Warum Borowski Werder verlässt Zweifel an "Entwicklungen und Entscheidungen"

Eigentlich sollte Tim Borowski auch in der zweiten Liga Teil des Trainerteams bei Werder Bremen sein. Doch Borowski wird Bremen verlassen, auch weil er mit den Entwicklungen im Verein nicht einverstanden ist.
05.06.2021, 11:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Es ist nicht sein erster Abschied von Werder Bremen, aber vielleicht sein letzter: Als Tim Borowski am Freitagvormittag gegen 10 Uhr das Weserstadion verließ, war final geklärt, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Club, bei dem er beinahe seine gesamte Karriere verbracht hat, endet. Nach einem Gespräch zwischen ihm und Sportchef Frank Baumann verkündete der SV Werder, dass der Co-Trainer seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird.

„Schweren Herzens“ habe er die Entscheidung getroffen, sagt Borowski in der Mitteilung des SV Werder und begründet seinen Abgang mit – aufgepasst! – den „Entwicklungen und Entscheidungen der letzten Wochen“. Das ist unkonkret formuliert von Borowski, was nicht zufällig geschehen sein dürfte, weil frontale Kritik selten gut kommt bei einer Trennung. Gleichwohl ist es ein klarer Hinweis darauf, dass Borowskis Unzufriedenheit mit der Lage bei Werder über die Maßen groß ist.

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„Entwicklungen und Entscheidungen“ – unter dieses Dach passt viel. Erst der Umgang mit Chefcoach Florian Kohfeldt, dann die Diskussion um Frank Baumann - beides ohne erkennbaren Plan B -, der Abgang der vier Aufsichtsräte mit und um Marco Bode, dazu in der Wahl von Neu-Trainer Markus Anfang bislang nur eine wirklich nach vorne gerichtete Personalentscheidung. Aber noch kein verkaufter Spieler, noch kein dazugeholter. Werder wirkt auch zwei Wochen nach dem Abstieg noch ein bisschen wie eingefroren. Ob Borowski all das meint?

Laut Frank Baumann sollte der 41-Jährige weiter Teil des Trainerteams bleiben, ein entsprechendes Angebot muss der Sportchef dem ehemaligen Teamkollegen also unterbreitet haben. Auch und trotz des Fakts, dass Anfang in Florian Junge einen eigenen Assistenten mitbringt nach Bremen. Für Borowski hätte das heißen können, als fester, konstanter Co-Trainer installiert und damit auch zu einer Cheftraineroption für die Zukunft aufgebaut zu werden. Es hätte eine Chance sein können, doch die „Entscheidungen und Entwicklungen“ waren bei Werder zuletzt ganz offenbar nicht so, als dass Borowski auf diese Chance hätte setzen wollen. Baumann erklärt in einer Vereinsmitteilung, er bedaure den Entschluss des Ex-Nationalspielers: „Wir schätzen ihn fachlich und menschlich sehr und hätten gerne weiter mit ihm gearbeitet, aber wir respektieren natürlich seine Entscheidung und wünschen ihm für seine Zukunft nur das Beste.“

Wie die aussehen wird für Tim Borowski? Ein großes Fragezeichen. Vielleicht geht er seinen eigenen Weg als Trainer, vielleicht wird er wieder an Kohfeldts Seite sein, wenn der irgendwann eine andere Mannschaft übernimmt. Zum Abschied wünscht der 41-Jährige Werder „alles erdenklich Gute und den direkten Wiederaufstieg“, zudem bedankt er sich „bei allen Mitarbeiter:innen und Fans für die schönen und intensiven Momente“.

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Und das ist es dann gewesen. Mit Borowskis Demission geht ein weiteres Kapitel in einer sehr langen grün-weißen Geschichte zu Ende. Als 16-Jähriger war er aus Neubrandenburg an die Weser gewechselt, wurde 1999 Deutscher A-Jugendmeister, gewann 2004 das Double. 2006 war er mit der deutschen Nationalmannschaft Teil des WM-Sommermärchens. 2008 dann der erste Abschied: „Boro“ heuerte beim FC Bayern an, kehrte aber nur ein Jahr später zurück. Bis zum Karriereende 2012 summierten sich die Einsätze für Werder auf 294 Spiele, in denen er 47 Tore erzielte. Es folgte eine kurze Auszeit und der Start in die neue Laufbahn: Borowski wurde Auszubildender bei Werder und schon 2015 mit der Aufgabe des Sportlichen Leiters der U23 betraut.

Aber: Er warf schnell hin, kehrte Werder im Oktober 2015 zum zweiten Mal den Rücken. Dann im Sommer 2017 die erneute Rückkehr – diesmal als Co-Trainer der U17, was allerdings nur eine Durchgangsstation war. Nach knapp drei Monaten wurde Borowski zum Co-Trainer des Bundesliga-Teams befördert. Für ihn eine grün-weiße Endstation, wie man jetzt weiß.

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