1:1 gegen St. Pauli Ducksch-Tor reicht Werder Bremen nicht zum Sieg

Nach Überraschungen in der Startelf und einem umkämpften Spiel hat der SV Werder Bremen gegen den FC St. Pauli einen Punkt geholt. Das Spiel gegen den Tabellenführer der 2. Liga endete 1:1.
30.10.2021, 15:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander

Betrachtet man es positiv, dann hat Werder Bremen am Samstag die Siegesserie des FC St. Pauli gestoppt. Betrachtet man es negativ, dann hat der Bundesliga-Absteiger schon wieder nicht gewonnen. Mit 1:1 (0:0) trennte sich das Team von Trainer Markus Anfang vom Spitzenreiter der 2. Liga. Marvin Ducksch (62.) zur Bremer Führung und Finn Ole Becker (67.) sorgten für die Tore in einer Partie, die sich über die Minuten zu einem sehr guten, am Ende aufregenden Match steigerte.

Aufregend war auch die Startelf, die Anfang zusammengebastelt hatte. Nicht nur, dass er Abwehrspieler Lars Lukas Mai auf die Bank setzte, dafür Anthony Jung brachte. Nein, der Coach setzte erstmals in der Startelf auf einen Sturm mit Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug. Während diese Maßnahme nicht unerwartet kam, überraschte Anfang jedoch mit einem Torwartwechsel. Michael Zetterer musste auf der Bank Platz nehmen, Jiri Pavlenka, die Stammkraft der vergangenen Jahre, kam zu seinem Saisondebüt. Anfangs Erklärung: „Wir haben das Gefühl, dass Pavlenka der Mannschaft mit seiner Routine und Erfahrung, mit seiner Ruhe etwas geben kann.“ Zetterer, und das betonte der Trainer deutlich, sei aber „nichts vorzuwerfen“.

Werder Bremen überließ St. Pauli den Ball

Gegen den Spitzenreiter aus Hamburg, der mit 27 Toren nach elf Spieltagen die stärkste Offensive der 2. Liga stellte, rückte Pavlenka zunächst aber überhaupt nicht in den Blickpunkt. Vor 42.100 Zuschauern im erstmals seit Februar 2020 ausverkauften Weserstadion entwickelte sich ein Spiel, in dem Werder dem Gegner häufiger den Ball ließ, um selbst mit langen Bällen kontern zu können. So kamen die Bremer zu Freistößen, die wiederum gute Chancen brachten. Füllkrug verfehlte nach Ducksch-Vorlage mit einem Heber das Tor (8.), Nicolai Rapp wischte knapp an einem Ducksch-Freistoß vorbei (11.). Nach 24 Minuten lag der Ball zwar im Tor, Marco Friedl hatte bei seinem Hechtsprung aber die rechte Hand zu Hilfe genommen – klarer Fall: kein Tor und Gelb für Friedl.

Den einzigen Schreckmoment auf der anderen Seite erlebte Werder nach einer Standardsituation des FC St. Pauli. Abwehrmann James Lawrence köpfte freistehend drüber (30.). Ansonsten ließen die Gastgeber, die je nach Spielsituation zwischen einem 3-5-2 und einem 4-4-2 wechselten, zunächst keine gegnerischen Chancen zu.
 Der Offensive konnte in puncto Effizienz jedoch keine Steigerung attestiert werden. Füllkrug und Ducksch zeigte, dass sie mittels körperlicher Wucht, aber auch durch gutes Zusammenspiel einiges bewegen können, aber zwingend wurden die Aktionen nicht. Klares Manko auch: Romano Schmid traf auf der linken Seite zu oft die falschen Entscheidungen, blieb hängen oder spielte Bälle ins Nichts.

Auf der Gegenseite war Felix Agu mit seinen Vorstößen wirkungsvoller, bereitete nach einem gewonnenen Laufduell die zweite Bremer Top-Chance vor. Seine Ablage drosch Ducksch jedoch drüber (45.), weshalb nach Halbzeit eins dieses Fazit blieb: Intensives Spiel, aber kein Tor – und vom erhofften Spektakel war das Spiel noch ein gutes Stück entfernt.

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St. Pauli drehte in der zweiten Halbzeit auf

St. Pauli kam nach der Pause mit dem erkennbaren Willen aus der Kabine, daran etwas ändern zu wollen. Der Liga-Primus brachte Sturm-Riesen Simon Makienok (2,01 Meter groß) und gab nun richtig Gas. Werder kam in Bedrängnis, hatte Glück, dass sich Makienok (52.) sowie zweimal Torjäger Guido Burgstaller (54./60.) noch stören ließen.

Und dann: Überrumpelungsangriff des Sturmduos Füllkrug/Ducksch gegen die weit aufgerückten St. Paulianern. Von der Mittellinie spielte Füllkrug den Ball in den Lauf des Kollegen, der an St. Pauli-Keeper Nikola Vasilj vorbei zog und ins leere Tor einschob (62.). 1:0 - das Weserstadion tobte, aber es tobte nicht lange. Denn nur fünf Minuten später antworteten die zuletzt fünfmal in Folge siegreichen Hamburger. Finn Ole Becker traf flach von der Strafraumgrenze, nachdem Werder die Szene eigentlich schon geklärt hatte, der Ball aber via Niclas Füllkrug wieder verloren ging. Pavlenka streckte sich bei dem Abschluss vergeblich. Dass Werder erneut eine Führung nicht halten konnte, aus dem Vorsprung keine Souveränität ziehen konnte, sondern unerklärlich nervös wurde, ist ein Thema, das es dringend zu bearbeiten gilt.

Immerhin: Nach vorne ging noch 'was: Ducksch warf sich in eine Agu-Flanke, köpfte aber vorbei (75.). Auf der Gegenseite rettete Marco Friedl in höchster Not vor Makienok (79.).

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Mitchell Weiser mit Glück in den Schlussminuten

Für den vorletzten Aufreger sorgte St. Paulis Burgstaller, der den eingewechselten Mitchell Weiser mit dem Ellenbogen niederstreckte. Das hätte Rot sein können, Gelb sogar sein müssen für den vorbelasteten Österreicher. Doch Schiedsrichter Felix Zwayer ließ beide Karten stecken (86.). Vermutlich hätte der Referee auch ein Tor von Makienok in der Nachspielzeit durchgewunken. Der FC St. Pauli jubelte schon, doch der Videocheck zeigte deutlich: Handspiel. Finales Glück für den SV Werder, der das 1:1, das dritte sieglose Spiel in Folge, nur bedingt als Schritt nach vorne werten kann. Ducksch/Füllkrug, das passte in der Offensive. Defensiv fehlt weiter ein Stabilisator, einer, der die Dinge ordnet, wenn der Druck größer wird.

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