Werder-Elfmeter nach 99 Minuten Schalke fühlt sich "schlichtweg betrogen"

In der Nachspielzeit zeigte der Schiedsrichter im Spiel gegen Schalke plötzlich auf den Elfmeterpunkt. Während die Bremer das Geschenk dankend annahmen, fühlten sich die Schalker um zwei Punkte betrogen.
21.11.2021, 10:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Sander

Eigentlich war das Spiel für den SV Werder schon verloren. Und für den FC Schalke schon gewonnen. Dann lag plötzlich Werder-Joker Roger Assalé im gegnerischen Strafraum am Boden, und Schiedsrichter Tobias Stieler winkte zunächst ab. Doch dann fasste er sich ans Ohr - Kontakt mit dem Videokeller, dann der Gang zum Bildschirm, um zu checken, was gewesen war. Während Stieler also dort stand, waren die TV-Zuschauer schon mit der Szene durch, hatten sie in Zeitlupe mehrfach zu sehen bekommen. Und festgestellt: Handspiel von Assalé, aber bestimmt kein Foul an dem Bremer. Und trotzdem zeigte Stieler plötzlich auf den Punkt, gab Elfmeter für Werder und stürzte den FC Schalke damit tief in die Fassungslosigkeit. „Es ist sehr große Wut da. Ich muss aufpassen, was ich sage“, schnaubte Coach Dimitrios Grammozis später. Allerdings hatte er Stieler da schon verbal auseinandergenommen.
„Und der trägt das Fifa-Wappen auf dem Trikot?“, fragte der Schalke-Coach und konnte nur mit Mühe an sich halten. Noch nie in seinem langen Fußballerleben habe er Vergleichbares erlebt. „Da fehlen mir echt die Worte“, knurrte der Ex-Profi, der sicher weniger erzürnt gewesen wäre, wenn Niclas Füllkrug den Strafstoß nicht zum 1:1 verwandelt hätte. In der neunten Minute der Nachspielzeit.

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Tatsächlich war auch beim wiederholten Überprüfen der Szene nicht zu erkennen, wo Schalke-Verteidiger Henning Matriciani – wie Assalé erst in der 88. Minute eingewechselt - den Bremer getroffen haben soll. Vielleicht mit dem rechten Fuß? Aber nein, da war nichts. Und Grammozis schimpfte sich durch die Pressekonferenz: „Es war ein klares Handspiel des Bremers, dann lässt sich der Spieler fallen. Dass dabei ein Elfmeter gegen uns rauskommt, sprengt alle Rahmen. Das war eine absolute Frechheit, wie ich sie noch nie erlebt habe.“ Stieler empfahl er noch, „vielleicht mal den Schiri-Schein zu machen“.

Und die Bremer? Sie diskutierten natürlich nicht über den Strafstoß, der wie ein Geschenk zu ihnen gekommen war. Füllkrug verbuchte den späten Ausgleich als „Belohnung für eine tolle Reaktion“ der Mannschaft und des ganzen Vereins auf den Rücktritt des Trainergespanns Markus Anfang und Florian Junge. Interimscoach Danijel Zenkovic räumte immerhin ein, dass Assalé das „clever gemacht habe“.

Schalkes Sportvorstand Peter Knäbel war von derlei Bewertungen weit weg. Er fühlte sich „schlichtweg betrogen. Wir wurden um zwei verdiente Punkte gebracht.“ 

Am Sonntag meldete sich dann die Sportliche Leitung der Elite-Schiedsrichter des DFB zu Wort. Die TV-Bilder hätten nicht gezeigt, dass es falsch war von Schiedsrichter Stieler, weiterlaufen zu lassen, heißt es. Und der wichtigste Satz: „Eine Intervention des Video-Assistenten war hier nicht angemessen.“ Die wütenden Schalker dürfen sich also im Recht fühlen.

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