Bremer 4:3-Sieg Werders Spektakel gegen Paderborn in der Analyse

Fünf Spiele, fünf Siege: Die Bilanz von Werder-Trainer Ole Werner ist makellos. Doch der Erfolg beim SC Paderborn war ein hartes Stück Arbeit. Die Analyse zeigt, welche Faktoren zum Sieg beigetragen haben.
23.01.2022, 12:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Escher

Fußball-Fans kamen beim 4:3 zwischen Werder Bremen und dem SC Paderborn ganz auf ihre Kosten. Freunde gepflegter Defensivreihen jedoch eher weniger. Das lag nicht nur an den Offensivreihen beider Teams – sondern auch am schwierigen Untergrund, meint unser Deichstube-Taktikanalyst Tobias Escher.

Werder Bremen gegen den SC Paderborn: Diese Paarung verspricht Spektakel. Fünf Pflichtspiele bestritten die beiden Teams vor dem aktuellen Spieltag gegeneinander, viermal fielen vier Tore oder mehr. So spektakulär wie am Samstagnachmittag verlief jedoch keine der Partien. Der Bremer 4:3-Sieg bot Traumtore, eine Werder-Mannschaft, die einen Zwei-Tore-Rückstand drehen konnte – und einen Rasen, der einen gewichtigen Teil zum Spektakel beitrug.

Paderborn gegen Werder Bremen: Raute gegen 5-3-2

Kontinuität war bisher das oberste Gebot unter dem neuen Werder-Coach Ole Werner. Im fünften Spiel musste er nun erstmals seine Startelf verändern: Jean-Manuel Mbom ersetzte den verletzten Felix Agu als Rechtsverteidiger. Ansonsten blieb Werner seiner Stammformation treu. Somit gab es in taktischer Hinsicht keine Veränderungen im Vergleich zu den Vorwochen. Werder begann erneut in einem 5-3-2-System. Bei eigenem Ballbesitz schoben die beiden Außenverteidiger weit nach vorne. Aus dem 5-3-2 bildete sich ein 3-1-4-2-System.

Paderborns Trainer Lukas Kwasniok hielt dem Bremer 5-3-2 eine klassische Rautenformation entgegen. Aus einem 4-3-1-2 wollten die Paderborner früh Bälle erobern und schnell kontern. So rückte Zehner Philipp Klement bei Bremer Ballbesitz weit nach vorne. Teils agierte er sogar als höchster Spieler, um Werders Abwehrchef Ömer Toprak anzulaufen.

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Dahinter versuchten die Mittelfeldspieler, das Zentrum kompakt zu halten. Werder sollte zum Pass auf den Flügel gedrängt werden. Erst dann bewegten sich die Mittelfeldspieler auf den ballnahen Flügel.

Werder-Sieg in Paderborn: Hohes Pressing auf beiden Seiten

Doch nicht nur die Paderborner, sondern auch die Bremer wagten ein hohes Pressing. Hier waren es die Mittelfeldspieler, die immer wieder aktiv nach vorne schoben. Wie unter Werner gewohnt agierten die Bremer im Mittelfeld äußerst mannorientiert. So verfolgten Romano Schmid und Leonardo Bittencourt immer wieder ihre direkten Gegenspieler, Werder schob teilweise äußerst aggressiv vor.

Beide Teams bemühten sich zunächst, das Pressing des Gegners zu umspielen. Paderborn spielte viele flache Pässe in der eigenen Hälfte, um von dort Zehner Klement oder die ausweichenden Stürmer zu finden. Bei Werder waren Bittencourt und Ducksch die Aktivposten: Sie wichen immer wieder auf den Flügel aus und forderten hier die Bälle. Sie wollten die enge Raute über die offenen Flügel aushebeln. Darauf war Paderborn aber vorbereitet. Werder kam zwar auf die Flügel, von dort aber nur selten ins Zentrum zurück.

Rasen in Paderborn in schlechtem Zustand

Die fußballerischen Bemühungen, das Pressing des Gegners zu umspielen, traten mit zunehmender Spielzeit in den Hintergrund. Der größte Gegenspieler beider Teams war der Rasen: Das Grün im Paderborner Stadion sollte man aufgrund seiner Färbung eher Braun nennen. Zahllose Male rutschten Spieler auf dem seifigen Untergrund aus.

Paderborn begriff schneller, dass das Überspielen der ersten Pressinglinie des Gegners die beste Option darstellt. Oder einfacher ausgedrückt: Sobald Bremen den Druck erhöhte, schlugen sie den Ball lang. Durch das Herausrücken der Bremer Mittelfeldspieler entstand ein großer Freiraum im Mittelfeld. Paderborn spekulierte darauf, hier zweite Bälle zu gewinnen. In der Entstehung aller drei Paderborner Treffer spielte ein langer Ball eine Rolle.

Aber auch Werder versuchte im zweiten Durchgang nicht mehr, sich durchgehend aus der eigenen Hälfte zu kombinieren. Sie schlugen den Ball nicht in Richtung Sturmzentrum, sondern auf die Flügel. Hier vermuteten die Bremer die Schwachstelle in der Paderborner Raute – und hatten damit nicht Unrecht. Dem zwischenzeitlichen 1:1 ging ein langer Ball voraus. In der 77. Minute wurde Marvin Ducksch ein Tor aberkannt, nachdem der Ball lang auf den Flügel geschlagen wurde. Niclas Füllkrug stand hier hauchzart im Abseits.

Werder gibt nicht auf

Dass die Partie sich in der zweiten Halbzeit derart spektakulär entwickelte, hatte mehrere Gründe. Zum Einen waren beide Teams gewillt, ihr hohes Pressing auch in der zweiten Halbzeit durchzuziehen. Gepaart mit den zahlreichen langen Bällen sorgte dies dafür, dass keine Mannschaft Kontrolle über das Spiel erlangen konnte. Selbst beim Stand von 1:3 für Paderborn wogte das Spiel von Strafraum zu Strafraum.

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Zum Anderen kamen alle Zutaten für einen perfekten Fußball-Nachmittag zusammen. Die Spieler beider Teams hatten offensichtlich Zielwasser getrunken; anders lässt sich die Fülle an Traumtoren nicht erklären. Knappe Abseitsentscheidungen, Torwartfehler sowie Werders Stärke nach Standards taten ihr Übriges.

Werner betonte nach dem Spiel, man brauche nicht über Taktik reden; das Spiel sei von Kampf geprägt gewesen. Trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, dass Kwasniok in der 67. Minute dreimal und in der 78. zweimal wechselte, während Werders Anfangself bis zur Schlussviertelstunde unverändert durchspielte. Kwasnioks Versuch, in der Schlussphase mit einem regulären 4-3-3 anzugreifen, brachte nicht den gewünschten Effekt.

Werder konnte somit das Spiel noch drehen. Bis zum Schluss hielten sie den Druck im Pressing hoch, setzten nach, schoben weit nach vorne. In diesem verrückten Duell machte das am Ende den Unterschied.

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