Mitgliederversammlung

Die Werder-Opposition um Wontorra bleibt am Ball

Es wird nicht nur sportlich ein spannender Frühling für den SV Werder Bremen, sondern auch strukturell. Jörg Wontorra ist weiterhin bereit, für die Opposition in den Aufsichtsrat zurückzukehren.
23.03.2021, 19:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Die Werder-Opposition um Wontorra bleibt am Ball

Jörg Wontorra (r.), hier im Gespräch mit Werder-Geschäftsführer Frank Baumann, ist weiterhin bereit, in den Werder-Aufsichtsrat zurückzukehren.

nordphoto / Kokenge

Es wird nicht nur sportlich ein spannender Frühling für den SV Werder Bremen, sondern auch strukturell. Die Aufregung um die Gruppe besorgter Werder-Fans, die gemeinsam Veränderungen in der Führung des Bundesligisten herbeiführen will, hat sich zuletzt zwar etwas gelegt, aber das kann sich schnell wieder ändern. Alles hängt davon ab, wann die im vergangenen November wegen der Corona-Pandemie abgesagte Mitgliederversammlung nachgeholt wird. Jörg Wontorra ist jedenfalls weiterhin bereit, für die Opposition in den Aufsichtsrat zurückzukehren.

„Ich bin im Austausch mit den Werder-Fans, die mich gebeten haben, für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Natürlich ist es wegen der Einschränkungen durch die Pandemie alles etwas ruhiger geworden. Aber diese Werder-Fans haben immer noch ein Anliegen und werden das auch publik machen“, berichtet Wontorra auf Nachfrage der DeichStube und betont: „Die Geschichte wird jetzt nicht im Sande verlaufen. Wir müssen aber gerade alle etwas Geduld haben.“

Denn es gibt immer noch keinen Termin für die Mitgliederversammlung. Eigentlich war der Mai mit einer Freiluftveranstaltung im Weserstadion anvisiert worden. Doch die neuerliche Lockdown-Verlängerung bis Mitte April macht eine Planung schwieriger. Spätestens sechs Wochen vor der Versammlung muss satzungsgemäß die offizielle Einladung erfolgen. Wahrscheinlicher ist daher ein Termin im Juni.

Wontorra sieht es gelassen. Die Gesundheit gehe selbstverständlich vor. Der 72-Jährige muss sich dabei auch ganz persönlich in Geduld üben. Er wurde zwar satzungskonform von mindestens 50 Mitgliedern als Kandidat für die Aufsichtsratswahl vorgeschlagen, aber es fehlt weiterhin die Zulassung zur Wahl durch den Wahlausschuss. Er sei von dem zuständigen Gremium "noch nicht angehört worden. Wir haben uns darauf verständigt, einen Termin zu vereinbaren, wenn klar ist, wann die Mitgliederversammlung stattfindet. Und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt. Ich habe immer noch große Lust, mich für Werder zu engagieren“, sagt Wontorra.

Seine Mitstreiterin Maria Yaiza Stüven Sanchez, die ebenfalls die besorgten Werder-Fans vertritt, hat die offizielle Anhörung bereits hinter sich. Der Wahlausschuss will seine Entscheidung, wer auf der Kandidatenliste stehen wird, aber erst am Ende des Auswahlprozesses verkünden.

Als sicher gilt: Die aktuellen Aufsichtsratsmitglieder Marco Bode, Kurt Zech, Thomas Krohne und Andreas Hoetzel wollen und dürfen wieder zur Wahl antreten. Als Vertreter des Vereins wurden bereits Axel Plaat und Marco Fuchs in ihren Ämtern bestätigt. Es geht also nur noch um vier freie Plätze im Kontrollgremium. Neben Wontorra und Stüven Sanchez ist auch der ehemalige Staatsrat Hans-Henning Lühr als möglicher Kandidat bekannt. Es soll allerdings noch weitere Interessenten geben.

„Ich mache mir große Sorgen um Werder, genauso wie diese Gruppierungen. Es gibt überhaupt keine Innovationen und Visionen mehr. Es wird überhaupt nicht nach vorne geguckt, sondern nur verwaltet“, hatte Wontorra Anfang Dezember vergangenen Jahres sein Engagement begründet und scharfe Kritik an den Verantwortlichen geübt: „Bei Werder sitzen viele in ihrer Komfortzone und wollen nur ihren Status verteidigen. Sie sind damit zufrieden, nur irgendwie in der Bundesliga zu bleiben. Die Geschäftsführung ist nicht optimal aufgestellt. Da fehlt es an Kompetenz.“

Damit hatte der bekannte TV-Moderator, der schon von 1999 bis 2003 dem Aufsichtsrat angehörte, für viel Aufregung gesorgt. Nun hält sich Wontorra ganz bewusst zurück, will weder die sportliche noch die finanzielle Situation der Grün-Weißen öffentlich bewerten: „Inhaltlich möchte ich mich erst wieder zu Werder äußern, wenn ich mit dem Wahlausschuss gesprochen habe. Das gehört sich einfach so.“

Sollte Wontorra tatsächlich zur Wahl zugelassen werden, dann darf er auf eine große Unterstützung hoffen. Zehn Fan-Gruppen sollen hinter ihm stehen, die jeweils etwa 30 Personen umfassen. Wenn diese 300 auch Mitglieder und damit wahlberechtigt sind, wird es richtig spannend. Denn bei der letzten Versammlung im November 2019 waren gerade einmal 260 Mitglieder anwesend.

Möglicherweise wird dann im Mai oder eben im Juni auch über eine Vergrößerung des Aufsichtsrates abgestimmt – von sechs auf neun Mitglieder. Eine Idee, die Wontorra unterstützt. Allerdings könnte die Umsetzung nicht schon bei dieser, sondern erst bei der darauf folgenden Mitgliederversammlung erfolgen. So will es die Satzung.

Die sieht auch vor, dass der Verein nicht nur zwei Aufsichtsratsmitglieder der ausgegliederten GmbH & Co KG aA stellt, sondern auch einen Geschäftsführer – im Moment Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Ein eher ungewöhnliches Konstrukt. Üblicher ist, dass der Verein nur im Aufsichtsrat vertreten ist, wie zum Beispiel beim FC Bayern. Bei Werder wird zwar über das Thema durchaus gesprochen, aber eine Änderung ist vorerst nicht geplant.

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