Ein Weltenbummler als „der perfekte Kollege“

Wolfgang Rolff ist zurück bei Werder

Ach Jahren nach seinem Abschied ist Wolfgang Rolff zurück bei Werder - um den SV zusammen mit seinem alten Chef und Freund Thomas Schaaf vor dem Abstieg zu bewahren.
17.05.2021, 17:48
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Knips
Wolfgang Rolff ist zurück bei Werder

Wolfgang Rolff (links) ist wieder an der Seite von Thomas Schaaf, um den SV Werder in letzter Minute doch noch vor dem Abstieg zu bewahren.

Andreas Gumz

Vorne kurz, hinten lang – seiner Frisur ist Wolfgang Rolff in all den Jahren treu geblieben. Und vielleicht sieht er auch deshalb mit 61 Jahren noch so aus, als hätte er Werder gerade erst verlassen. Doch zwischen Abschied 2013 und Rückkehr 2021 liegen immerhin acht Jahre, in denen Rolff als Trainer und Assistent viel erlebt hat. Nun soll er mit seinem alten Chef und Freund Thomas Schaaf den SV Werder vor dem Abstieg retten.

„Wenn Werder endlich offensiver spielt, dann bleiben sie auch definitiv drin. Ansonsten wird es ein Glücksspiel, denn es ist sehr gefährlich, sich nur hinten reinzustellen und auf den einen Konter zu hoffen. Und gute Konter habe ich in dieser Saison wirklich nur selten gesehen“, hatte Rolff vor einem Monat bei einer Umfrage der DeichStube gesagt und noch angefügt: „Ich verstehe nicht, warum Florian Kohfeldt nicht mehr seinen Offensiv-Fußball spielen lässt. Mit so vielen guten Angreifern wie Füllkrug, Selke, Rashica, Osako, Bittencourt oder auch Sargent musst du anders spielen. Aber es wird immer erst Druck gemacht, wenn die Mannschaft zurückliegt.“

Kohfeldt ist nun Geschichte, Rolff kann mit Schaaf den Kurs ändern. Im ersten Training kümmerte sich Rolff passenderweise schon mal um den Torabschluss. Der Ex-Profi ist ein lockerer Typ. Immer wieder bot er den Spielern die Hand zum Abklatschen an. Rolff kennt alle Facetten des Fußballs, gewann 1983 mit dem Hamburger SV die Deutsche Meisterschaft und den Europapokal der Landesmeister sowie 1988 mit Bayer Leverkusen den UEFA-Pokal. Dazu wurde er 1986 Vize-Weltmeister.

Nach dem Double-Gewinn 2004 holte Schaaf ihn als Co-Trainer nach Bremen. Werder war eine Spitzenmannschaft und Dauergast in der Champions League, gewann 2009 den DFB-Pokal. Doch danach ging es langsam bergab. Als Schaaf 2013 nach dem geschafften Klassenerhalt vor dem letzten Spieltag erfuhr, dass Werder ihn nicht mehr wollte, stand er nicht mehr zur Verfügung. Rolff übernahm für ein Spiel den Chefposten bei Werder.

Die Kombination Schaaf/Rolff gab es dann in der Saison 2014/15 wieder in Frankfurt – und 2016 bei Hannover 96. Davor, dazwischen und danach war Rolff ein Weltenbummler. Er arbeitete als Co-Trainer der Nationalmannschaften von Kuwait und Aserbaidschan. Er war als Assistent in China bei SD Luneng, in Kuwait bei Al-Salmiya SC und zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Laval United FC tätig. Letzterer ein ganz neuer Club, der von ganz unten aus der Dritten Liga nach ganz oben durchstarten wollte. Mit dem Weltkonzern „Tik Tok“ war ein spendabler Sponsor für die Trikotwerbung gefunden worden. Doch der Aufstieg wurde knapp verpasst. Im Frühjahr kehrte Rolff deshalb nach Deutschland zurück, wartete auf neue Angebote. Mit 61 Jahren sollte noch nicht Schluss sein mit einem Job im Fußball.

Und dann rief Schaaf an. „,Wolle' und ich sind ein absolut eingespieltes Team. Er weiß, wie ich Situationen anpacke, wie ich denke. Er hält mir total den Rücken frei“, erklärte Schaaf nun bei seiner Vorstellung und betonte: „Auf der anderen Seite bringt ,Wolle‘ so viel Qualität und Wissen mit durch seine eigene Beobachtung, dass es mir ganz wichtig ist, Informationen von ihm zu bekommen. Er ist einfach ein Top-Fachmann. Ein perfekter Kollege.“

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