Werder-Kolumne Warum Ducksch auch ohne Tor in der Bundesliga überzeugt

Getroffen hat er zwar noch nicht - doch Marvin Ducksch hat seine Bundesligatauglichkeit in dieser Saison trotzdem schon gezeigt, meint Jean-Julien Beer. Das belegen seine Werte - und ein Quervergleich...
22.08.2022, 18:15
Lesedauer: 3 Min
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Warum Ducksch auch ohne Tor in der Bundesliga überzeugt
Von Jean-Julien Beer

Als Marvin Ducksch beim Spiel in Dortmund in der 81. Minute vom Feld musste, schien der Tag für ihn gelaufen. Er klatschte noch Oliver Burke ab, der für ihn ins Spiel kam, und haderte mit dem Geschehen: Kurz zuvor hatte der BVB durch Raphael Guerreiro auf 2:0 erhöht, Ducksch war auch im dritten Bundesligaspiel der Saison ohne Tor geblieben. Von der Bank aus erlebte Bremens bester Torjäger der Aufstiegssaison die spektakuläre Wende in der Schlussphase mit drei Werder-Toren – und dem umjubelten Siegtorschützen Burke.

Auf den ersten Blick passt das in die Geschichten, die zuletzt über Ducksch erzählt wurden: Dass er ein überragender Zweitligastürmer ist (mit 71 Toren und 34 Vorlagen in 138 Zweitligaspielen), aber seine Tauglichkeit für die Bundesliga noch nicht nachgewiesen hat. Wie sehr ihn dieses Denken stört, ließ Ducksch bei einem Medientermin in der vergangenen Woche durchblicken. Und in der Tat kann man nach drei Spieltagen zu einem anderen Schluss kommen: Dass Ducksch nämlich im Alter von nun 28 Jahren tatsächlich in der Bundesliga angekommen ist, auch wenn das auf Umwegen und reichlich spät passierte – schließlich zählte er als Junioren-Nationalspieler und Torjäger in der U17-Bundesligamannschaft von Borussia Dortmund (47 Tore in 45 Spielen) zu den großen Sturmtalenten seines Jahrgangs. Eine Bundesliga-Karriere schien ihm gewiss.

Die Chance dazu bietet sich nun bei Werder – auch wenn Ducksch noch kein eigenes Tor zum gelungenen Bremer Saisonstart beisteuern konnte, während seine Sturmkollegen Niclas Füllkrug und Burke schon jeweils zweimal trafen. Diese Null in Duckschs Statistik dürfte aber nur eine Momentaufnahme sein, denn viele andere Werte belegen, dass er sich nun gut in der höchsten deutschen Spielklasse zurechtfindet.

In allen drei Spielen stand Ducksch in der Startelf, in Wolfsburg (2:2) und gegen Stuttgart (2:2) spielte er durch. Mit den 81 Minuten aus Dortmund kommt er auf 261 Spielminuten. 157 intensive Läufe und 52 Sprints zeugen ebenso wie seine 140 Ballkontakte davon, wie sehr er ins Bremer Offensivspiel eingebunden ist. Seine Passquote von mehr als 72 Prozent ist für seine Position mehr als ordentlich, auch seine Zweikampfquote von 48 Prozent ist für einen Stürmer sehr in Ordnung.

Um ein besseres Gefühl für diese Werte zu bekommen, kann man sie vergleichen. Zum Beispiel mit dem Werder-Kollegen Füllkrug, dessen Bundesligatauglichkeit über jeden Zweifel erhaben ist. Oder auch mit dem neuen Superstar der Liga, Bayerns Sadio Mané. Ducksch schoss so oft aufs Tor wie Füllkrug (sieben Mal) und leitete zudem gleich sechs Torschüsse seiner Mitspieler ein (Füllkrug nur einen). Ducksch hatte mehr Ballkontakte als Füllkrug und spielte mehr Pässe, auch bei der Zweikampf- und Passquote hat er die besseren Werte. Ducksch gewann deutlich mehr Zweikämpfe als Bayerns Mané (48 Prozent zu 33), seine Pässe kamen auch öfter beim Mitspieler an als bei Afrikas Fußballer des Jahres (67 Pässe bei Ducksch, 42 bei Mané).

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Es ist also nicht so, dass Ducksch mit dem schnellen Bundesligafußball, den engeren Räumen und den stärkeren Abwehrspielern Probleme hat. Er spielt gleichwertig mit und gibt der Bremer Offensive wichtige Impulse, wie in Wolfsburg, als er das Kopfballtor von Leo Bittencourt inszenierte. Es müsste schon viel schieflaufen in den nächsten Wochen, damit Ducksch keine neue Bestmarke für sich aufstellt. Bei seinen bisherigen Bundesligastationen in Paderborn und Düsseldorf kam er über ein Saisontor nie hinaus. Seine ersten sechs Bundesligaspiele davor waren meist Kurzeinsätze im Trikot des BVB unter Trainer Jürgen Klopp. Dass er es als junger Kerl überhaupt neben Lewandowski, Aubameyang oder Reus ins Team schaffte, spricht für ihn. Dass er heute als Führungsspieler bei Werder auch die Freistöße schießt, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Torerfolg – wie zuletzt in Dortmund, als BVB-Schlussmann Kobel seinen Freistoß gerade noch entschärfen konnte.

Einige seiner 20 Tore beim Bremer Aufstieg (nie schoss er im Profifußball mehr) zeugten von einer verbesserten Schusstechnik und einem gestiegenen Selbstbewusstsein. In den ersten Spielen dieser Saison fehlte oft nur etwas Glück zum Torerfolg. Bleibt er gesund, dürfte Ducksch bald sein lang ersehntes Tor schießen – es wäre sein erstes in der Bundesliga seit dem 19. Januar 2019: Damals traf er für Düsseldorf beim 2:1-Sieg in Augsburg. Alle seine 52 Tore seither schoss er in der zweiten Liga.

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