Reaktionen auf die Vorwürfe gegen Anfang "Dafür muss man sich als SV Werder fast schämen"

Der „Fall Markus Anfang“ schlägt hohe Wellen. Wir haben ehemalige Größen des SV Werder Bremen gefragt, was sie über die Vorwürfe gegen den Ex-Trainer denken.
21.11.2021, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Klaus-Dieter Fischer (langjähriges Mitglied des Vorstandes und der Geschäftsführung): „Ich bin entsetzt, wir produzieren nur noch Negativ-Schlagzeilen. Das liegt auch daran, dass wir in der Führung zu unprofessionell sind. Da setzt überhaupt keine Lernfähigkeit ein. Werder – insbesondere Hubertus Hess-Grunewald – rühmt sich immer, so gute Verbindungen zu den Bremer Behörden zu haben – und dann wird man so überrascht und ist in den ersten Stunden geradezu hilflos, weil man nichts weiß. Es ist allerdings auch unglaublich, was Markus Anfang gemacht haben soll. Das ist nicht zu entschuldigen. Bei allem Schrecklichen bin ich aber jemand, der immer auch eine Chance sieht. Der Trainerwechsel kann für einen dringend notwendigen Aufbruch sorgen. Ole Werner finde ich fantastisch, er steht für Aufbruch, ihn sollte man holen. Das muss Frank Baumann hinbekommen. Bei aller Kritik würde ich aktuell eine Trennung von Frank Baumann für nicht zielführend erachten. Gleiches gilt für Klaus Filbry. Aber natürlich muss man sich Gedanken machen, wie es mit Werder langfristig weitergehen soll.“

Jürgen Born (ehemaliger Vorsitzender des Vorstands und der Geschäftsführung): „Es ist schade, dass so ein Betrug gerade im Sport passiert, weil die Beteiligten doch eine große Vorbildfunktion einnehmen. Aber ich sehe das aus Werder-Sicht nicht so negativ und glaube auch nicht an einen großen Imageschaden für den Verein. Denn seien wir doch mal ehrlich: Was hätte Werder anders machen sollen? Niemand hat doch bislang die Echtheit der Impfausweise seiner Mitarbeiter überprüft. Wenn wir von allen Menschen immer denken, dass sie uns betrügen wollen, dann können wir doch nicht mehr zusammenleben. Dass jetzt wieder die Besserwisser um die Ecke kommen, das gehört dazu. Werder sollte besonnen einen neuen Trainer suchen, und dann kann die unschöne Geschichte am Ende vielleicht noch etwas Positives erwirken.“

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Ingo Kläner (Vorsitzender des Fan-Clubs 27801 Dötlingen): „Als wir die Geschichte mit Markus Anfang am Freitag gehört haben, konnten wir uns nicht vorstellen, dass da etwas dran ist. So dumm kann doch kein Bundesliga-Trainer sein! Nun sind wir eines Besseren belehrt worden, obwohl die Schuld natürlich noch nicht bewiesen ist. Es ist unfassbar, was Markus Anfang dem Verein, der Mannschaft und dem Fußball offenbar angetan hat. Ich hoffe, dass wir jetzt nicht noch eine Welle mit solchen Geschichten im Fußball erleben. Den Verantwortlichen bei Werder nun einen Vorwurf zu machen, halte ich für Quatsch. Wenn der Trainer sagt, er sei geimpft, dann glaubt man ihm das doch. Ob Co-Trainer Danijel Zenkovic dauerhaft der Nachfolger sein kann, mag ich nicht beurteilen. Ich würde mir Ole Werner als neuen Trainer wünschen, kann mir aber auch Miroslav Klose vorstellen, wenngleich das nicht ganz einfach würde. Sein Ende bei Werder war nicht schön und er war noch nie Cheftrainer im Profi-Bereich.“

Willi Lemke (Ex-Manager und ehemaliger Chef des Aufsichtsrates): „Das ist eine sehr unangenehme, fast schon peinliche Geschichte. Dafür muss man sich als SV Werder fast schämen. Ich bekomme so viele Nachfragen von überall. Alle wollen wissen, wie so etwas passieren konnte. Wenn die Geschichte wirklich stimmt, ist es mir unverständlich, wie ein Cheftrainer eines Bundesligisten so etwas machen kann. Er stellt damit die Glaubwürdigkeit des Fußballs infrage, der in dieser schlimmen Corona-Zeit so viele Sonderrechte genießt. Ich habe die Werder-Verantwortlichen in der Vergangenheit oft kritisiert, in diesem Fall sehe ich das anders. Sie haben zwar den Trainer eingestellt, konnten das aber nicht erahnen. Besonders begeistert hat mich, wie die Fans im Stadion auf diesen besonderen Tag reagiert haben, was war das für eine tolle Stimmung! Es war zwar kein Fußball-Leckerbissen, aber ein tolles Spiel mit einem gerechten Ergebnis, auch wenn wir am Ende etwas Glück hatten. Als zukünftigen Trainer könnte ich mir Ole Werner vorstellen, er würde gut zu Werder passen.“

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Dieter Burdenski (580 Pflichtspiele für Werder): „Es läuft bei Werder leider schon lange vieles in die falsche Richtung. Wenngleich der Verein für diese Geschichte nicht so viel kann. Wenn es stimmt, dann trägt allein der Trainer die Schuld. Allerdings bleibt immer etwas am Verein hängen. Ich habe schon im Sommer gesagt, dass die Verantwortlichen für den Abstieg auch die Verantwortung übernehmen müssen. Das ist nicht passiert. Da muss letztlich der neue Aufsichtsrat entscheiden, wie es weitergeht. Die Mannschaft hat gegen Schalke gut gespielt, das Unentschieden war gerecht, auch wenn es kein Elfmeter war. Ein guter Trainer sollte leicht zu finden sein, der Markt ist voll. Ich will da keine Vorschläge machen, ich bin nicht der Sportchef. Nur eines ist mir wichtig: Man muss keine Ablösesumme zahlen, um einen guten Trainer zu bekommen.“

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