Werder-Legende Adios Amigo: Claudio Pizarro feiert seinen Abschied

Werder-Legende Claudio Pizarro hat sich am Samstagabend mit einem emotionalen Abschiedsspiel beim SV Werder Bremen von Fans und Freunden verabschiedet. Und dem Peruaner kamen nicht nur am Ende die Tränen.
24.09.2022, 20:34
Lesedauer: 4 Min
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Von mbü

Und dann war es tatsächlich vorbei. Um 19.24 Uhr ließ sich Claudio Pizarro ein allerletztes Mal auswechseln. In seinem Wohnzimmer. Dem Weserstadion. Und all die Zuschauer, die er in den vergangenen 23 Jahren mit seinem Spiel, seiner Art, seiner Liebe zum SV Werder Bremen immer wieder glücklich gemacht hatte, feierten mit ihm. Ein Mal noch abtauchen in diesen Moment der vollendeten Glückseligkeit, wie ihn in Bremen nicht viele zaubern konnten. Pizarro konnte es. Deshalb lieben ihn die Menschen. Weit über die Stadtgrenzen hinaus. Er ist und war der Mann fürs Besondere. Und davon gab es am Samstagabend beim offiziellen Abschiedsspiel des Peruaners eine ganze Menge.

Ob die Dermatologen in Bremen und Umgebung in den nächsten Tagen einen größeren Patientenzulauf als sonst haben werden, ist ungewiss. Verwundern würde es aber nicht. Denn die Pizarro-Fiesta bot eine Gänsehaut nach der anderen. Da sind Folgeerscheinungen also nicht auszuschließen. Aber jeder, der es mit der Legende des SV Werder hält und bei diesem finalen Spektakel live dabei war, dürfte diese wohligen Schauer ohnehin in wunderbarer Erinnerung behalten.

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Das eigentliche Geschehen auf dem Rasen hatte noch gar nicht begonnen, da musste Pizarro schon kräftig durchschnaufen, die Augen wurden ein wenig glasig. Werders Verantwortliche hatten neben ein paar Geschenken auch noch warme Worte parat – und so erklärte Club-Boss Klaus Filbry: „Im Namen aller Fans, aller Mitarbeiterinnen und in unserem Namen: Wir verabschieden dich heute als einen der größten Spieler, die der SV Werder Bremen jemals gehabt hat. Und ich glaube, das ganze Stadion kann sich nur vor dir verneigen und dir einen schönen Abschied bereiten, den hast du dir verdient.“

Danach war es dann an der Zeit für Fußball. Keine zwei Minuten dauerte es, ehe der Star des Abends noch ein wenig mehr im Mittelpunkt stand. Nach Flanke von Fin Bartels köpfte Pizarro gleich einmal im ersten von drei Duellen zur Führung ein – für das Team „Claudios Amigos“ gegen das „Team Werder Bremen“. Anschließend trafen noch Ailton, Maximilian Eggestein und Niclas Füllkrug zum 2:2-Endstand. Und Letzterer schwärmte an der Seitenlinie am Sat.1-Mikrofon: „Es ist toll, dass Claudio dieses Stadion füllen konnte. Da muss man sich viele Freunde hier gemacht haben.“

"Wunderschön zu sehen"

Auf der Tribüne hat er das nachweislich. Doch auch im gesamten Fußballgeschäft. „Er war für mich der Stürmer schlechthin in der Bundesliga“, adelte etwa der frühere Bayern-Profi Mario Gomez seinen einstigen Teamkollegen. „Er war erst mein Idol, später mein Mitspieler. Und er war der einzige Spieler, den ich jemals nach einem Trikot gefragt habe in der Bundesliga.“ Weltmeister und Ex-Bayern-Kapitän Philipp Lahm erklärte: „Ob am Kartentisch oder auf dem Golf- und Fußballplatz. Der Mann hat immer gute Laune.“ Von diesem Spaß am Kicken schwärmten an diesem Tag fast alle – so wie stellvertretend Florian Kohfeldt, der erstmals seit seiner Entlassung 2021 wieder als Coach im Weserstadion an der Seitenlinie stand. „Er hat das Spiel gelebt. Und das war als Trainer einfach wunderschön zu sehen.“

Wunderschön waren dann auch die Treffer, die Marko Marin, Nelson Valdez oder Mario Gomez in der zweiten Partie des Tages zwischen „Claudios Amigos“ und den „FC Bayern Legenden“ erzielten. Und da auch Thomas Linke (Eigentor), Daniel van Buyten, Anthony Ujah und – natürlich – Claudio Pizarro (2) zuschlugen, stand es letztlich 4:4. Die Dramaturgie des Abends hatte es so vorgesehen, dass zum Abschluss die Werder-Größen auf die Münchener Gaststars trafen – und Pizarro so ein letztes Mal im grünen Dress auf die Ostkurve zuspielen durfte. Zusammen mit seinem alten Spezi Ailton, es war die kurzfristige Auferstehung des legendären Duos „Pizza Toni“. Und beide lieferten wie in besten Zeiten natürlich auch dieses Mal wieder. Nach einem Eigentor von Daniel van Buyten schraubte Pizarro nach Ailton-Vorarbeit die Bremer Führung in die Höhe. Arjen Robben und Mario Gomez glichen noch aus. Doch das war egal. Denn dann war der finale Moment gekommen. Pizarro wurde unter dem Jubel der Zuschauer ausgewechselt, laute Sprechchöre hallten durch das Stadion. „Das ist das beste Ende für meine Karriere. Vielen Dank euch allen“, sagte er, ehe es auf die Ehrenrunde ging. „Ich werde euch nie vergessen.“

Der Rest war eine einzige große Party. Mit feuchten Augen stand Claudio Pizarro auf dem Rasen, schaute noch einmal die Tribünen hinauf. Und während er dort umzingelt von zahlreichen Fotografen so stand, tauchte plötzlich als Überraschungsgast Sänger Jan Delay im abgedunkelten Stadion auf. Mit einem Mini-Konzert im Mittelkreis und anschließender Lasershow wurde die Werder-Legende noch einmal ausgiebig gewürdigt. So richtig gehen lassen wollte ihn anschließend niemand. Dafür hat er einfach viel zu viele Menschen glücklich gemacht. Doch sie mussten. Die Karriere von Claudio Pizarro ist tatsächlich vorbei. Doch jeder, der sie miterleben durfte, wird mit einem Strahlen daran zurückdenken. Und wahrscheinlich mit einer dicken Gänsehaut.

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