Niederlage gegen Heidenheim Wie Werder mit der Niederlage gegen Heidenheim umgeht

Das Kartenhaus ist eingestürzt. So hat Anthony Jung die Niederlage und das Ende der Serie Werders beschrieben. Doch der Aufstiegskampf ist noch nicht vorbei. Wie geht die Mannschaft damit um?
13.03.2022, 19:05
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Von kni

Marvin Ducksch stürmte schimpfend durch die Interview-Zone Richtung Kabine – mit Marco Friedl im Schlepptau, der beruhigend auf den Torjäger des SV Werder Bremen einwirken wollte. Vergeblich! Ducksch war nach der 1:2 (0:1)-Niederlage beim 1. FC Heidenheim sauer. Reden wollte er darüber nicht. Vielleicht auch aus Selbstschutz. Dafür sprachen andere Bremer – und sie einte eine gehörige Portion Selbstkritik, aber auch Selbstbewusstsein.

Werder will sich von der ersten Niederlage unter Coach Ole Werner nach neun Siegen und einem Unentschieden nicht vom gemeinsamen Erfolgsweg abbringen lassen. Wohl wissend, dass in Heidenheim nicht nur wichtige Punkte sowie die Tabellenführung verloren gegangen sind, sondern auch zwei ganz wichtige Spieler. Durch den langen Ausfall von Ömer Toprak und die Zwangspause von Marco Friedl wird das Unternehmen Aufstieg gewiss nicht einfacher.

Es gilt jetzt, die Wunden zu lecken - sowohl körperlich als auch im Kopf.
Ole Werner, Werder-Trainer

 „Es gilt jetzt, die Wunden zu lecken - sowohl körperlich als auch im Kopf“, meinte Werner nach der Partie und blickte sofort nach vorne: „Es hat uns nach einer langen Zeit mal wieder erwischt und jetzt zeigt sich, wie wir damit umgehen - auch mit den personellen Themen. Wir haben eine Woche Zeit, uns auf Darmstadt vorzubereiten. Auf das Spiel freuen wir uns sehr vor ausverkauftem Haus im Weserstadion.“

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Darmstadt kommt als neuer Tabellenführer nach Bremen, hat genauso wie der FC St. Pauli und Werder auf den Rängen zwei und drei 48 Punkte auf dem Konto. Alle drei Teams haben am Wochenende Federn lassen müssen, dabei kassierte allerdings nur Werder eine Niederlage – die erste nach 15 Wochen. Im Fußball eine gefühlte Ewigkeit. „Unsere schöne Serie ist gerissen, das Kartenhaus eingestürzt“, bediente sich Anthony Jung schon einer sehr drastischen Beschreibung der Situation, um sich dann aber sofort wieder kämpferisch zu geben: „Wir arbeiten jetzt an einem neuen Kartenhaus und versuchen, wieder eine Serie zu starten.“

Dazu gehört freilich auch eine Analyse der Partie. Werner wollte den Ausfall von Toprak schon vor und von Friedl während der Partie nicht als Hauptgrund für die Pleite heranführen, aber eben auch nicht unerwähnt lassen. Er sprach von einer gewissen Unruhe auf dem Platz: „Man hat uns angemerkt, dass uns etwas Klarheit in den Aktionen gefehlt hat, was sicherlich auch mit der ein oder anderen verletzungsbedingten Umstellung zu tun hat.“ Ohne Kapitän Toprak wird aus der vielleicht besten Abwehr der Liga eben nur noch eine gute – und ohne Friedl vielleicht nur noch eine durchschnittliche. Oder in Zahlen ausgedrückt: Mit Toprak holte Werder in dieser Saison 2,33 Punkte pro Spiel, ohne ihn nur 0,75. Man erinnert sich mit Schrecken an den Herbst, als Toprak schon einmal mit Wadenproblemen ausfiel.

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Doch es war nicht allein die Abwehr, die das Spiel in Heidenheim verlor. In der Vergangenheit sorgte oftmals die starke Offensive dafür, dass Werder konstant punktete. Es gab zwar gerade vor der Pause einige gute Chancen, Niclas Füllkrug scheiterte mehrfach am starken Keeper Kevin Müller, Leonardo Bittencourt am Pfosten. „Es hat die letzte Präzision gefehlt“, gab sich Füllkrug durchaus selbstkritisch: „Dazu kam auch noch ein guter Torwart beim Gegner.“ Den brauchte es allerdings auch bei den Gästen. Jiri Pavlenka hatte mehrfach stark pariert und dabei die Fehler seiner Vorderleute ausgebügelt. Bei den Schüssen von Christian Kühlwetter (38.) und Stefan Schimmer (63.) war er dann machtlos. Werder lag 0:2 hinten und die mit 11 250 Zuschauern zu 75 Prozent gefüllte Voith-Arena glich einem Tollhaus. Die Heidenheimer Fans konnten ihr Glück kaum fassen: Nach vielen Geisterspielen durften sie endlich in großer Zahl zurück ins Stadion und dann auch noch einen Sieg gegen den großen SV Werder bejubeln. Die gelungene Revanche für den verpassten Aufstieg vor knapp zwei Jahren in der Relegation wurde in der 50 000-Einwohner-Stadt bis in die Morgenstunden ausgiebig gefeiert.

Wir müssen uns jetzt nicht anschreien, sondern einfach ruhig und entspannt bleiben.
Niclas Füllkrug, Werder-Spieler

Die 1400 mitgereisten Werder-Fans hatten nur eine Szene zu beklatschen: das schöne Freistoß-Tor von Marvin Ducksch (89.). Doch der Treffer kam zu spät, da half auch nicht die Überzahl nach der Roten Karte für den Ex-Bremer Marnon Busch nach üblem Foul an Nick Woltemade. „Ich denke, unter dem Strich ist der Sieg nicht unverdient, weil Heidenheim in beiden Strafräumen einfach konsequenter war“, urteilte Werner und übte damit indirekt Kritik an seiner Mannschaft. Deutlichere Worte wählte er nicht, sondern lieber den ruhigen, den sachlichen Weg, für den er bekannt ist. Die Spieler äußerten sich ähnlich. „Wir müssen uns jetzt nicht anschreien, sondern einfach ruhig und entspannt bleiben“, forderte Füllkrug – und Ersatzkapitän Bittencourt meinte: „Wir müssen das Spiel abschütteln und dürfen jetzt nicht alles über den Haufen werfen. Wir dürfen uns jetzt nicht zerfleischen, denn das bringt überhaupt gar nichts.“ Da war es wahrscheinlich ganz gut, dass der angefressene Ducksch seinen Frust nicht öffentlich machte…

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