Gespräch mit Werder-Spieler Woltemade will erstmal fit werden und dann durchstarten

2021 möchte Nick Woltemade gern schnell vergessen - der Werder-Stürmer blickt nach seiner Verletzung voraus. Über seine Ziele hat er mit unserer Deichstube gesprochen.
22.12.2021, 19:55
Lesedauer: 5 Min
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Von Daniel Cottäus

Eigentlich wollte Nick Woltemade nach Werder Bremens Bundesliga-Abstieg den nächsten Schritt hin zum Stammspieler machen, doch es kam anders. Eine Fußverletzung zwang den 19-Jährigen seit Oktober zum Zuschauen. Nun möchte er bald wieder durchstarten. Im Interview mit unserer Deichstube spricht Woltemade über sein schwieriges Jahr, formuliert klare Ziele und erklärt seinen Hang zu extravaganter Kleidung.

Herr Woltemade, haben Sie ihrem Mitspieler Fabio Chiarodia inzwischen schon einen ausgegeben, oder muss es andersrum laufen, weil er Ihnen den Rekord als jüngster Werder-Profi aller Zeiten geklaut hat?
Woltemate (lacht): Wir hatten vor dem Spiel in Regensburg schon einmal darüber gesprochen, dass er sich meinen Rekord bald schnappen könnte. Dann war es eben soweit. Deshalb muss er mir aber nichts ausgeben. Mich freut es einfach für ihn. Fabio ist ein guter Spieler und ein echt netter Kerl. Er ist auf jeden Fall ein guter Nachfolger.

Sie haben im Februar 2020 in Augsburg für die Profis debütiert, zuvor war noch kein Werder-Profi jünger gewesen. Bedeutet so ein Bestwert irgendetwas?
Ganz ehrlich: Es ist schon eher so, dass es von den Medien ziemlich oft thematisiert wird, von den Spielern selbst aber weniger. Profiliert habe ich mich damit jedenfalls nicht. Na klar, es war etwas Besonderes, vor allem, wenn man die ganzen Namen sieht, die man in der Rangliste überholt hat. Das ist schon ein schönes Gefühl, aber eben nichts Weltbewegendes.

„Schönes Gefühl“ ist ein gutes Stichwort, denn allzu viele solcher Momente gab es für Sie aus sportlicher Perspektive im Jahr 2021 nicht. Erst der Abstieg aus der Bundesliga, dann die Verletzung am Fuß, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem viele dachten: Jetzt macht Nick Woltemade den nächsten Schritt. Welche Überschrift geben Sie ihrem Jahr?
Eindeutig „Ein Jahr zum Vergessen“. Das muss man leider so klar sagen. Es ging ja schon mit einer Knieverletzung im April los, dann kam der Abstieg. Danach habe ich natürlich auch gehofft, dass jetzt ein Neuanfang für mich kommt. Die Fußverletzung war dann sehr bitter, weil klar war, dass ich damit lange ausfallen würde. Insgesamt war es ein nerviger Prozess, eine schwierige Zeit. Das hat leider auch ein bisschen zu meinem Jahr 2021 gepasst.

Sie sind im Oktober am linken Knöchel operiert worden und fallen seitdem aus. Was genau ist kaputt gewesen?
Ich hatte eine sogenannte Sehnenluxation. Jetzt bin ich froh, dass alles gut geklappt hat und zuversichtlich, dass es 2022 für mich besser läuft.

Haben Sie noch Schmerzen im Fuß?
Nein, ich bin schmerzfrei. Es wird von Training zu Training besser. Ich fühle mich schon wieder viel beweglicher und athletischer.

Was ist Ihr Ziel? Im Winter-Trainingslager wieder voll zur Mannschaft stoßen?
Noch nicht voll. Das Ziel ist, dass ich anteilig das Mannschaftstraining in Spanien mitmachen kann, um Schritt für Schritt wieder herangeführt zu werden.

Wenn Sie sich die Mannschaft ansehen, gerade die Offensive mit Namen wie Niclas Füllkrug, Leonardo Bittencourt oder Marvin Ducksch – wie schwer wird es für Sie, da eine Chance zu bekommen?
Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen gefunden. Ich bin aber auch von meinen Qualitäten überzeugt und glaube daran, dass ich meine Chance bekommen werde, wenn ich fit bin und kontinuierlich trainiere.

Sind Sie der klassische Herausforderer?
Das kann man ausdrücken, wie man möchte. Wichtig ist, dass ich mich auch weiterhin auf mich fokussiere.

Können Sie sich eine Ausleihe im Winter vorstellen?
Nein, das ist für mich kein Thema. Ich möchte mich erstmal darauf konzentrieren, dass ich fit werde. Dann suche ich hier meine Chance. Ich möchte es bei Werder schaffen, und dafür werde ich alles in die Waagschale legen.

