Nach Aufstieg Wie Werder-Chef Baumann den neuen Kader plant

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Werder-Sportchef Frank Baumann hat bereits konkrete Ideen, wie er einen starken Kader für die nächste Saison zusammenstellen will.
16.05.2022, 15:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus
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Frank Baumann hatte sich einen ruhigen Platz gesucht, irgendwo im Wohninvest Weserstadion, denn sonst wäre er so kurz nach dem Abpfiff am Telefon auch kaum zu verstehen gewesen. Feiernde Massen mitten auf dem Rasen, ausgelassene Spieler, erst draußen, dann in der Kabine – und von überall her diese laute Partymusik, die dem Anlass nur allzu gerecht wurde: Nach einem Jahr der Abwesenheit hatte Werder Bremen durch einen 2:0-Erfolg im Heimspiel gegen Regensburg den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht – und dafür gesorgt, dass nach dem Schlusspfiff nur noch der Moment, das Hier und Jetzt, die pure Freude zählte. Anders formuliert: Gedanken über den nächsten Tag dürften sich am Sonntagnachmittag nur sehr, sehr wenige Menschen am Osterdeich gemacht haben. Frank Baumann gehörte definitiv zu ihnen.

Schnell zum Stammkader

Angesprochen auf die lange Partynacht, die auch ihm nun bevorstehen sollte, sagte der Sportchef an seinem stillen Platz im Stadion: „Die Spieler dürfen jetzt ausgelassen mit den Fans feiern, aber ich muss morgen wieder arbeiten, weil es für uns direkt weitergeht. Ab mittags sitze ich wieder im Büro.“ Und zwar mit dem klaren Ziel, so schnell es geht, einen schlagkräftigen Kader für die neue Saison in der Bundesliga zusammenzustellen.

„Wir haben klare Ideen im Kopf, wie es mit der Mannschaft weitergehen kann und auf welchen Positionen wir Bedarf haben“, sagte Baumann – und hob hervor: „Jetzt, wo Klarheit herrscht, dass wir in der nächsten Saison wieder in der Bundesliga spielen, werden wir weiter an diesen Ideen arbeiten. Wir wollen deutlich früher als im letzten Sommer den absoluten Stamm des Kaders zusammenhaben.“

Wir haben klare Ideen im Kopf, wie es mit der Mannschaft weitergehen kann
Frank Baumann

Zur Erinnerung: Nach dem bitteren Abstieg im Mai 2021 hatten rund ums Weserstadion Monate der großen Ungewissheit geherrscht. Leistungsträger mussten auf einem von der Corona-Pandemie arg ausgebremsten Transfermarkt zunächst aus finanziellen Gründen abgegeben werden, ehe der Verein überhaupt in der Lage war, selbst einzukaufen, was dazu führte, dass der Kader bis zum Saisonstart noch nicht komplett fertig war. Das soll und wird sich laut Baumann im Sommer 2022 nicht wiederholen.

Der Sportchef und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Monaten zweigleisig geplant, für beide Ligen, und sollen dabei mit einigen Spielern schon recht weit gekommen sein. „Grundsätzlich ist es jetzt als Erstligist einfacher, einen Spieler von sich zu überzeugen“, sagte Baumann, wollte mit dieser Aussage aber keine allzu hohen Erwartungen verknüpft wissen: „Natürlich ist es auch finanziell ein Stück einfacher, aber es ist ja bekannt, dass wir nicht mehr an das Budget aus Zeiten vor dem Abstieg herankommen.“

Neuzugang mit Erfahrung gewünscht

Aktuell sind nach Informationen unserer Deichstube 30 Millionen Euro plus X als Gehaltsbudget für den neuen Kader vorgesehen. In der letzten Erstliga-Saison 2020/21 waren es noch 47 Millionen Euro gewesen. Zudem ist Werder erneut darauf angewiesen, einen Transferüberschuss zu erzielen, nur muss dieser nicht mehr so hoch sein wie im vergangenen Sommer, als ein Plus von über 20 Millionen Euro erwirtschaftet wurde, das maßgeblich zum finanziellen Überleben des Clubs beitrug. Baumann sieht die Kaderplanung zwar auch in diesem Jahr als „eine Herausforderung“ an, ließ am Sonntagnachmittag aber einen Satz folgen, der vielen Fans gut gefallen dürfte: „Wir sind optimistisch, dass wir interessante Spieler von uns überzeugen können.“

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Das Bremer Beuteschema ist dabei klar umrissen: Einerseits sollen Profis mit Erfahrung kommen, sprich „Spieler, die schon viel erlebt und gesehen haben“, wie Baumann erklärte. Ein Kandidat, den Werder dafür schon länger ins Auge gefasst hat, ist Pascal Groß, dessen Vertrag bei Premier-League-Club Brighton & Hove Albion im Sommer ausläuft. Bereits im Winter hatte es erste Gespräche zwischen Spielerseite und Verein gegeben, die nun, nach dem Aufstieg, konkreter werden könnten. Den 30-jährigen Ex-Ingolstädter Groß’ soll es nach fünf Jahren in England zurück nach Deutschland ziehen. Auch andere Bundesligisten, so ist zu hören, haben ein Auge auf ihn geworfen. 

Potenzialspieler für Konkurrenzkampf

Auf der anderen Seite fahndet Werder auch nach Spielern, die die Qualität des Kaders in der Breite verstärken sollen, um den Konkurrenzkampf zu erhöhen. „Auch Potenzialspieler, die vielleicht erst in ein oder zwei Jahren eine wichtige Rolle spielen, werden unter den Neuzugängen sein“, sagte Baumann, der in Augsburgs U 19-Spieler Dikeni Salifou bereits im April einen solchen Akteur unter Vertrag genommen hat.

Viel wird bei den Bremer Personalplanungen natürlich auch davon abhängen, was mit den Profis passiert, deren Verträge im Sommer auslaufen. Aktuell ist sowohl die Zukunft von Torhüter Jiri Pavlenka als auch die der Abwehrspieler Ömer Toprak und Milos Veljkovic noch offen. „Mit dem Thema werden wir uns in der nächsten Woche intensiver beschäftigen“, kündigte Baumann am Sonntag an. Darüber hinaus dürften Akteure wie beispielsweise Marco Friedl (Vertrag bis 2023) längst das Interesse anderer Vereine geweckt haben. Baumann bleibt allerdings ganz entspannt. Am Sonntagnachmittag, als alles um ihn herum feierte, ließ er zwei Sätze fallen, die nicht unbedingt nach groß angelegten Bauarbeiten am Kader klangen: „Wir haben ja schon ein gewisses Grundgerüst. Der Umbruch wird also nicht so groß sein wie im vergangenen Jahr.“

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