Nach heftigem Disput mit Fritz Werder stellt Füllkrug frei

Überraschung beim SV Werder: Wie der Verein mitteilte, ist Niclas Füllkrug bis einschließlich Mittwoch freigestellt. Nach der Niederlage in Darmstadt soll es mit Clemens Fritz zu einem Disput gekommen sein.
20.10.2021, 13:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Am Mittwochnachmittag hat beim SV Werder Bremen offiziell die Vorbereitung auf das so wichtige Auswärtsspiel beim SV Sandhausen begonnen – allerdings nicht für alle Profis, die ursprünglich um 15 Uhr zur Trainingseinheit auf dem Platz erwartet worden waren. Stürmer Niclas Füllkrug war nämlich nicht mit dabei – und der Grund für das Fehlen des 28-Jährigen hat es in sich. Werder hatte ihn bereits am Montag für drei Tage vom Trainingsbetrieb freigestellt, wie der Verein nun mitteilte. Damit reagierten die Bremer auf einen Vorfall, zu dem es im unmittelbaren Anschluss an die bittere 0:3-Niederlage in Darmstadt gekommen war.

Noch auf dem Platz und später in der Kabine hatte sich Füllkrug einen heftigen Disput mit Clemens Fritz, dem Leiter Profifußball, geliefert, bei dem auch ziemlich unschöne Worte gefallen sein sollen. „Es war eine lautstarke Auseinandersetzung, bei der sich Niclas verbale Entgleisungen erlaubt hat“, berichtete Sportchef Frank Baumann – und hielt fest: „Er hat da eine Grenze überschritten.“ Zudem habe der Spieler erkennen lassen, „dass er seine persönliche Situation über die des Vereins stellt“.

Füllkrug ist mit seiner Rolle im Team derzeit mehr als unzufrieden, weil er unter Trainer Markus Anfang seinen Stammplatz verloren hat. Einerseits sei das zwar durchaus verständlich, sagte Baumann, andererseits müssten die Emotionen aber stets unter Kontrolle bleiben. „Sie dürfen jedenfalls nicht als Vorwand für so ein Verhalten dienen.“

Aus diesem Grund hat sich Werder am Montag dazu entschieden, Füllkrug freizustellen und ihm zudem eine „deutliche Geldstrafe“ (Baumann) aufzuerlegen. Eine disziplinarische Maßnahme, die der Verein eigentlich unter Verschluss halten wollte, sie zwei Tage später dann aber doch noch öffentlich machte, weil sie zu den Medien durchgesickert war. Für Füllkrug lässt sich die Strafe am besten als Denkpause einordnen. Zudem soll sie ein klares Signal an die gesamte Mannschaft sein. „Es ging auch darum, vor den anderen Spielern zu dokumentieren, dass wir nach so einem Verhalten nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte Baumann.

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Am Donnerstag endet die dreitägige Freistellung, die Füllkrug sportlich dürfte verschmerzen können. Nach dem Regenerationstag am Montag sowie dem freien Dienstag hat er bisher nur am Mittwoch ein reguläres Training verpasst. Kehrt er am Donnerstag nun ins Weserstadion zurück, wollen Werders Verantwortliche zunächst mit ihm darüber sprechen, wie eine künftige Zusammenarbeit nach dem Eklat aussehen könnte. „Das Wichtigste ist, dass Niclas eine grundsätzliche Einsicht zeigt und bereit ist, der Mannschaft in seiner aktuellen Rolle zu helfen“, sagte Baumann.

Dem Sportchef war zuletzt unter anderem missfallen, dass sich Füllkrug Anfang Oktober gegenüber unserer Deichstube als „Verlierer“ der bisherigen Werder-Saison bezeichnet hatte. „Es sagt ja schon vieles aus, dass er sich als Verlierer sieht, obwohl die Mannschaft vorher gegen Heidenheim gewonnen hatte“, sagte Baumann. Füllkrugs Reaktion in Darmstadt sei dann „komplett falsch“ gewesen – und wenn man so möchte so etwas wie der berühmte letzte Tropfen, der am Ende zur Freistellung geführt hat. Was insgesamt die Frage aufwirft, ob es mit Werder und Füllkrug überhaupt weitergehen kann? Zumal auch das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer als äußerst angespannt gilt. 

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„Wenn wir in unserem Gespräch am Donnerstag das Gefühl haben, dass Einsicht bei ihm da ist, dann gibt es keinen Grund, nicht mit Niclas weiterzumachen“, sagte Baumann, betonte aber auch: „Wenn das aber nicht deutlich genug werden sollte, ergibt es keinen Sinn mehr. Dann müssten wir dementsprechend reagieren.“ Wie genau das aussehen könnte, wollte der Sportchef noch nicht sagen. Vermutlich auch deshalb, weil er einen reumütigen Füllkrug zurückerwartet.

Bereits am Sonntagabend hatte sich der Spieler bei Clemens Fritz für sein Verhalten entschuldigt, tags darauf dann beim Trainerteam und der Mannschaft. In Werders Mitteilung wurde er am Mittwoch zudem wie folgt zitiert: „Ich habe eine Grenze zwischen Spieler und Verantwortlichem überschritten. Das darf mir nicht passieren.“ Es sieht also nicht unbedingt danach aus, als sollte es zum kompletten Bruch zwischen Verein und Stürmer kommen. Ein Füllkrug-Abschied im Winter ist nach dem Darmstadt-Vorfall aber definitiv ein großes Stück wahrscheinlicher geworden.    

++ Dieser Artikel wurde um 19.04 Uhr aktualisiert. ++

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