Fünfter Sieg in Folge Werder beweist Moral gegen Paderborn

Werder bezwang Paderborn in einem kuriosen Spiel mit 4:3. Der Glaube an die eigenen Stärken wurde dabei mehrfach auf eine harte Probe gestellt - mit gutem Ausgang für die Bremer.
22.01.2022, 19:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Sicher war er sich keineswegs. Ganz und gar nicht. Und mal ehrlich: Wie hätte er das, nach all dem, was an diesem Nachmittag bereits passiert war, auch sein können? Ole Werner zögerte also kurz, jubelte dann doch, um sich im nächsten Moment wieder bangen Blickes gen Bank umzudrehen. Zählt der Treffer tatsächlich? Oder doch wieder nicht? „Ich habe mich erst gefreut, bin dann aber schnell wieder ruhiger geworden“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen über das späte Tor von Ömer Toprak, das letztlich nicht zurückgepfiffen wurde und somit einen äußerst spektakulären 4:3 (1:2)-Auswärtssieg der Bremer beim SC Paderborn besiegelte. Es war der Schlusspunkt einer Partie, die Aufreger und Randgeschichten für mindestens fünf Spiele geliefert hatte. Werner stufte sie im Nachgang als „vogelwild“ ein, Paderborns Coach Lukas Kwasniok nannte sie gar „krank“. Und für Werder bedeutete sie den fünften Sieg in Serie. „Wir können daraus jede Menge Kraft ziehen“, sagte Werner, dessen Team mit nunmehr 35 Punkten auf dem Konto Tabellendritter ist – und eindrucksvoll bewiesen hatte, dass es mit Widerständen umgehen kann.

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„So ein Auftritt sagt viel über die intakte Moral innerhalb der Mannschaft aus“, freute sich Werner, „es war zu sehen, dass wir immer daran glauben, wie wir Fußball spielen wollen“. Und dieser Glaube, so muss man das festhalten, war in Paderborn mehrfach auf eine harte Probe gestellt worden. Los ging es damit bereits in der Anfangsphase, als Topraks Hand im Gesicht von Paderborns Stürmer Sven Michel landete und es Elfmeter für die Hausherren gab. Michel trat selbst an, Torhüter Jiri Pavlenka parierte – und kurz darauf wurde der Strafstoß wiederholt. Werder-Verteidiger Marco Friedl hatte unerlaubterweise im Halbkreis vor dem Sechzehner gestanden. Für Werner eine zwar „kleinliche“, aber nicht falsche Entscheidung. Versuch Nummer zwei versenkte Florent Muslija dann sicher zum 1:0 (15.).

Werder hatte in der Folge große Probleme, auf dem enorm tiefen und seifigen Rasen ins Spiel zu finden. Am Ende waren auch die schlechten äußeren Bedingungen so ein Widerstand, den die Mannschaft in Paderborn überwand. Nachdem Marvin Ducksch ein Tor wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung von Niclas Füllkrug aberkannt worden war (21.), erzielte er das 1:1 wenig später regulär (35.). Kurz vor der Pause erhöhte Muslija mit seinem zweiten Treffer des Tages allerdings auf 2:1 für Paderborn. „Wir haben in der ersten Halbzeit Probleme damit gehabt, den nötigen Zugriff zu finden“, monierte Werner. Auch vor dem Tor habe seine Mannschaft die Situationen „nicht zielstrebig genug“ ausgespielt. Das sollte sich ändern.

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Zunächst waren es jedoch die Hausherren, die wieder zuschlugen – und wie! Aus gut 40 Metern überrumpelte Felix Platte den Bremer Schlussmann Pavlenka, der bereits in Hannover ein kurioses Distanztor kassiert hatte (57.). Eine Szene, die durchaus schon so etwas wie die Vorentscheidung hätte sein können. Aber nicht an diesem Nachmittag. Nicht gegen diese Bremer. Werder biss sich zurück ins Spiel, nahm die Zweikämpfe an – und fand vor allem schnell eine passende Antwort: Romano Schmid, der das 1:3 per Fehlpass noch auf den Weg gebracht hatte, besorgte per Traumtor den 2:3-Anschlusstreffer (59.). Für den Ausgleich zeichnete dann Füllkrug nach beeindruckendem Sprint verantwortlich – 3:3 (66.). So richtig kurios sollte es aber erst noch werden.

„Das war ein absolut geiles Spiel. Es ging rauf und runter, da war für jeden etwas dabei“, betonte Ducksch, dem in der 72. Minute der herrliche Treffer zum 4:3 aberkannt worden war. Erneut hatte Füllkrug im Abseits gestanden. Die Paderborner kannten es da schon, das Gefühl, eben doch nicht in Führung gegangen zu sein, denn auch das nicht weniger schöne Tor von Platte hatte in der 68. Minute wegen eines vorangegangenen Fouls an Toprak nicht gezählt. Insgesamt schaltete sich der Video-Schiedsrichter stolze zwölfmal (!) ein, was am Ende sicherlich auch zu Werners Fazit beitrug. Es lautete: „Dieses Spiel gehört auf jeden Fall zu den verrücktesten meiner Karriere.“ Kein Wunder also, dass der 33-Jährige beim späten Toprak-Tor (86.) zunächst eine gesunde Skepsis an den Tag gelegt hatte. Umso größer dann die Freude, als klar war: Zählt!

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„In der Tabelle bringt dir auch so ein Spiel nur drei Punkte“, hielt Werner nach dem Schlusspfiff gewohnt nüchtern fest, räumte dann aber doch liebend gerne ein, dass es in diesem besonderen Fall vielleicht doch einen kleinen Mehrwert geben könnte. „Wir können als Haupterkenntnis mitnehmen, dass wir solche Situationen wie heute überwinden können, wenn wir an uns glauben und unser Ding machen.“ Jetzt ist erstmal Länderspielpause. Gegen den Karlsruher SC soll es danach im heimischen Stadion damit weitergehen.

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