Innensenator und Werder-Präsident im Streit

Polizeikosten statt Kruse-Vertrag?

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald streitet mit Innensenator Ulrich Mäurer um die Konsequenzen des Polizeikosten-Urteils. Immerhin: Der eine will dem anderen helfen.
02.04.2019, 07:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Ralf Michel

Auch der Sieg gegen Mainz hat die Niederlage vor Gericht nicht vergessen lassen. Am Sonnabendabend, Werder war gerade durch das 3:1 gegen Mainz auf Platz sechs der Tabelle geklettert, gab Hubertus Hess-Grunewald in den Katakomben des Weserstadions dem NDR ein Interview. Es ging dabei um das Urteil zur Beteiligung der Klubs an Sicherheitskosten, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vergangenen Freitag verkündet hat. Das Land Bremen darf der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Kosten für zusätzliche Polizeikräfte bei Hochrisikospielen von Werder Bremen in Rechnung stellen.

Das Interview war Teil eines Beitrags des „Sportclubs“, und Werders Präsident skizzierte mit seinen Worten, welche unmittelbaren Folgen die Übernahme der Gebühren für Polizeikosten bei Hochrisikospielen für Werder seiner Ansicht nach haben kann. „Man kann über sehr unpopuläre Dinge nachdenken“, sagte Hess-Grunewald. „Oder man muss sehen, ob man vielleicht mit Max Kruse nicht mehr verlängert, damit wir diese Kosten bezahlen können.“

Der Vertrag von Kruse läuft am Saisonende aus, mit geschätzten 3,5 Millionen Euro pro Jahr gehört er zu den Profis des Kaders mit dem höchsten Gehalt. Werder will Kruse, seit Saisonbeginn Kapitän und zweifelsfrei eine der Säulen des Bremer Systems, nach Möglichkeit halten. Das Gehalt, dass die Bremer künftig zu zahlen bereit wären, dürfte in etwa der aktuellen Summe entsprechen. Billig ist Kruse also nicht. Die Gespräche zwischen Kruses Management und Sportchef Frank Baumann laufen bereits.

Mäurer: „Bereit, Werder zu unterstützen“

Nun aber könnten sie laut Hess-Grunewald ins Stocken geraten, da Werder die Last der zusätzlichen Polizeikosten zu tragen hat. Das Szenario, das der Präsident entwirft, lautet etwas verknappt: Polizeikosten statt eines neuen Vertrags für Kruse. Ein populistisches Bild, das Werder öffentlich in die Opferrolle rückt.

Innensenator Ulrich Mäurer bezweifelt einen Zusammenhang zwischen dem Urteil von Leipzig und einer Vertragsverlängerung mit Kruse. Dem WESER-KURIER sagt Mäurer: „Diese Äußerung ist wirklich mehr als befremdlich. Ja, die DFL hat das Verfahren in Leipzig krachend verloren. Werder Bremen ist nun aber nicht verpflichtet, anstelle der DFL die Kosten zu übernehmen. Ich erwarte, dass der Präsident von Werder Bremen die Interessen des Clubs vertritt und sich gegen die DFL wehrt. Dabei bin ich gerne bereit, Werder Bremen zu unterstützen.“

Sieben Mal hat das Land Bremen seit 2015 bereits Gebührenentscheide an die DFL geschickt, da bei sieben Hochrisikospielen erhebliche Mehrkosten aufgelaufen sind. Es geht um Spiele gegen den HSV, Hannover, Frankfurt und Gladbach. Die dafür anfallende Summe hat sich auf über zwei Millionen Euro addiert. Zahlen soll laut Urteil die Deutsche Fußball-Liga. Die hat aber sehr früh angekündigt, im Falle einer gerichtlichen Niederlage die Kosten an Werder weiter zu reichen.

Gegenüber dem WESER-KURIER präzisierte Hess-Grunewald seine Äußerung und erläutert, welche Folgen das Urteil für Werder haben kann. „Meine Aussagen sind keinesfalls eine populistische Reaktion auf die Urteilsbegründung der Leipziger Richter. Ich will sehr deutlich machen, dass hier einerseits Forderungen in Millionenhöhe im Raum stehen, andererseits die Ankündigung der DFL, solche Rechnungen an Werder Bremen weiterzuleiten. Das würde einen relevanten Wettbewerbsnachteil mit sich bringen. Darauf habe ich mit einer zugegeben zugespitzten Formulierung aufmerksam gemacht."

Hess-Grunewald rudert zurück

Die finanzielle Last dürfte bei Werder landen, was selbstverständlich nicht ohne Konsequenzen bliebe. Ob diese derart dramatisch wären, wie Hess-Grunewald in Aussicht stellt, darf angezweifelt werden. Werder hat bereits im Vorfeld des Urteils reagiert und vom Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahrs eine Million Euro genutzt, um eine Rückstellung zu bilden. Knapp die Hälfte der Summe, die in Rechnung gestellt wird, liegt also bereit.

Klar ist aber auch, dass in jeder Spielzeit weitere Gebührenbescheide anfallen, also stetig neue Kosten entstehen. „Wir stehen vor der Aufgabe eine Lösung dafür zu finden, wie wir diesen Wettbewerbsnachteil vermeiden können. Wir werden Lösungsansätze in alle Richtungen suchen. Dabei werden wir einen kühlen Kopf bewahren„, sagt Hess-Grunewald dem WESER-KURIER, nun offenbar bemüht, eine weitere Eskalation zu vermeiden. „Alle tun gut daran, erst mal zu schauen, welche Situation sich in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt, welche Reaktionen der Richterspruch politisch und gesellschaftlich und bei der DFL hervorruft.“

In dem Interview mit dem NDR hatte Hess-Grunewald auch damit kokettiert, das soziale Engagement Werders zurückzufahren, um Geld für die zusätzlichen Polizeikosten zu sparen. Das ist aber kein Plan, den der Klub ernsthaft in Erwägung zieht: „Natürlich werden wir unser soziales Engagement niemals im Grundsatz in Frage stellen.“ Und, das wird die Anhänger Werders, die auf eine Vertragsverlängerung mit Kruse hoffen, beruhigen, auf die Zusammenstellung des Kaders werden die Gebühren der Polizeikosten wohl keinen Einfluss haben. „Natürlich ist es unser ureigenes Interesse einen starken Kader zusammenzustellen", sagt Hess-Grunewald.

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