Traumtore und Videobeweise Werder gewinnt verrücktes Sieben-Tore-Spektakel in Paderborn

Traumtore, Videobeweise und insgesamt sieben Treffer: Beim Spiel zwischen dem SC Paderborn und Werder Bremen ging es hoch her. Am Ende blieb die Serie von Werder-Trainer Ole Werner bestehen.
22.01.2022, 15:25
Lesedauer: 5 Min
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Von Malte Bürger

Was für ein Spiel! Allerlei Traumtore, zahlreiche Eingriffe des Videoassistenten und lachende Bremer am Ende. Der SV Werder hat unter Trainer Ole Werner auch das fünfte Spiel in Folge gewonnen, dafür aber einen echten Kraftakt hinlegen müssen. Die Gäste feierten letztlich ein 4:3 (1:2) beim SC Paderborn.

Das Spiel begann mit einer Premiere für Ole Werner. Erstmals seit seiner Amtsübernahme schickte Werders Cheftrainer eine andere Startelf auf den Platz – allerdings bastelte er diese nur minimal um. Und das auch nur notgedrungen. Felix Agu fehlte aufgrund von Problemen an der Patellasehne, für ihn rückte erwartungsgemäß Manuel Mbom auf die rechte Seite. „Manu ist vom Charakter her defensiver einzuschätzen, aber er wird seine Sache gut machen“, prognostizierte Werner kurz vor dem Anpfiff am „Sky“-Mikrofon.

Ansonsten war bei Werder genau jenes Personal dabei, das in den vergangenen vier Partien großen Anteil daran hatte, dass vier Siege in Folge herausgesprungen waren. Und der fünfte sollte logischerweise gern folgen. Die Bremer Profis, die mit einem Trauerflor in Gedenken an den kürzlich verstorbenen früheren Werder-Trainer Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner aufliefen, starteten allerdings unruhig. Auf einem schwierigen Boden hatten sie einige Probleme damit, den Ball kontrolliert nach vorn zu bringen – und auch deshalb verursachten sie früh einen Freistoß für die Paderborner in aussichtsreicher Position. Dieser blieb zwar harmlos und landete in der Mauer, doch danach wurde es turbulent.

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Beim folgenden Klärungsversuch im Strafraum traf Ömer Toprak unglücklich SCP-Torjäger Sven Michel mit der Hand im Gesicht, weshalb es Elfmeter gab. Den Versuch von Michel parierte Jiri Pavlenka allerdings, den Abpraller jagte Marco Friedl ins Aus. Doch dann schaltete sich plötzlich der Videoassistent ein, weil Friedl unerlaubterweise im Halbkreis am Sechzehner gestanden hatte – der Elfmeter wurde folglich wiederholt. Dieses Mal trat Florent Muslija an und verwandelte sicher (15.).

Traumtore beim Spiel zwischen dem SC Paderborn und Werder Bremen

Doch Werder wehrte sich und antwortete schnell. Marvin Ducksch traf auf Vorlage von Niclas Füllkrug zum vermeintlichen 1:1 (21.), allerdings hatte Romano Schmid in der Entstehung den im Abseits stehenden Füllkrug bedient, weshalb das Tor richtigerweise nicht zählte. Für die Gäste verlief die Partie also ziemlich bitter, doch dann kehrte immerhin etwas Glück zurück. Felix Platte köpfte bei einem Paderborner Angriff nämlich nur an den Pfosten (23.).

Wenig später war der Rückstand dann aber aufgeholt. Leonardo Bittencourt brachte den Ball in die Spitze, obwohl er dabei heftig gefoult wurde. Anschließend bat Ducksch zum Tanz. Er zog zwei Gegenspieler auf sich und hätte eigentlich auf den völlig freistehenden Füllkrug ablegen müssen – tat dies aber nicht, sondern verlud die Paderborner Abwehr samt Torhüter und schob ein (35.).

Die Freude währte jedoch gerade einmal drei Minuten, denn diese abwechslungsreiche und unterhaltsame erste Hälfte war noch lange nicht zu Ende. So erhielt Muslija den Ball vor dem Bremer Tor, drang in den Strafraum ein, wurde dabei von Christian Groß und Milos Veljkovic kaum angegriffen und zirkelte die Kugel deshalb unhaltbar zur erneuten Führung der Heimelf in den Kasten (38.).