Wie ist der Austausch mit dem neuen Cheftrainer? Haben Sie mit Ole Werner schon über Ihre persönliche Situation und Perspektive gesprochen?
Noch nicht direkt. Es gibt ab und zu mal einen kurzen Small Talk, mehr aber noch nicht. Ich kann ja auch nicht viel argumentieren, wenn ich nicht fit bin und spielen kann. Das muss als Erstes kommen, dann alles andere. Ich habe mich aber gefreut, als er Trainer geworden ist, weil er für einen offensiven Fußball steht. Das kommt mir entgegen. Ich konnte die Spiele zuletzt ja nur als Zuschauer verfolgen und finde, es ist deutlich zu sehen, dass bei uns offensiv schon einiges passiert ist.

Sie sind 1,98 Meter groß, allerdings nicht gerade ein Kopfballspezialist, dafür aber technisch sehr beschlagen, was eine ziemlich unübliche Kombination für einen Offensivspieler ist. In welcher Rolle sehen Sie sich auf dem Platz am liebsten?
Am wohlsten fühle ich mich auf der Zehn, das ist meine Lieblingsposition. Es gibt auch bei mir noch Dinge, die ich auf jeden Fall verbessern muss. In der Reha habe ich viel im athletischen Bereich gearbeitet. Meine Stärken liegen bisher eher im technischen Bereich. Dass ich kein ganz gewöhnlicher Spielertyp bin, sehe ich als Pluspunkt für mich. Allzu viele von meiner Sorte gibt es ja nicht.

Inwieweit ist die Kombination aus Größe und Technik ein Vorteil?
Ich habe da ein bisschen meinen eigenen Weg gefunden. Mittlerweile habe ich schon öfter gehört, dass es eklig ist, gegen mich zu spielen. Viele erwarten die langen Beine offenbar nicht in Kombination mit Technik. Ich glaube, wenn ich einmal in Fahrt komme, bin ich schwierig zu halten. Ich kann den Ball mit meinen langen Armen ja auch gut abschirmen. Mir gefällt das.

Seitdem Patrick Erras weg ist, sind Sie der größte Spieler im Kader…
… das war ich auch schon vorher (lacht). Paddy ist etwas kleiner als ich.

Das heißt, der Spitzname „Langer“ ist Ihnen sicher?
Aber natürlich! Florian Kohfeldt hat mich damals allerdings immer „Crouchie“ genannt (in Anlehnung an den englischen Ex-Profi Peter Crouch, Anm. d. Red.). Das hat die Mannschaft natürlich liebend gerne übernommen. Mittlerweile bin ich für die meisten aber einfach „Langer“ oder eben Nick.

Sie sind gebürtiger Bremer und inzwischen seit zwölf Jahren bei Werder. Ist der Verein mehr für Sie als ein Arbeitgeber?
Extrem. Ich bin in Bremen geboren und zur Schule gegangen. Aufgewachsen bin ich in einem Neubaugebiet, da gab es drumherum nur Werder. Seitdem ich bei den Profis bin, werde ich damit fast täglich konfrontiert. Wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, kommen die Kids aus der Siedlung und freuen sich, dass ich da bin. Das ist ein schönes, aber auch komisches Gefühl. Ich kenne sie ja alle schon, seit sie ganz klein waren. Die Stadt Bremen bedeutet mir sehr viel. Von daher ist es etwas Besonderes, für Werder zu spielen. Das war schon immer mein größter Traum.

Trotzdem haben Sie sich mit Ihrer Vertragsverlängerung zu Jahresbeginn sehr viel Zeit gelassen, was öffentlich für ein paar Irritationen gesorgt hat. Warum das Zögern?
Als junger Mensch muss man eine Entscheidung für eine gefühlte Ewigkeit treffen. Mir war es sehr wichtig, dass ich eine nachweislich gute sportliche Perspektive aufgezeigt bekomme und einen Plan, wie man mich hier entwickeln möchte. Wir haben dann eine gute Lösung gefunden und ich bin sehr froh, hier zu sein.

Zum Abschluss nochmal etwas anderes: Was bedeutet Ihnen eigentlich Mode?
Warum?

Weil Sie sich teilweise ziemlich auffällig kleiden…
(lacht) Ich interessiere mich einfach für Mode, das kann man schon so sagen. Manchmal wird es vielleicht etwas zu extravagant. Ich habe einfach meinen eigenen Style. Die Jungs in der Kabine wissen das. Ihre Sprüche kenne ich schon seit anderthalb Jahren.

Das Gespräch führte Daniel Cottäus.
 

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