Wird er Kapitän? Füllkrug möchte bei Werder bleiben - aber sicher ist das noch nicht

Noch ist nichts unter Dach und Fach, aber es gibt eine Ansage. Im "kicker" meldete Niclas Füllkrug, dass er bei Werder bleiben möchte. Seine Vertragsverlängerung könnte Formsache sein - muss es aber nicht.
20.06.2022, 20:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Im heutigen Profi-Fußball gibt es sie immer seltener: Die Gesichter eines Clubs – also Spieler, die nicht nach ein, zwei, drei Jahren schon wieder weg sind. Was freilich nicht nur an den Profis liegt, sondern auch an den Vereinen. Fußball ist eben ein Geschäft. Aber nicht nur: Bei einem gewissen Niclas Füllkrug gehört auch sehr viel Herzblut dazu. Und daher ist es sicher nicht nur von ihm so daher gesagt, wenn er im „kicker“ verkündet: „Ich möchte bei Werder bleiben.“ Da sich Clemens Fritz als Vertreter des Clubs fast zeitgleich ähnlich geäußert hat, scheint eine Verlängerung des in einem Jahr auslaufenden Vertrags nur noch Formsache zu sein – eigentlich. Denn ernsthaft gesprochen wird erst jetzt.

Es kann schnell gehen, muss es aber nicht. Zumal auch anderen Clubs nicht entgangen ist, wie gut der Stürmer nach seinen Verletzungsproblemen wieder funktioniert. 19 Tore hat er in der Zweitliga-Saison erzielt, acht weitere vorbereitet. Es soll Interesse aus dem In- und Ausland geben. Noch liegt Werder aber kein konkretes Angebot vor. Der Aufsteiger will den Leistungsträger auch gar nicht verkaufen. „Es ist kein Geheimnis, dass Niclas sowohl sportlich als auch menschlich für uns ein sehr wichtiger Spieler ist“, sagte Fritz am Sonntag und kündigte die Aufnahme von Vertragsgesprächen an. Dabei betonte der Leiter Profifußball zugleich: „Wirtschaftlich müssen wir auch nach Budget handeln. Aber da werden wir erst mal mit ihm in den Austausch gehen.“

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Füllkrug dürfte nach dem Weggang von Ömer Toprak der Topverdiener sein – mit einem geschätzten Jahresgehalt von über drei Millionen Euro. Vereinbart noch vor Corona. Durch hohe Einnahmeausfälle sind fast alle Clubs in eine finanzielle Schieflage geraten. Bei Werder kam noch der Abstieg dazu, wenngleich der zumindest dafür gesorgt hat, einige teure Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen. Füllkrug ist dagegen geblieben, bekam aber in der 2. Liga nur die Hälfte seines Gehalts. Ab 1. Juli gilt bei ihm wieder der Erstliga-Tarif, für den er allerdings auch einiges getan hat.

Da wäre zum Beispiel sein eigenwilliges Programm im Sommerurlaub vor einem Jahr, als er die Probleme mit den operierten Knien mit hartem Krafttraining bekämpfte. Seitdem hat der 29-Jährige gerade einmal ein Spiel verpasst und fast immer trainiert. Was in den beiden Jahren davor undenkbar erschien. Nach Anlaufschwierigkeiten unter Markus Anfang startete Füllkrug unter dem neuen Coach Ole Werner richtig durch, bildete mit Marvin Ducksch das Traumduo „hässliche Vögel“ und gehörte zu den besten Spielern in der 2. Liga.

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Bei den Werder-Fans ist er aus mehreren Gründen besonders beliebt. Der Hannoveraner war in der Jugend an die Weser gewechselt und hat es dort zu den Profis geschafft. Es folgten eine Ausleihe, ein Verkauf und dann die Rückholaktion. Ein Fußball-Märchen – auch mit dunklen Momenten, weil sich Füllkrug nicht lange nach seiner Verpflichtung vor drei Jahren schwer verletzte. Er biss sich zurück, kämpfte unter Schmerzen gegen den Abstieg – und konnte ihn letztlich nicht verhindern.

Genauso leidenschaftlich ging Füllkrug das Thema Wiederaufstieg an, zoffte sich mit seinem Vorgesetzten Clemens Fritz, entschuldigte sich und lieferte dann ab. Dass er am Ende mit einem Bengalo in der Hand auf dem Zaun der Ostkurve den Aufstieg mit den Fans feierte, ist eines der Bilder der Saison, wenn auch ein recht teures. 25.000 Euro Strafe brummte ihm das DFB-Sportgericht dafür auf.

„Mir geht es gut hier“, schwärmt Füllkrug und blickt schon in seine grün-weiße Zukunft: „Ich möchte meine Rolle in der Mannschaft eher weiter stärken, als dass ich mich woanders sehe.“ Es ist ein gar nicht so versteckter Hinweis darauf, was dem 29-Jährigen bei all den Zahlen in seinem Vertragswerk noch wichtig ist: das Kapitänsamt. Fordern will er das freilich nicht, das gehört sich nicht. „Mir gefällt Verantwortung, ich könnte sie aber auch ohne Binde übernehmen“, betont Füllkrug: „Trotzdem ist das natürlich ein Amt, das mit viel Stolz und Ehre verbunden ist. Das habe ich schon als Kind so empfunden – und mich immer drauf gefreut, wenn ich Kapitän sein durfte.“

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Entscheiden wird das letztlich Trainer Werner oder die Mannschaft, wenn sie wie unter Anfang wählen darf. Viele Alternativen zu Füllkrug bietet der Kader nicht. Da wären noch Leonardo Bittencourt, Christian Groß, Neuzugang Niklas Stark und Marco Friedl, der aber selbst erst noch verlängern muss. Bei einer Umfrage unserer Deichstube mit fast 25.000 Teilnehmern lag Füllkrug mit 37 Prozent der Stimmen deutlich vorne. Er ist auf dem besten Weg, ein dauerhaftes Werder-Gesicht zu werden. Es wäre schon sehr überraschend, wenn sich die Wege ausgerechnet jetzt trennen würden, aber ausgeschlossen ist das im Fußball eben auch nicht. 

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