Kritische Worte Werder-Trainer Werner sehnt sich nach mehr Konkurrenzkampf im Kader

Zum Abschluss des Trainingslagers in Spanien sparte der Werder-Trainer nicht mit Kritik an den Spielern und der Größe des Kaders.
10.01.2023, 16:05
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Werder-Trainer Werner sehnt sich nach mehr Konkurrenzkampf im Kader
Von Malte Bürger

So richtig gut gelaunt wirkte Ole Werner zuletzt nicht. Der Trainer des SV Werder Bremen geizte jedenfalls nicht mit kritischen Worten. Zum Abschluss des Trainingslagers im spanischen Murcia wies er deutlich auf Defizite einzelner Spieler (Oliver Burke und Jens Stage) hin, monierte die Qualität des Trainingsplatzes und schlug zudem Alarm, als es um die Breite des Kaders ging. Wohl wissend, dass Werder aus finanziellen Gründen keine Spieler dazu holen kann.

Seit Monaten schon betonen die Verantwortlichen beinahe gebetsmühlenartig, dass der Konkurrenzkampf im Training groß sein muss, er ein ganz wichtiger Faktor für ein gutes Abschneiden des Bundesliga-Aufsteigers ist. Doch nach dem Geschmack von Ole Werner, das wurde so kurz vor der Wiederaufnahme der Arbeit am Osterdeich unmissverständlich deutlich, findet besagtes Ringen um die Stammplätze auf einigen Positionen kaum statt.

Kader ist nicht sehr groß

„Im letzten halben Jahr hat es für uns relativ gut funktioniert. Die Spieler, die auf dem Platz stehen, bieten relativ wenig Angriffsfläche, und ich als Trainer habe relativ wenig Veranlassung, Dinge zu verändern“, gesteht der 34-Jährige, der aber weiß, dass es eben keine Garantie dafür gibt, dass auch weiterhin vieles in die richtige Richtung läuft.

„Unser Kader ist nicht riesig groß, und in diesem Kader haben wir eine ganze Menge Jungs, die jetzt noch nicht so wahnsinnig oft in der Bundesliga auf dem Platz standen oder teilweise noch gar nicht“, warnte Werner deshalb vorsorglich. „Insofern können wir nicht sagen, dass wir 21 Feldspieler haben, die alle um einen Startelfplatz kämpfen. Das ist bei uns definitiv nicht gegeben.“ Auch deshalb seien die Ergebnisse in den Testpartien nach wechselhaften Darbietungen gegen den spanischen Drittligisten Real Murcia (2:0) und den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen (2:2) eben so ausgefallen wie sie ausgefallen sind.

Füllkrug ist Bremer Lebensversicherung

So darf bei Werder etwa auf dem rechten Flügel derzeit nichts passieren. Mitchell Weiser hat sich längst zu einem echten Unterschiedsspieler gemausert, der nicht nur auf besondere Art und Weise Chancen kreiert, sondern auch noch selbst im gegnerischen Strafraum gefährlich wird. Doch dahinter? Da gibt es aktuell zwei Profis, die entweder noch verletzt sind (Felix Agu) oder sich gerade erst nach einer monatelangen Auszeit zurück arbeiten (Manuel Mbom).

Ähnlich elementar wie ein Weiser-Einsatz ist das Auflaufen von Niclas Füllkrug. Die Spekulationen um einen Wechsel sind auch deshalb so lebhaft, weil der 29-Jährige die Bremer Lebensversicherung darstellt, die mit ihren Toren allein zum Klassenerhalt des Teams beitragen kann. Oliver Burke ist trotz seines jüngsten Treffers niemand, der bislang ernsthaft Druck auf das Duo Niclas Füllkrug/Marvin Ducksch ausübt. Auch deshalb gab es jüngst die öffentliche Ermahnung des Trainers. Eren Dinkci müht sich zwar – allerdings ist momentan eher die Frage, ob er es an Burke vorbei an Position drei der Sturm-Rangfolge schafft.

Niklas Schmidt fehlt noch Konstanz

Und so lässt sich das munter fortsetzen. Anthony Jung bleibt auf der linken Seite weitgehend unangetastet, weil sich Lee Buchanan in seiner ersten Werder-Saison noch immer in einem Lernprozess befindet. Im Mittelfeld könnte durch den Ausfall von Romano Schmid (Knieverletzung) ein Platz frei werden, die Optimallösung gibt es jedoch noch nicht. Bei Jens Stage sieht Werner immer noch Nachholbedarf, was die taktische Umsetzung der Vorgaben auf dem Platz betrifft.

Niklas Schmidt fehlt noch die so wichtige Konstanz. Dadurch, dass er in Spanien seine mentalen Probleme öffentlich machte, ist er fraglos der emotionale Gewinner des Trainingslagers. Rein sportlich setzte er auch ein paar Akzente, brachte seine Spielfreude ein und traf obendrein im Test gegen Murcia. Aber reicht das auch, um im Bundesliga-Alltag regelmäßig zu bestehen? „Auf der Acht hoffen wir, dass Romano fit ist. Falls nicht, wird sich die Frage stellen, wer dann reinkommt“, hat Werner noch keine Antwort parat. 

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Jüngere Spieler müssen noch einiges lernen

Wirklich eng geht es im Grunde nur in zwei Bereichen zu. In der Innenverteidigung führt im System Werner unter normalen Umständen kein Weg an Kapitän Marco Friedl und Milos Veljkovic vorbei. Daneben streiten sich aber Niklas Stark und Amos Pieper um den dritten freien Platz, wobei Letzterer nach den jüngsten Eindrücken wieder im Vorteil sein dürfte. Auf der Sechs kämpfen Ilia Gruev und Christian Groß um die Startelf, der Routinier sieht sich dabei einem gehörigen Druck seines jüngeren Widersachers ausgesetzt. Offiziell ist das Rennen noch offen – für alle.

„Es gibt nicht den einen speziellen Spieler, der sich hervorgetan hat“, erklärt Werner mit Blick auf die Arbeit unter spanischer Sonne. „Man sieht aber, dass der eine oder andere Akteur bei uns noch einiges zu lernen hat, speziell die jüngeren Spieler. Man sieht, dass wenn drei, vier wichtige Jungs nicht auf dem Platz stehen, es dann schwierig und etwas dünn bei uns wird.“ Eine ebenso wahre wie bedrohliche Aussage des Cheftrainers. Eine, deren Wahrheitsgehalt sie bei Werder lieber nicht während der restlichen Saison andauernd vor Augen geführt bekommen möchten. Denn dann wäre die Laune wirklich schlecht.

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