2:2 gegen Stuttgart Tor in letzter Minute – Burke rettet Werder das Unentschieden

Ein Treffer von Oliver Burke in der letzten Minute hat Werder Bremen ein 2:2 (1:1)-Remis gegen den VfB Stuttgart gesichert. Wirklich überzeugen konnten die Bremer nicht, durften am Ende aber trotzdem jubeln.
13.08.2022, 17:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger

Auf der einen Seite wehten grün-weiße Fahnen, gegenüber brannten Fans des VfB Stuttgart im Gästeblock Pyrotechnik ab. Ein Bild, das in diesen Tagen noch einmal ein ganz besonderes Gewicht besitzt. Nach den jüngsten Vorfällen in Wolfsburg schickten die Ultras des SV Werder deshalb vor dem Anstoß per Banner eine unmissverständliche Botschaft in die Welt: „Polizei WOB – Wo die Missachtung von Grundrechten als Erfolg verkauft wird. Konsequenzen jetzt.“ Ansonsten wurde lautstark angefeuert, die Rückkehr der Bundesliga ins Weserstadion gefeiert. Gut zwei Stunden später wurde tatsächlich weitergefeiert – weil Joker Oliver Burke Werder mit seinem Treffer ein 2:2 (1:1) bescherte. 

Gegenüber der Vorwoche gab es bei der Bremer Aufstellung die eine erwartete Veränderung: Ilia Gruev ersetzte auf der Sechs den erkrankten Christian Groß. Jens Stage durfte derweil in der Startelf bleiben und verdrängte den genesenen Romano Schmid auf die Bank. Der zuletzt angeschlagene Niclas Füllkrug stürmte wie gewohnt neben Marvin Ducksch. Und im Tor stand trotz einer gebrochenen Nase Jiri Pavlenka – das Gesicht war nicht einmal mehr mit der aus dem Training bekannten Maske geschützt. Stattdessen versteckte ein großes Pflaster Teile des malträtierten Gesichtes. „Er hat keine Probleme“, betonte Trainer Ole Werner kurz vor dem Anpfiff am „Sky“-Mikrofon. „Er hält die Bälle ja auch mit der Hand und nicht mit der Nase.“

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Pavlenkas Gegenüber Florian Müller hätte wenig später nur zu gern die Hände an den Ball bekommen – doch dazu bekam der Keeper des VfB nicht einmal die Chance. Nach einer Balleroberung von Leonardo Bittencourt schaltete Werder blitzschnell um, schließlich flankte Anthony Jung punktgenau auf den Kopf von Füllkrug, der traumhaft zur frühen Bremer Führung einköpfte (4.) – und das Wohninvest Weserstadion in eine noch größere Party-Arena verwandelte. Nur drei Minuten später kam Ducksch aus spitzem Winkel zum Abschluss, doch dieses Mal konnte Müller gerade noch retten. Und es dauerte keine 120 Sekunden bis zur nächsten Werder-Chance, dieses Mal hämmerte Füllkrug den Ball aus der Distanz an die Latte (9.). Ähnlich wie zuletzt in Wolfsburg waren die Bremer furios in die Partie gekommen.

Anders als eine Woche zuvor nahmen sie dieses Mal aber anschließend das Tempo aus dem Spiel, verließen sich auf die Kontrolle des Geschehens und setzten nun vornehmlich auf Konter. Nach etwas mehr als einer halben Stunde hätte sich diese zeitweilige Zurückhaltung in der Zweikampfführung beinahe gerächt. Wataru Endo prüfte Pavlenka aus der Distanz, Werders Schlussmann ließ den strammen Schuss nach vorne abprallen – doch Marco Friedl bügelte die Unsicherheit des Torhüters aus (32.). Nur sechs Minuten später hatte Endo dann mehr Glück. Erneut durfte er es ungehindert aus rund 20 Metern probieren, Pavlenka hatte nicht den Hauch einer Chance – 1:1 (38.). Damit ging es zunächst in die Kabine, was verständlicherweise auch Sportchef Frank Baumann nicht ganz so gut gefiel: „Wir haben die Stuttgarter Offensivqualität eigentlich ganz gut in den Griff bekommen, aber da reicht manchmal eben auch ein Schuss aus, um zum Torerfolg zu kommen“, meinte er in der Pause bei „Sky“.

Stuttgarts Kalajdzic nach Tritt gegen Friedl im Glück

Die zweite Hälfte begann mit einer personellen Veränderung: Neuzugang Niklas Stark ersetzte in der Abwehrkette Amos Pieper, der im ersten Durchgang bei einer Rettungsaktion im eigenen Strafraum vom fallenden Pavlenka unabsichtlich am Kopf getroffen worden war, zunächst aber noch weitergespielt hatte. Und Stark erlebte gleich die nächste Möglichkeit der Schwaben. Tiago Tomas stürmte bei einem Konter auf Pavlenka zu, doch der Tscheche verhinderte mit einem starken Reflex den Rückstand (55.). Kurz darauf hätten sich die Stuttgarter allerdings nicht beschweren dürfen, wenn Angreifer Sasa Kalajdzic die Rote Karte gesehen hätte, als er ohne Chance auf einen Ballgewinn gegen Friedl nachtrat – Schiedsrichter Robert Hartmann beließ es aber bei Gelb.

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Als gut eine Stunde absolviert war, warteten die Werder-Fans noch immer auf die nächste gute Offensivaktion ihres Teams. Ob es nun an den sommerlichen Temperaturen lag oder allein am Gegner – so richtig schwungvoll war der Bremer Auftritt inzwischen nicht mehr. Ein Schlenzer von Ducksch, der über das Tor strich, sorgte dann immerhin wieder für etwas Gefahr (69.). Doch insgesamt gab es mittlerweile viele zu viele Ungenauigkeiten bei Werder. Strukturierte Aktionen gab es kaum noch, eine schwache Ballbehandlung lud den VfB zum Umschalten ein. Und so fiel dann auch das verdiente 2:1 der Stuttgarter. Dieses Mal hatte sich Weiser einen Ballverlust geleistet, am Ende des folgenden Konters schob Silas problemlos den Ball an Pavlenka vorbei ins Tor (77.).

Oliver Burke trifft Sekunden vor Schluss

Ole Werner brachte nun Schmid für den immer unauffälliger gewordenen Stage, doch erst einmal gab es wieder das Duell Silas gegen Pavlenka – dieses Mal hatte Werders Nummer eins aber das bessere Ende nach einem weiteren Gäste-Konter für sich (80.) und hielt seine Mannschaft so im Spiel. Dann wurden noch Oliver Burke, Nicolai Rapp und Lee Buchanan eingewechselt, um neues Feuer zu entfachen, doch auch weiterhin gelang den Bremern nicht viel. So plätscherte das Spiel einem – aus Sicht der Heimelf – mehr als enttäuschendem Ende entgegen. Doch Oliver Burke hatte noch etwas dagegen und traf in der letzten Minute der fünfminütigen Nachspielzeit zum Ausgleich. Und plötzlich wurde im Weserstadion doch wieder gefeiert. Danach hatte es lange nun wahrlich nicht ausgesehen.   

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