlos weitergehen können. Doch auch die zweiwöchige Auszeit der Bundesliga hat die Mannschaft von Alexander Nouri nicht aus dem Tritt gebracht.

Eher im Gegenteil. Am Sonnabend setzte es ein unfassbares 5:2 (2:0) beim SC Freiburg. Es war der fünfte Sieg im sechsten Spiel – und auch wenn der Relegationsplatz punktemäßig verflixt nah bleibt, sieht der Tabellenplatz überaus freundlich aus. Werder geht als Tabellenelfter in die Englische Woche mit den Partien gegen Schalke (Dienstag) und Frankfurt (Freitag).

Lesen Sie auch

Und wie knapp es derzeit in der Bundesliga zugeht, zeigte der Blick auf die beiden Kontrahenten: Werder und den SC trennten vor diesem 26. Spieltag sechs Punkte. Nur sechs Punkte. Und doch die Freiburger kämpfen um ihre Chance auf einen internationalen Startplatz, Werder weiterhin gegen den Abstieg. Trotz der jüngsten Erfolgsserie.

Einer, der zu diesen lebensnotendigen Erfolgen, die auch auf einer neuen Stabilität in der Abwehr (mit drei Spielen ohne Gegentor in den vergangenen Wochen) fußten, maßgeblich beigetragen hat, konnte in Freiburg kurzfristig nicht mit dabei sein: Lamine Sané musste aufgrund von Leistenproblemen vor dem Anpfiff passen. Für ihn rückte Luca Caldirola ins Team und bezog auf der linken Seite der Dreierreihe in der Defensive Position; Niklas Moisander rückte dafür in die Mitte. Dass Alexander Nouri auch auf die verletzten oder erkrankten Leistungsträger Serge Gnabry und Zlatko Junuzovic würde verzichten müssen, war klar gewesen. Dass Claudio Pizarro zunächst auf der Ersatzbank sitzen würde, indes nicht. So durfte sich der junge Maximilian Eggestein über einen Einsatz von Beginn an freuen – auch ihn dürften die Freiburger nicht auf dem Zettel gehabt haben.

Lesen Sie auch

Was sie dagegen auf dem Zettel hatten: Die Ahnung, dass es ein „Kampf auf Biegen und Brechen" werden würde. So hatte es SC-Trainer Christian Streich vorher prognostiziert – und sollte sich getäuscht sehen. Denn zumindest in der Anfangsphase machten es die Bremer seiner Mannschaft unerwartet leicht. Sie überließen dem Gastgeber komplett die Initiative, bekamen in ihr eigenes Spiel überhaupt keinen Fluss hinein, leisteten sich im Aufbau jede Menge Ballverluste und waren fast ausschließlich in der Rückwärtsbewegung. Nachdem Milos Veljkovic gut 25 vor dem eigenen Tor Maximilian Philipp gefoult hatte, trat Vincenzo Grifo zum Freistoß an. Es war ein tückischer Schuss, der kurz vor dem linken unteren Eck noch einmal auftippte. Der Werder-Schlussmann, seit Wochen in bestechender Form, wehrte ihn zur Ecke ab (10. Minute).

Freiburg blieb seiner Linie treu, störte früh in der Bremer Hälfte – und Werder kam damit schlecht klar. So dauerte es bis 18. Minuten, als Max Kruse im gegnerischen Strafraum den ersten Eckstoß für die Bremer erkämpfen konnte. Er verpuffte wirkungslos. Doch wenn die vergangenen Wochen eines gezeigt haben, dann das: Es hat nichts zu bedeuten, diese Werder-Elf ist jederzeit in der Lage, den Gegner zu überraschen. An diesem Tag war es an Kruse, von 2012 bis 2013 selbst für den SC aktiv, den ersten Wirkungstreffer zu setzen. Es war mal wieder ein Treffer aus dem Nichts heraus, drei Stationen reichten, um Alexander Schwolow im Freiburger Tor wutentbrannt seine Trinkflasche ins Netz schleudern zu lassen. Sein Bremer Gegenüber Wiedwald hatte weit abgestoßen, Fin Bartels damit gegen die Freiburger Innenverteidigung in Aktion gebracht – Marc-Oliver Kempf bekam den Ball zwar von Bartels weg, aber eben nicht aus der Gefahrenzone. Der nachgerückte Kruse zog aus 25 Metern ab, der Ball zischte an Schwolow vorbei oben rechts ins Tor (21.). Freiburg war geschockt.

