Wirtschaftswissenschaftler zu neuen Berichten Hickel: Ökonomisches Tal der Tränen liegt hinter Werder

Vor vier Monaten sprach Rudolf Hickel noch von einer möglichen Insolvenz, inzwischen sieht der Wirtschaftswissenschaftler anhand aktueller Geschäftsberichte die Zukunft des SV Werder optimistischer.
07.09.2021, 11:12
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Knips

Vier Monate ist es her, da machte sich Prof. Dr. Rudolf Hickel noch allergrößte Sorgen um die Zukunft des SV Werder Bremen und zitierte aus dem Börsenprospekt zur Mittelstandsanleihe auch die Möglichkeit einer Insolvenz. „Das Risiko, dass Werder das nicht überlebt, darf nicht verschwiegen werden“, sagte der renommierte Bremer Wirtschaftswissenschaftler damals in einem Interview mit unserer Deichstube. Inzwischen ist Werder sogar abgestiegen. Hickel hat sich die bei der Mitgliederversammlung am Sonntag veröffentlichten Geschäftsberichte der Kapitalgesellschaft des SV Werder nun ganz genau angeschaut und kommt zu dem Schluss: „Diese Zahlen belegen, der SVW hat ökonomisch das Tal der Tränen hinter sich gelassen. Die erfolgreiche wirtschaftliche Konsolidierung ist, wie es die strategischen Eckwerte der Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen belegen, eindeutig.“

Als Hauptursache für die großen finanziellen Probleme sieht auch Hickel die Corona-Pandemie, die bei Werder durch die Spiele ohne Zuschauer zu einem erheblichen Einnahmeeinbruch geführt hat. Der Club spricht von insgesamt 35 Millionen Euro, Hickel bezeichnet die Summe als „unverschuldete Kosten“. Werder habe sich frisches Geld besorgen müssen. Maßgeblich für die Liquiditätssicherung seien dabei der 20-Millionen-Euro-Kredit bei drei Banken mit Hilfe einer Landesbürgschaft sowie die Mittelstandsanleihe (18 Millionen Euro) gewesen. „Damit konnte übrigens der Einstieg von dubiosen Fonds mit horrenden Renditeerwartungen vermieden werden“, respektiert Hickel Werders Entscheidung für eine Mittelstandsanleihe. Angeblich soll ein Investor aus den USA angeklopft, aber eine Rendite von 15 Prozent gefordert haben. Die Grün-Weißen lehnten ab und zahlen den Anlegern nun 6,5 Prozent.

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Dass Werder für diese Saison sogar mit einem leichten Gewinn kalkuliere, sei nachvollziehbar, so Hickel. Der Kauf von Zeit für die Konsolidierung ist erfolgreich. Der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Bremen blickt optimistisch in die Zukunft: „Wenn jetzt noch der sportliche Erfolg dazu kommt, dann hat der SVW gute Chancen, in die 1. Liga zurückzukehren.“
Dem neuen Aufsichtsrat bescheinigt Hickel ausreichend „wirtschaftliche Kompetenz“. Doch nach dem Rückzug von Ex-Profi Marco Bode vermisst der 79 Jährige die für die Zukunft des Unternehmens erforderliche fußballerische Komponente, die extrem wichtig sei. Der Wahlausschuss habe nicht nur da keine gute Arbeit geleistet, sondern vor allem auch beim Thema Frauen nicht. Es sei eine Farce gewesen, dass Ulrike Hiller erst durch das Streichen eines nicht mehr erwünschten Kandidaten als Nachrückerin zum Zuge kam. „Aber natürlich freue ich mich, endlich eine Frau im Aufsichtsrat zu sehen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass es künftig eine Auswahl an Frauen gibt und dann auch mehr Frauen in den Aufsichtsrat einziehen“, sagt Hickel. Die Arbeit des Wahlausschusses müsse dringend überprüft und letztlich auch modernisiert werden. „Da helfe ich gerne mit“, sagt Hickel, der selbst in vielen Aufsichtsräten tätig war. 

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