Duell mit dem Spitzenreiter Werder droht den Anschluss zu verlieren

Nach den jüngsten Rückschlägen hat der SV Werder schon sieben Punkte Rückstand auf die Top-Drei der Liga. Markus Anfang will die Bedeutung des Duells mit Spitzenreiter St. Pauli dennoch nicht zu hoch hängen.
28.10.2021, 20:24
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Von Daniel Cottäus

Man trifft sich – und das regelmäßig. Wie es sich für gute Nachbarn gehört. Nur sportlich auf dem Spiel stand dabei schon lange nichts mehr. In den vergangenen Jahren hat es sich fast zu einer Art Tradition entwickelt, dass Werder Bremen und der FC St. Pauli während der Sommer-Vorbereitung in Testspielen gegenseitig als Gradmesser fungierten. Die Wege sind schließlich kurz, das Verhältnis zwischen den Clubs und Fan-Lagern gut – und während der Saison wäre man sich, weil in unterschiedlichen Ligen beheimatet, ohnehin nicht in die Quere gekommen. Kurzum: Die perfekte Konstellation. Im Sommer 2021 erfuhr sie allerdings keine Neuauflage, weil es im Herbst 2021 nun erstmals seit zehn Jahren wieder richtig ernst wird zwischen den Bremern und St. Paulianern.

2. Bundesliga, zwölfter Spieltag, die Ausgangslage schnell erklärt: Für die einen geht es am Samstag ab 13.30 Uhr darum, den Anschluss an die Spitzengruppe nicht endgültig zu verlieren. Die anderen wollen möglichst Tabellenführer bleiben. Eine klare Rollenverteilung also, die nicht wenige Beobachter vor ein paar Wochen allerdings genau andersherum erwartet hätten.

Während der Vorjahres-Zehnte St. Pauli derzeit vor Selbstvertrauen strotzt und in Bremen seinen sechsten Ligasieg in Folge einfahren könnte, bedeutet die Partie für Bundesliga-Absteiger Werder nichts weniger als den Auftakt in eine Phase, in der es schon um die Perspektive für das komplette Spieljahr geht.

Wir sind zuletzt viel an uns selbst gescheitert
Werder-Trainer Markus Anfang

„St. Pauli ist eine Riesenherausforderung für uns“, sagt Werders Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz, dessen Verein nach zuletzt schwachen Auftritten in Darmstadt (0:3) und Sandhausen (2:2) gehörig unter Druck steht. Zumal die Gegner an den folgenden Spieltagen 1. FC Nürnberg (aktuell Platz vier) und Schalke 04 (aktuell Platz drei) heißen. Punktet Werder in diesen Partien nicht ausreichend, könnte sich das Thema „Mitmischen im Aufstiegsrennen“ schon früh erledigt haben. Was die ohnehin angespannte Stimmung rund um den Verein garantiert weiter verschlechtern würde.

Schon jetzt beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz sieben Punkte. Und dennoch: Eine gesonderte Bedeutung möchte Werder-Trainer Markus Anfang den kommenden drei Duellen nicht zusprechen.

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„Diese Spiele sind genauso entscheidend wie die vergangenen drei“, sagt der 47-Jährige und erinnert an ein ungeschriebenes Gesetz, von dem es heißt, dass es im Unterhaus gilt: „In der 2. Liga kann jeder jeden schlagen.“ Werder hat das in der Tat schon mehrfach schmerzhaft zu spüren bekommen (gegen Paderborn, Dresden und Darmstadt), zieht vor dem Heimspiel gegen den Spitzenreiter St. Pauli nun aber selbst Kraft daraus. Anfang: „Wir sind zuletzt viel an uns selbst gescheitert, weil wir viele individuelle Fehler gemacht haben. Aber wir können auch jeden schlagen und werden an unsere Stärke glauben.“ Seiner Mannschaft, in der viele junge Spieler seit dem Sommer plötzlich Verantwortung übernehmen müssten, müsse dafür aber auch die nötige Zeit eingeräumt werden. Kurios: Ausgerechnet St. Pauli dient Werder da gerade als Vorbild.

Werder mangelt es an Effektivität

Zum vergleichbaren Zeitpunkt der Vorsaison rangierte der Hamburger Stadtteilclub, dessen Trainer Timo Schultz einst für Werder gespielt hatte, mit gerade einmal acht Zählern auf dem vorletzten Tabellenplatz, um sich dann zur großen Aufholjagd in der Rückrunde aufzuschwingen und letztlich sicher in der Liga zu bleiben.

Diesen Lauf setzen die Hamburger in der neuen Saison beeindruckend fort. Zuletzt am Mittwochabend, als ein 3:2-Erfolg nach Verlängerung im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden gelang. „Sie haben sich nicht beunruhigen lassen in Phasen, in denen es nicht gut lief, sondern haben kontinuierlich weitergearbeitet“, sagt Anfang, „jetzt werden sie dafür belohnt.“

Geduld haben also, einer Entwicklung Zeit geben – genau das ist es, wofür der Bremer Coach (Stichwort: „Wiederaufbau vor Wiederaufstieg“) schon seit Amtsantritt wirbt. Die Tabelle schaut er sich dabei zwar an, klar. Die letzte Wahrheit ist sie für Anfang aber (noch) nicht. „Wir können unsere Platzierung ja nur über unsere Spiele beeinflussen“, sagt er. Und deshalb arbeitet er lieber daran, dass die Bremer Auftritte möglichst schon ab Samstag deutlich besser aussehen als zuletzt.

Ein großes Thema in dieser Woche war die Effektivität, die Werder bisher hat vermissen lassen. Chancen erspielt sich die Mannschaft ja durchaus, nur ist der Ball gemessen daran zu selten drin. „Wir sind in der Lage, Spiele so zu gestalten, dass wir sie dominieren, aber am Ende muss dabei auch etwas herauskommen“, fordert Anfang, der in seinem Team „mehr Qualität“ sieht „als es sich gerade widerspiegelt“. Am Samstag sollen sich alle Beobachter von der Bremer Stärke überzeugen können. 

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Werder richtet 5. Inklusionsspieltag aus

Bereits zum fünften Mal stellt der SV Werder Bremen einen Heimspieltag ganz ins Zeichen der Inklusion: Rund um das Duell gegen den FC St. Pauli (Samstag, 13.30 Uhr) möchte der Zweitligist mit verschiedenen Aktionen unter dem Motto „Gemeinsam für Inklusion“ auf das Thema aufmerksam machen. Darüber hinaus werden die Volunteers, also die freiwilligen Helfer, die während des Spiels im Einsatz sind, ebenso von Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt wie die Stadionsprecher Arnd Zeigler und Christian Stoll. Zudem wird die Bremer Mannschaft vor dem Spiel beim Aufwärmen spezielle Shirts tragen.    

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