So sehr, dass Streichs Team völlig den Faden verlor. Vom Elan der ersten Viertelstunde war nun nichts mehr zu sehen. Und Werder? Musste erst einmal den nächsten Ausfall verkraften ersetzen: Robert Bauer hatte sich im Zweikampf gegen den früheren Werderaner Aleksandar Ignjovski verletzt und musste vom Platz. Santiago Garcia stand in der 36. Minute an der Seitenlinie bereit, musste sich aber noch vier weitere Minuten gedulden, weil Bauer es zunächst doch weiter versuchen wollte. Dann ging es nicht mehr.

Lesen Sie auch

Für Werder allerdings ging an diesem Nachmittag alles. Die Minuten unmittelbar vor und nach der Pause entschieden die Partie frühzeitig. Denn die Wirkungstreffer-Experten von der Weser nutzen auch ihre Torchancen zwei und drei zu den Treffern zwei und drei. Und beide Male war der Mann der Torschütze, dessen Transfer in der Winterpause längst als eine der besten Bremer Personalentscheidungen der vergangenen Jahre gilt: Thomas Delaney.

Nach einem langen, sehr langen Diagonalpass war der Ball zunächst bei Garcia gelandet, der seine Einwechslung mit einem strammen Flachpass von links in die Mitte rechtfertigte. Bartels ließ passieren, hinter ihm war Delaney herbeigestürmt und schoss aus knapp neun Metern flach ein. Es lief die Nachspielzeit der ersten Hälfte, Christian Streich war fassungslos. Weshalb der SC-Trainer in der Pause volles Risiko ging: Er schöpfte sein gesamtes Wechselkontingent aus, zu den drei Neuen zählte auch Nils Petersen, der Freiburger Joker vom Dienst, der eigentlich immer für einen Treffer gut ist.

Doch es traf: Werder. Kaum dass Durchgang zwei eröffnet war, hatte Delaney eine Balleroberung von Bartels mit anschließender Kruse-Flanke per Kopf zum 3:0 verwertet. Kempf stand zu weit weg vom Bremer, als Bogenlampe senkte sich der Ball an Schwolow vorbei am langen Pfosten ins Tor (47.). Hätte Bartels nur sieben Minuten später, als er nach Kruses Steilpass allein auf den SC-Keeper zurannte, das 4:0 besorgt – es wäre nicht nur eine unglaubliche, sondern ein schier unfassbare Geschichte geworden.

Dass der Sieg dennoch im vorläufigen Stadium blieb, es hatte Nils Petersen, dem früheren Werander zu tun. Er brachte den SC mit seinem Elfmeter zum 1:3-Anschlusstreffer wieder auf zwei Tore heran. Zuvor hatte Santiago Garcia ziemlich unnötig seinen Gegenspieler Maximilian Philipp im Strafraum umgerempelt. Petersens ersten Schussversuch parierte Wiedwald zwar stark, im Nachsetzen landete der Ball dann trotzdem im Tor (65.).

Lesen Sie auch

Hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark, mit nun 340. Bundesliga-Einsätzen neuer Rekordhalter, in der Garcia-Szene alles richtig gemacht, machte er aus Freiburger Sicht ein paar Minuten später alles falsch – wenn auch ungewollt. Stark war mit Grifo zusammengeprallt, den Ballverlust nutzten die Bremer zum blitzschnellen Vorstoß. Delaney - wer sonst? – zog ab, Bartels hielt seinen Hacken in die Flugbahn des Balles, fertig war das traumhafte 4:1 (71.).

Sollte das nun sicher reichen? Ja, auch wenn Grifo mit einem schönen Schlenzer an Niklas Moisander noch das 2:4 erzielen durfte (77.). Denn es gab ja: Thomas Delaney. Er war noch lange nicht fertig mit diesem Spiel. Und ließ dann gleich noch seinen dritten Treffer des Tages folgen. Der eingewechselte Florian Kainz hatte eine Freistoßflanke von rechts geschlagen, am zweiten Pfosten durfte Delaney völlig frei köpfen.

Lesen Sie auch

Es war sein Tag, sein Sieg. Und es war ein Sieg, der Werder auf dem Weg in Richtung Klassenerhalt abermals vorangebracht hat. Weil dieser 5:2-Sieg in Freiburg nach dem 3:0 zuletzt gegen Leipzig die nächste Ansage an die Konkurrenten war. Was für eine.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+