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Werder suchte nach der erneuten Antwort und hätte nach 40 Minuten mindestens einen Freistoß an der Strafraumgrenze bekommen müssen. Im Kölner Keller wurde sogar geprüft, ob das Vergehen an Bittencourt innerhalb des Sechzehners stattgefunden hatte – was nicht der Fall war. Überraschenderweise gab Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) anschließend jedoch nicht einmal den fälligen Freistoß, was die Laune im Bremer Lager noch weiter sinken ließ. Somit blieb es beim 1:2 aus Werder-Sicht zur Pause, nach der nun noch ein gehöriges Stück Arbeit wartete.

Werder Bremen dreht in zweiter Halbzeit auf

Diese nahmen die Gäste zunächst ohne personelle Veränderungen in Angriff. Der Schwung stimmte auch, die erste große Möglichkeit hatte dennoch Paderborn. Felix Platte kam nach 54 Minuten zum Abschluss, doch Pavlenka rettete stark. Nur einige Sekunden später sah Werders Keeper allerdings ziemlich schlecht aus. Platte wagte dieses Mal einen Schuss aus rund 40 Metern – und traf damit tatsächlich über den verdutzten Pavlenka hinweg (57.). Doch es bleib keine Zeit zum Durchatmen, das nächste Traumtor ließ nämlich nicht lange auf sich warten. Die Bremer meldeten sich schlagartig zurück, weil Romano Schmid herrlich per Schlenzer zum 2:3 traf (59.). Keine Frage, die gerade einmal 750 Zuschauer kamen ziemlich auf ihre Kosten.

Und das Spektakel fand einfach kein Ende. Nach einem Fehlpass von Muslija hatte Füllkrug plötzlich freie Bahn. In vollem Lauf schlug er noch einen kleinen Haken und setzte den Ball danach unhaltbar flach zum 3:3 ins lange Eck (66.). Werder war endgültig wieder drin in diesem Spiel – und hätte keine 120 Sekunden fast den nächsten Nackenschlag kassiert. Wieder war Platte mittendrin, der abermals sehenswert Pavlenka überwand. Doch erneut schaltete sich der Videoassistent ein, dieses Mal hatte es ein Foul von Platte an Toprak gegeben, weshalb der Treffer korrekterweise nicht zählte (68.).

Der Unterhaltungsfaktor blieb auch danach hoch, denn plötzlich jubelte wieder Werder. Ducksch hatte den Ball traumhaft aus gut 20 Metern in den gegnerischen Kasten gezirkelt, doch erneut gab es eine Reaktion des VAR. Und tatsächlich, Füllkrug hatte kurz vor dem Tor im Abseits gestanden, weshalb die Freude schnell wieder verflogen war (72.). Exakt zehn Minuten später probierte es Ducksch erneut, dieses Mal hämmerte er den Ball nach einem Konter allerdings ans Aluminium (82.). Dann brannte es auf der Gegenseite lichterloh. Marvin Cuni prüfte Pavlenka, dann musste der Torhüter den Nachschuss von Kai Pröger entschärfen (84.).

Und das lohnte sich: Nach einer hohen Hereingabe segelte SCP-Torhüter Jannik Huth am Ball vorbei, Ömer Toprak stand goldrichtig und lenkte die Kugel zum 4:3 ins Netz (86.).

Nun wurde noch etwas gezittert, unter anderem musste eine fünfminütige Nachspielzeit überstanden werden. Doch dann kam die Erlösung, das Toprak-Tor blieb tatsächlich der Schlusspunkt einer irrwitzigen Partie, die aus Bremer Sicht das perfekte Ende nahm. Und die Mannschaft in der Tabelle auf Platz drei vorspülte.

Werder: Pavlenka – Friedl, Toprak, Veljkovic – Jung, Groß, Bittencourt (78. Rapp), Schmid (87. Schmidt), Mbom (90.+2 Mai) – Ducksch, Füllkrug

Hier noch einmal der Liveticker des Spiels von Werder in Paderborn zum Nachlesen:

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