Remis gegen Hannover 96 Punkt gewonnen, Kruse verloren

Theo Gebre Selassie hat mit seinem Tor Werders Fehlstart verhindert. Das 1:1 gegen Hannover 96 war am Ende trotzdem weniger als erhofft, aber immer noch mehr als zwischendurch zu befürchten war.
25.08.2018, 17:58
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Punkt gewonnen, Kruse verloren
Von Marc Hagedorn

Konnte das denn wahr sein? Claudio Pizarro war ins Spiel eingewechselt worden, und alle hatten gejubelt. Jetzt musste es für Werder doch besser werden. Doch dann traf ein anderer Einwechselspieler, und er trug aus Werder-Sicht das falsche Trikot. Hendrik Weydandt, 23 und erst vor ein paar Wochen vom 1. FC Egestorf/Langreder gekommen, schob den Ball nach einem perfekten Heber von Ihlas Bebou an Werder-Torwart Jiri Pavlenka vorbei zum 1:0 für Hannover (77.) ins Tor.

Es war ein Schock, ein Rückschlag für die Bremer Ambitionen in dieser Saison. Doch Werder kämpfte sich zurück und kam noch zum Ausgleich, und dies, weil Pizarro NICHT seine Finger im Spiel hatte. Denn eine Flanke von Ludwig Augustinsson verpasste Pizarro, sodass Theo Gebre Selassie per Kopfball zum 1:1 ausgleichen konnte. Hätte Pizarro den Ball berührt, wäre Gebre Selassie im Abseits gewesen. Puh, noch einmal gut gegangen. Das galt am Ende auch für das Spiel. Das 1:1 gegen Hannover 96 war weniger als erhofft, aber mehr, als man zwischendurch befürchten musste.

Pizarro belebt das Spiel

Nach 67 Minuten wurde plötzlich gejubelt. Auf dem Spielfeld war der Betrieb nach einem stürmischen Start in die zweite Halbzeit beinahe zum Erliegen gekommen, da wechselte Florian Kohfeldt den Mann für solche Fälle ein: Werders Cheftrainer brachte Claudio Pizarro. Das gab der Stimmung einen Schub und dem Werder-Spiel auch. Keine fünf Minuten später flankte Ludwig Augustinsson, und Pizarro war zur Stelle beziehungsweise seine Fußspitze. Ins Tor wollte der Ball aber nicht. Wieder keine fünf Minuten später setzte Pizarro einen Kopfball nach Flanke von Maximilian Eggestein knapp über das 96-Tor (76.).

So mutig, so offensiv, so ambitioniert hat man Werder viele Jahre nicht erlebt. In Richtung Europa-League-Plätze soll es gehen in dieser Saison. 34 Spieltage sind es bis dahin, der erste davon hat einen Eindruck gegeben, wie weit dieser Weg ist. Werder hatte in der ersten Halbzeit zwar häufiger und länger den Ball als die Gäste, auch schossen die Bremer häufiger Richtung Tor als der Gegner, aber Offensivaktionen, die mit guten Abschlussmöglichkeiten endeten, gab es auf beiden Seiten nur wenige.

Veljkovic hat eine große Chance

Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte die Startelf aus dem DFB-Pokalspiel gegen Worms aufs Feld geschickt, das heißt, dass wieder Yuya Osako (rechts) und Florian Kainz (links) die offensiven Außenbahnen besetzten. Werder war früh anzumerken, dass es gewillt war, Chancen herauszuspielen. Allerdings fehlte den Aktionen in der ersten Hälfte das letzte Quäntchen Präzision und Timing. Ein paar Beispiele: Eine Flanke von Ludwig Augustinsson geriet zu scharf und endete im Nichts (13.). Eine Flanke von Theo Gebre Selassie blieb unerreichbar für Max Kruse (14.). Ein Schuss von Maximilian Eggestein aus 17 Metern endete als Roller (15.). Und dann hatte Milos Veljkovic die beste Werder-Chance der ersten Halbzeit, als sein Kopfball nach Kruse-Freistoß neben das Tor ging (24.).

Werder hatte in dieser Phase 63 Prozent Ballbesitz, aber danach fand Hannover 96 immer besser ins Spiel und hatte selbst Chancen. Ein Schuss von Oliver Sorg wurde abgefälscht und landete knapp neben dem Tor (27.). Dann setzte der 19-jährige Linton Maina den besten 96er, Ihlas Bebou, in Szene, doch Jiri Pavlenka konnte Bebous Schuss aus zwölf Metern abwehren (28.). Glück hatte Werder, als Niklas Füllkrug nicht schnell genug reagierte, nachdem Gebre Selassie in die Mitte geklärt hatte (45.). Und wenn es nach den Gästen gegangen wäre, hätten sie Sekunden vor dem Halbzeitpfiff sogar noch einen Elfmeter bekommen müssen: Füllkrugs Kopfball-Hereingabe streifte zwar den Arm von Eggestein, ein elfmeterwürdiges Handspiel aber war es nicht.

Max Kruse humpelt vom Platz

So ging es mit 0:0 in die Pause – und mit deutlich mehr Schwung wieder hinaus. Füllkrug verzog aus 20 Metern knapp (47.). Dann spielte Werder so, wie Werder vor dem gegnerischen Tor am liebsten immer spielen will. Schnell, direkt, wie blind aufeinander abgestimmt. Klaassen hatte den Ball aus der Luft mit einer Berührung weitergeleitet, Augustinsson ihn per Brust angenommen und sofort volley abgeschlossen. Der Ball flog knapp am Hannoveraner Tor vorbei. Da konnte man ahnen, wie viele spielerische Möglichkeiten in dieser Werder-Mannschaft stecken. Da Werder davon aber nur selten etwas abrufen konnte, war der Start in die Bundesliga-Saison – gemessen an den großen Hoffnungen und Erwartungen – eine kleine Enttäuschung.

Als die Werder-Profis vom Platz trotteten, war einer schon lange nicht mehr dabei. Max Kruse, der Kapitän, war nach 52 Minuten vom Platz gehumpelt. Das passte zu einem Nachmittag, an dem weniger als erhofft funktioniert hatte. Ein Fehlstart, wie er zwischenzeitlich zu befürchten war, allerdings war es auch nicht geworden.

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