Nachholspiel

Sargent und Möhwald schießen Werder in Bielefeld zum Sieg

45 Minuten war von Werder Bremen beim Nachholspiel in Bielefeld nichts zu sehen. Doch mit Beginn der zweiten Halbzeit wachte Bremen auf und entführte drei wichtige Punkte von der Bielefelder Alm.
10.03.2021, 21:27
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Von Carsten Sander

Tschüss, Abstiegskampf! Mit einem 2:0 (0:0)-Sieg im Nachholspiel bei Arminia Bielefeld hat Werder Bremen, der Fast-Absteiger der vergangenen Saison, am Mittwochabend einen vorentscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Zehn Spiele vor Saisonende hat der Bundesliga-Zwölfte nun 30 Punkte auf dem Konto und elf Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Auf dem verharrt die Arminia, die das Spiel ab der 71. Minute nach einer Roten Karte für Nathan de Medina in Unterzahl bestreiten musste. Als auf beiden Seiten noch elf Mann auf dem ramponierten Platz der Schüco-Arena standen, hatte Josh Sargent die Bremer in Führung gebracht (47.), der eingewechselte Kevin Möhwald traf zum 2:0 (75.).

Obwohl das Punktepolster nun dick und kuschelig ist, wähnt sich Werder nicht in der Komfortzone. „Wir sind noch nicht durch“, mahnte Trainer Florian Kohfeldt, „aber wir haben jetzt natürlich eine sehr gute Ausgangsposition.“ Mittelfeldmann Maximilian Eggestein freute sich indes etwas offensiver über einen „sehr großen Schritt in die richtige Richtung.“

So lief Werders Spiel in Bielefeld: Der Liveticker zum Nachlesen

Mit drei Änderungen in der Startelf hatte Kohfeldt nicht nur den Belastungen in der Englischen Woche entgegengewirkt, sondern auch auf die spielerisch dürftige Vorstellung beim 1:1 gegen den 1. FC Köln drei Tage zuvor reagiert. Niclas Füllkrug, Kevin Möhwald und Ludwig Augustinsson fanden sich auf der Bank wieder, an ihre Stelle traten im Sturm Romano Schmid, im Mittelfeld Leonardo Bittencourt und in der Fünferkette Felix Agu. Ihnen gab Kohfeldt neben dem übergeordneten Ziel, die drei Punkte einzufahren, auch den Auftrag mit auf den Platz, „das Spiel mit Ball zu verbessern“. Denn in diesem Bereich hatte es in Köln schon größte Defizite gegeben. Und was soll man großartig drumherum reden: In Bielefeld wurde es zunächst noch schlimmer.

Die erste Halbzeit – sie war ein Gruselstück des Fußballs. Während sich die Arminia um Spielkontrolle und spielerische Ansätze bemühte, bestand die Bremer Idee, wie diese Partie in ihre Richtung gelenkt werden könnte, aus unzählig vielen langen Bällen. Was auf dem ackerähnlichen Geläuf vielleicht gar keine so schlechte Idee war, doch fast alle Versuche wurden zu einer leichten Beute für die Bielefelder Defensive. Kohfeldt räumte ein: „Mit Ball war es wieder schlecht. Wir haben es nicht geschafft, uns zu lösen. Wir hatten auch nicht den Mut, hinten rauszuspielen. Wir hatten keine Staffelung – gerade vorne.“ Die Bremer Angriffsreihe mit Milot Rashica, Sargent und Schmid kam deshalb überhaupt nicht zum Zuge. Nur in zwei Szenen brachte Werder den Ball mit System in den gegnerischen Strafraum. Sargents Abschluss ging jedoch Richtung Eckfahne (24.), und Rashicas Drehschuss flog weit über das Bielefelder Tor (31.).

Die Arminia hatte bis zur Pause in einem grundsätzlich schwer an Fußball-Schwindsucht leidenden Match die besseren, gefährlicheren Torszenen. Glück für Werder, dass Amos Pieper bei seinem Kopfball in Rücklage geriet (7.) und dass der Schuss von Ritsu Doan noch von Ömer Toprak geblockt wurde (29.). „Arminia war einen Tick die bessere Mannschaft, das muss man schon ehrlich sagen“, urteilte Kohfeldt.

Doch die zweite Halbzeit war nur 62 Sekunden alt, als der Ball plötzlich im Bielefelder Tor lag. Grund: Mit dem ersten Angriff nach der Pause hatte Werder alles anders und besser gemacht als vor der Pause. Der für den schwachen Agu eingewechselte Augustinsson leitete ein, Schmid spielte schnell weiter auf Rashica – und dessen Hereingabe fälschte Arminia-Verteidiger Pieper entscheidend ab. Sargent hielt auf der Torlinie nur noch den Fuß hin. Womit sich die kleine Serie des US-Amerikaners fortsetzte: In drei Spielen in Folge hat er jetzt getroffen, in allen drei Spielen brachte er Werder damit in Front.

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Beinahe hätte die Führung in Bielefeld aber nicht lange Bestand gehabt. Ritsu Doan, von Marco Friedl zum wiederholten Mal nicht zu halten, prüfte Werder-Keeper Jiri Pavlenka, den Abpraller verteidigte Milos Veljkovic mit Mühe – und mit dem Einsatz des linken Arms. Für einen Elfmeter reichte das aber nicht, Veljkovic hatte sich auf den Arm gestützt und deshalb keine Chance, den Kontakt zu verhindern (54.). Regelkonform gab es keinen Pfiff von Schiedsrichter Markus Schmidt – und auch Video-Assistentin Bibiana Steinhaus intervenierte nicht.

Als jedoch Nathan de Medina dem bei Werder mittlerweile eingewechselten Füllkrug von hinten in die Beine sprang, meldete sich der Video-Keller, und Schmidt zückte nachträglich Rot statt Gelb für den Bielefelder (71.). Diskutabel war diese Entscheidung allemal. In Überzahl zeigte Werder dann den schönsten Spielzug des Abends. Nach einem Doppelpass mit Rashica legte Maximilian Eggestein zurück auf Möhwald – 0:2 (75.).
Zwei Tore vorn, ein Mann mehr – alles sprach nun für die Bremer. Doch Werder wurde nachlässig, gönnte der Arminia plötzlich Chance um Chance. Fabian Klos scheiterte zweimal an Pavlenka (79./80.). Und dann war es vorbei. „Wir haben es nach Hause gebracht“, atmete Eggestein auf. In die nun folgenden Heimspiele gegen die Spitzenteams Bayern München (Samstag) und VfL Wolfsburg können die Bremer ohne den ganz großen Druck gehen.

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