"Das ist ein absolutes Unding" Polizeiaktion gegen Fans in Wolfsburg verärgert Werder-Funktionäre

Noch vor Anpfiff hatten sich mehrere Ultra-Gruppen des SV Werder Bremen aus Wolfsburg verabschiedet. Grund war eine Polizeiaktion am Bahnhof. Und die sorgt auch nach dem Spiel für viel Unverständnis.
07.08.2022, 08:04
Lesedauer: 3 Min
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Polizeiaktion gegen Fans in Wolfsburg verärgert Werder-Funktionäre
Von Malte Bürger

Hubertus Hess-Grunewald war richtig angefressen. „Wir müssen uns ernsthaft fragen: Was wollen wir eigentlich für eine Fankultur?“, sagte der Präsident des SV Werder Bremen am Mikrofon des TV-Senders Sky verärgert. „Wir sind stolz darauf, in Deutschland eine Fankultur zu haben, eine lebendige Fanszene in allen Stadien, Auswärtsfans zu haben. Und wenn wir Gäste dann so willkommen heißen und so behandeln, dann kann das nicht im Sinne des Zuschauersports Fußball sein.“

Vorangegangen war eine Polizeiaktion am Wolfsburger Hauptbahnhof: Gegen Mittag, noch vor dem eigentlichen Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (2:2) waren zahlreiche Werder-Fans während ihrer Anreise am Wolfsburger Hauptbahnhof von der Polizei festgesetzt worden und durften sich nicht mehr frei bewegen. Logischerweise zum Unmut der betroffenen Personen und auch des Vereins.

„Es wurden Durchsuchungsmaßnahmen und Personenidentitätsfeststellungen angeordnet. Selbst unsere Fanbetreuer hatten am Anfang keine Möglichkeit, rein- und rauszugehen und für Kommunikation zu sorgen, weil auch sie sich immer wieder Kontrollen unterwerfen mussten“, erzählte Hess-Grunewald. „Das hat dann am Ende dazu geführt, dass relevante Teile der Fanszene entschieden haben, nach Hause zu fahren. Das ist eine Entwicklung, die wir wirklich nicht gutheißen können.“ Die Fanhilfe Bremen kündigte bereits an: „Wir werden die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen genauestens prüfen.“ Auch Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, war naturgemäß wenig begeistert von den Entwicklungen am Bahnhof. „Das ist ein absolutes Unding“, kritisierte er das Vorgehen der Polizei und bedauerte den daraus resultierenden Abzug der Ultras gen Heimat.

Die harte Aktion der Beamten überraschte auch deshalb, weil es im Vorfeld keinerlei Anlass dafür gegeben zu haben schien. Laut Hess-Grunewald hätten beide Clubs eine Einschätzung zur Sicherheitslage vorgenommen, die Partie sei in die niedrigste, die Kategorie „grün“ eingeordnet worden. Auch in der Vergangenheit war das Duell zwischen Werder und dem VfL nicht gerade dafür bekannt, dass es zu Konflikten unter den Fanlagern kommt. Auf Anfrage unserer Deichstube äußerte sich die Polizei in Wolfsburg bislang nicht zu den Geschehnissen. Zuvor hatte sie lediglich auf Twitter erklärt, dass „aus gefahrentechnischen Gründen“ eine Kontrollstelle eingerichtet worden sei, „um Auseinandersetzungen von Fangruppierungen und das Abbrennen von Pyrotechnik zu verhindern“.

Wir haben im Moment kein Verständnis dafür, weil wir den Hintergrund dieser Maßnahme nicht kennen. 
Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen 

Für mehr Verständnis sorgte diese Mitteilung keineswegs. „Wir haben eigentlich eine sehr gute Zusammenarbeit insbesondere in Bremen mit den Polizeibehörden, das muss ich ausdrücklich loben“, sagte Hess-Grunewald, „aber auch hier haben uns die Wolfsburger Kollegen gesagt, dass auch sie von dieser Maßnahme im Vorfeld nichts gewusst haben und davon überrascht waren. Wir haben im Moment kein Verständnis dafür, weil wir den Hintergrund dieser Maßnahme nicht kennen.“

Die Werder-Profis bekamen derweil vom dezimierten Gästeblock zunächst kaum etwas mit. Auch weil die übrigen Fans das Team frenetisch unterstützten. „Zum Aufwärmen, das war schon Weltklasse, wie die Fans uns empfangen haben. Das war ja ein gefühltes Heimspiel heute, das war sehr cool“, lobte etwa Amos Pieper, der völlig überrascht war, als er anschließend von der Polizeiaktion erfuhr. „Also wären es eigentlich noch mehr Fans gewesen? Das ist schade“, betonte er. „Vor allem schade für die Fans.“

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